Sind Wireless-Strahlen schädlich für die Gesundheit? Ja, sagt Kurt Rohrer von der Interessengemeinschaft Lebensgrundlagen. Nein, zeigen die offiziellen Grenzwerte. Der neue Lehrplan 21 rüstet Schulen ab 2015 mit ICT-Arbeitsplätzen auf. Das heisst: Bald gibt es flächendeckende Wireless-Netzwerke an allen Schulen und Kindergärten in der ganzen Deutschschweiz. Kurt Rohrer, Mitglied der IG Lebensgrundlagen Baselland, will dies verhindern - zumindest die Primarschüler und Kindergärten sollen geschützt werden.

Die IG Lebensgrundlagen setzt sich für Gesundheitsfragen ein, die neben Mobilfunk auch Fragen wie Gentechnik betreffen. Für sie ist klar, dass «Elektrosensibilität keine Einbildung ist». Eine Referenz ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese stuft die «nichtionisierende Strahlung» (wie etwa Handys und Wireless-Netzwerke) in die Gefahrenkategorie «möglicherweise krebserregend» ein. Die Studie aus dem Jahr 2011 spricht von «limitierten Beweisen», es müssten weitere Untersuchungen folgen.

Regierung hat keine Bedenken

Die Regierung im Katon Baselland sieht aber keine grundsätzlichen Bedenken beim Einsatz von WLAN. Vorsteher der Bildungsdirektion Urs Wüthrich meint: «Das Thema wird auch von mir kritisch verfolgt. Aber wir respektieren die offizielle Lehrmeinung, dass der gesundheitliche Schutz sichergestellt ist.» Damit verweist er auf die geltenden Grenzwerte, die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) vorgegeben werden. Laut BAG gibt es keine «akuten gesundheitlichen Wirkungen». Langzeitfolgen werden aber nicht ausgeschlossen. Dies sei «noch ungenügend erforscht».

Von der IG Lebensgrundlagen werden zahlreiche Studien zitiert, die auf ein Gefährdungsrisiko hinweisen. Auf der anderen Seite stehen die Ergebnisse von anderen internationalen Untersuchungen, die keine gesundheitlichen Risiken sehen. Die Wissenschaft ist sich uneins.

Die Grenzwerte richten sich nach der Internationalen Kommission zum Schutz vor Nichtionisierender Strahlung (ICNIRP). Für die Regierung ist es schwierig, eine abweichende Haltung zu vertreten. «Man kann nicht neue, spezielle Bestimmungen erfinden, die über das hinausgehen, was heute im Bereich Strahlenbelastung gilt. Dafür fehlt uns auch die erforderliche Fachlichkeit», sagt Wüthrich. Gleichzeitig sei es ihm wichtig, «dass wir laufend neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen».

Moderate Forderung

Dennoch: Die Forderung von Rohrer ist moderat. Er will Kabel statt WLAN in Primarstufen. Es ist kein generelles Verbot von Mobilfunk-Stationen oder dergleichen. Rohrer will «mindestens die Kinder davor schützen, nicht auch während der Schulstunden belastet zu werden».

Den Verkabelungsvorschlag will die Bildungsdirektion aber nicht konkret prüfen. Solange die Richtwerte eingehalten werden, bestehe «kein Handlungsbedarf», sagt Wüthrich.