In Knickerbockern und Hosenträgern kommen sie die Sitzränge des römischen Theaters herunter: Im Retro-Tenue, das an die Sängerknaben aus dem Film «Les choristes» erinnert, betreten die 24 Gesangstalentierten von Männerstimmen Basel die Bühne.

Der Auftakt des Stimmen-Festivals in Augusta Raurica steht ganz im Zeichen des menschlichen Mundwerks und dessen erstaunlichen Möglichkeiten. Dies demonstrieren die jungen Sänger unter der Leitung des Dirigenten Oliver Rudin gut: Im ausverkauften Theater in Kaiseraugst überschreiten sie die Grenzen zu anderen Musikkulturen.

Urdu, Rätoromanisch, Slowenisch und Koreanisch sind dabei nur einige der Sprachen, in denen gesungen wird. Von Franz Schubert über einen kirchenslawischen Hymnus bis zum finnischen «Pseudo Yoik», der sich an die Gesänge der Samen anlehnt, ist eine breite Palette an Stilen vertreten.

Ein ritueller Tanz aus Indien

Für erstaunte Gesichter im Publikum sorgt das Stück «Zikr» aus der Feder des Bollywood-Komponisten Allah Rakha Rahman. Es handelt sich dabei um einen schweisstreibenden rituellen Tanz der muslimischen Minderheit Indiens. Die Bässe und Tenöre werden dabei von einer Sitar und Perkussion begleitet.

Nebst geistlichen Gesängen steht auch Weltliches auf dem Plan - so etwa das estnische Stück «Muistse mere laulud». Beim Anhören dieses Liedes wähnt man sich auf einem wilden Segeltörn. Es wurde von Veljo Tormis für die Regatta an den Olympischen Spielen 1980 geschrieben. Das Rauschen der Wellen, das Hissen der Segel und sogar das Kreischen der Möwen werden dabei gekonnt durch Lautmalerei nachempfunden.

Dass der baltische Staat, den der Chor schon besucht hat, als Inspiration dient, ist kein Zufall: «Estland hat eine Volksliedkultur, die seinesgleichen sucht», meint der Sänger und Vizedirigent David Rossel. Beim Seglerlied handle es sich etwa um altestnische Runen, die vom Komponisten zeitgemäss vertont wurden. Diese Mischung aus Tradition und Innovation sei in der Schweiz leider viel zu wenig anzutreffen, wie Rossel erklärt.

Larynx singt von der Nacht

Auch beim zweiten Teil des Konzertabends steht der Kehlkopf im Vordergrund, wie schon der Name der nächsten Formation andeutet: Das Vokalensemble Larynx sorgt beim Eindunkeln für einen stimmungsvollen Auftritt. Im nun beleuchteten Römertheater treten die sechs Frauen und vier Männer in dezenter schwarzer Kleidung auf.

Passend zur Uhrzeit lautet ihr Programm «Abendlich schon rauscht der Wald».Sowohl vertraute wie auch weniger bekannte A-cappella-Werke der Romantik, die dem Thema Nacht gewidmet sind, lassen das Publikum die Ohren spitzen.

Unter der Leitung von Jakob Pilgram wenden sich die geschulten Stimmen mehreren Kompositionen von Robert Schumann, Johannes Brahms, Fanny Hensel und Hugo Wolf zu. Den Einstieg in die Dämmerung macht das Abendlied von Matthias Claudius, besser bekannt als «Der Mond ist aufgegangen», in einer mehrstimmigen Vertonung von Max Reger.

Der musikalische Themenabend im nicht alltäglichen Ambiente der römischen Ruinen wird mit einem anderen Abendlied, demjenigen von Josef Gabriel Rheinberger, abgerundet.