Klaus Endress begründete – man entschuldige diesen altmodischen Begriff – beinahe ritterlich, warum er nicht für das Reinacher Gemeindepräsidium kandidiert. Er habe Respekt vor den Verdiensten von Amtsinhaber Urs Hintermann, sagte der FDP-Politiker gestern in Reinach. Und: Er wolle ein Miteinander im Gemeinderat, kein Gegeneinander. Er wolle für die Gemeinde nur das Beste, man habe nun eine Win-win-Situation, mit der alle zufrieden sein könnten.

Den Wählerinnen und Wählern wird der zwischen Urs Hintermann und Klaus Endress ausgehandelte Nichtangriffspakt kaum munden. Eine Mehrheit von ihnen hat sich bei den Gemeinderatswahlen für Endress ausgesprochen. Der Freisinnige erhielt fast 700 Stimmen mehr als der Amtsinhaber von der SP. In diesem Resultat manifestiert sich wohl weniger eine allfällige Unzufriedenheit mit den – zweifellos grossen – Leistungen von Urs Hintermann, sondern eher der generelle Wunsch nach einem Wechsel nach über einem Vierteljahrhundert mit der SP an der Spitze der zweitgrössten Baselbieter Gemeinde. Kommt hinzu, dass Endress als Patron alter Schule (auf sein Markenzeichen, die Fliege, verzichtete er gestern) die Aura des Erfolgs umweht.

Hintermann gegen Endress, es wäre das spannendste Duell gewesen am 5. Juni: Hier der erfahrene und dossiersichere Bisherige – dort der Newcomer, der es schafft, dem Amtsinhaber schon nach kurzer Zeit im Gemeinderat gefährlich zu werden. Das spielt nun alles keine Rolle mehr: In Reinach kommt es zu einer Stillen Wahl. Urs Hintermann tritt seine wohl letzte Amtszeit an.

So ritterlich Endress argumentiert und so gross Urs Hintermanns Verdienste für Reinach auch sein mögen – eine richtige Wahl wäre besser gewesen. Denn erst dann hätten die Stimmbürger wirklich das letzte Wort gehabt. So, wie es in einer Demokratie eigentlich sein sollte. Eine Siegerin gibt es trotzdem: Reinach. Denn es gibt wohl kaum eine Gemeinde, die mehr Kompetenz und Persönlichkeiten in ihrer Exekutive vereint.

Da sind auch stille Wahlen zu verschmerzen.