Vor einigen Tagen war es in Sissach um fünf Uhr früh minus 8 Grad kalt. Wie jeden Morgen schaute Daniel Brönnimann bei sich zu Hause aufs Thermometer – und stieg kurz darauf aufs Velo. «Das Wetter ist kein Kriterium dafür, wie ich zur Arbeit fahre», sagt der 54-Jährige. «Es ist aber entscheidend für das, was ich anziehe.»

Denn die über 30 Kilometer von Sissach bis zu seinem Arbeitsplatz in Kaiseraugst und zurück fährt er mit dem Velo, jeden Tag, bei jedem Wetter, bei jeder Temperatur – fast zumindest: «Bei minus zehn Grad ist das kein Problem, bei minus 15 Grad müsste ich es mir schon überlegen.» Perfekt setzt er den altbekannten Grundsatz um: «Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlecht angepasste Kleidung.» Er besitzt sogar eine Hose, von der er sagt: «Bei minus vier Grad ist es zu warm, um sie anzuziehen.»

Fernseher in aller Frühe

Die morgendliche Fahrt in der Eiskälte geniesst er, ohne sich dabei viele Gedanken zu machen. «Ich komme meist einfach ins Strampeln.» Er spürt den Schnee, die eisige Bise, den Regen. All das macht ihm nichts aus, «es ist eben die Natur». Manchmal ist er in Gedanken schon bei der Arbeit. Oder es fallen ihm kleine Sachen auf, etwa dass aus dem immer gleichen Fenster in aller Frühe der Fernseher flimmert. Ob er eher früh oder spät unterwegs ist, merkt er im Winter daran, wo er die wenigen Velofahrer kreuzt, die wie er bei jedem Wetter pendeln.

Mit einem Schnitt von 25 Stundenkilometern bringt er derzeit die Strecke von Sissach bis Kaiseraugst hinter sich. Damit ist er etwas weniger schnell unterwegs als bei höheren Temperaturen. Denn bei Eisgefahr auf den Strassen nimmt er anstelle des Rennvelos das Mountainbike, wegen der dicken Profilreifen. Über Schnee auf Velowegen beklagt er sich aber nicht. Zumindest die Schulwege würden die Gemeinden meist gut räumen, hat er festgestellt.

«Nicht ganz normal»

Seit acht Jahren pendelt Brönnimann jeden Tag längere Strecken mit dem Velo, seine Handy-App zeigt: Rund 6000 Kilometer kommen so jährlich zusammen. Einer seiner Arbeitskollegen ist ähnlich konsequent Velofahrer wie er. «Natürlich werden wir manchmal als Spinner und als nicht ganz normal bezeichnet», meint er. Doch jeder müsse selber entscheiden, wie er zur Arbeit komme. Er selber zum Beispiel versteht nicht, wie man sich für Autos begeistern kann. «Dafür leiste ich mir ab und zu ein neues Rennvelo für mehrere tausend Franken.»

Das Auto nimmt er nur, wenn es berufsbedingt nicht anders geht – wobei das dann ein Müssen ist: «Ich fahre nicht gern Auto.» Mit dem E-Bike ist er auch schon zur Arbeit gefahren, «aber das ist mir zu wenig sportlich».

Ursprünglich hatte Brönnimann als Zimmermann einen Beruf, in dem man sich viel bewegt. Doch heute sitzt er als Produktionsleiter fast nur noch vor dem Computer. Logisch, dass er da die Bewegung als Abwechslung braucht, «und ich bin zu Beginn der Arbeit garantiert wach». Aber belehren will er niemanden. Nur den Lehrlingen erzählt er gerne, dass Pendeln mit dem Velo Spass macht.

Und als er in Langenthal arbeitete, konnte er seinen Chef, einen überzeugten BMW-Fahrer, dazu bewegen, ab und zu das Velo zu nehmen. Damals pendelte Brönnimann täglich von Olten aus – ausser als seine Firma beim Veloförderprogramm Bike to Work mitmachte. Einen Monat lang fuhr er jeden Tag über den Hauenstein 72 Kilometer hin und zurück. «Das hängte schon an, aber es war superschön.»

Joggen für den Marathon

Vor einigen Tagen, draussen war minus 4 Grad kalt, kam er abends zu Hause an, stellte das Velo in die Garage – und hatte noch nicht genug Bewegung. «Da ging ich noch eine Runde joggen.» Das tut er oft. Sportlich war er «schon immer», er betreibt Langstreckenlauf und geht mit Freunden biken.

Logisch, fühlt er sich topfit. Trotzdem will er jetzt zusätzlich trainieren. Im Sommer peilt er den Jungfrau-Marathon an, es wäre das achte Mal. Und er weiss: Tägliches Velofahren reicht als Vorbereitung nicht. Jetzt überlegt er sich, seinen Arbeitsweg zu joggen.