Der Pratteler Einwohnerrat hatte Ende September entschieden, den Stellenplan um 420 Prozent aufzustocken für die Abteilungen Gesundheit/Soziales und Dienste/Sicherheit. Dagegen war von 13 bürgerlichen Einwohnerräten das Behördenreferendum ergriffen worden, dem die Stimmenden nun an der Urne mit einem Anteil von 61,2 Prozent zum Durchbruch verhalfen. Die Stimmbeteiligung lag bei bloss 25 Prozent.

«Nicht so schön wie das Wetter»

«Das Resultat ist so, wie es ist – nicht so schön wie das Wetter», meinte Prattelns Gemeindepräsident Beat Stingelin (SP) gestern mit einer Prise Humor. Das Stimmvolk habe entschieden, was zu respektieren sei. Urs Hess, Einwohnerrat und Co-Präsident der SVP Pratteln, ist mit dem Resultat «zufrieden». Damit habe das Volk gesagt, dass die Verwaltung nicht immer mehr ausgebaut werden solle. Für den Präsidenten der FDP Pratteln, Felix Knöpfel, zeigt das klare Resultat, «dass die Intervention nach dem Einwohnerratsbeschluss berechtigt gewesen ist».

Die Freisinnigen waren es, die an der Parlamentsdebatte Ende September einen Kompromiss einbrachten. Sie hatten dem Einwohnerrat ohne Erfolg vorgeschlagen, den Stellenplan um bloss 320 Prozent aufzustocken. Laut Hess hat die SVP-Fraktion an dieser Sitzung schon betont, nicht zu übertreiben. Die SVP hätte mit einer Pensenerhöhung von 250 Prozent eingelenkt. Gemeindepräsident Stingelin bedauert, dass der Kompromiss im Einwohnerrat keine Mehrheit gefunden hat. «Jetzt haben wir gar nichts. Und das ist schlecht für die Verwaltung.» Dabei kritisiert der Sozialdemokrat auch seine eigene Partei. Diese hatte den Kompromiss der FDP abgelehnt, Stingelin hätte mit dem Vorschlag der Freisinnigen leben können. Pratteln hat für 300 Stellenprozent Leute befristet eingestellt.

Laut Stingelin wird sicher noch während dieser Amtsperiode das Thema Stellenaufstockung auf der Gemeinde Pratteln erneut im Einwohnerrat aufs Tapet kommen. Denn es besteht Handlungsbedarf – bei der Sozialhilfe und der Einwohnerkontrolle. Die Probleme seien vielfältiger, die Bevölkerung werde älter, und Pratteln wachse weiter, begründet der Gemeindepräsident. «Der Gemeinderat hat nun die Chance, etwas Neues zu bringen», erklärt FDP-Präsident Knöpfel. Der ehemalige Gemeinderat könnte sich vorstellen, 200 Stellenprozent für die Sozialhilfe zu schaffen und die anderen 220 für die Abteilung Dienste/Sicherheit in anderen Bereichen einzusparen. «Der FDP geht es darum, zu den Finanzen Sorge zu tragen», sagt Knöpfel und ergänzt: Andere Gemeinden hätten miserable Budgets und erhöhten die Steuern. Früher sei das in Pratteln auch so gewesen. Nun solle man nicht mehr so leichtfertig sein.

«Da stimmt doch etwas nicht»

SVP-Einwoherrat Urs Hess verlangt von der Exekutive nun «eine saubere Analyse». «Wir sind nicht prinzipiell dagegen, dass man Leute braucht.» Er gibt jedoch zu bedenken, dass Pratteln seit 1980 nicht mehr gewachsen sei und in den vergangenen Jahren die Sozialhilfefälle nicht zugenommen hätten. Und dennoch habe man das Personal immer aufgestockt. «Da stimmt doch etwas nicht», kritisiert Hess.

Zur tiefen Stimmbeteiligung meint Gemeindepräsident Stingelin: «Es ist bitter, dass nur 25 Prozent teilgenommen haben.» Dafür macht Urs Hess die Urnengänge im Oktober und November verantwortlich: «Das Volk ist abstimmungsmüde.»