Bei der Erschliessung des Gebiets Dychrain, wo ein neues Wohnquartier entstehen soll, stellt sich die Gemeinde Münchenstein quer zum Kanton. Zur Entlastung der Hardstrasse, die heute die einzige Erschliessungsstrasse für das Gebiet ist, wird der kommunale Strassennetzplan geändert. Folglich soll die Muttenzerstrasse, die heute auf der Nordseite des Gymnasiums endet, durch den Ehingerpark zur Baslerstrasse hin verlängert werden.

Der Kanton riet der Gemeinde schon während des Mitwirkungsverfahrens dringend davon ab, diese Planung weiterzuverfolgen, wie die bz im vergangenen Dezember publik machte. So stehe die 1830 erstellte Villa inklusive Park unter kantonalem Denkmalschutz. Zudem werde die Strasse «die ökologische Qualität und den Erholungswert des Parks deutlich schmälern», monierte der Kanton in seiner Eingabe.

Weiter wurden verkehrstechnische Bedenken geäussert. «Wir liessen das durch eigene Experten prüfen», so Raumplanungschef Lukas Lauper (SP) an der Gemeindeversammlung vom Montag. Das Ergebnis: «Sämtliche Bedenken können eliminiert werden.» Die übrigen 171 Eingaben im Mitwirkungsverfahren hätten sich Lauper zufolge positiv zur Verlängerung der Muttenzerstrasse geäussert. An der Versammlung wurde die Vorlage dennoch kontrovers diskutiert.

Horrorszenario Stau

Die FDP äusserte grosses Verständnis für die Anliegen der Anwohner, auf deren Antrag die Gemeinde die umstrittene Planung vor einem Jahr überhaupt an die Hand genommen hatte. Allerdings stellte sie diesem Wunsch das Bedürfnis der übrigen Verkehrsteilnehmer nach flüssigem Verkehr auf der Baslerstrasse entgegen. In der Tat wäre eine zusätzliche Zufahrt kurz vor dem neuralgischen Knoten Neuewelt problematisch.

Schon heute würde sich bei einem Zwischenfall dort der Verkehr bis hinter das alte Dorf stauen. «Diese Stauszenarien sind nicht so weit hergeholt», führte Parteipräsident David Meier aus. Das sei eine zynische Argumentation, entgegneten Anwohner der Hardstrasse, und tatsächlich schlug sich eine grosse Mehrheit der Gemeindeversammlung auf die Seite der Anwohner und sprach sich für die Mutation des Strassennetzplans aus.

Die Gemeinde wird aber bei der Verlängerung der Muttenzerstrasse weiterhin mit erheblichem Widerstand durch den Kanton rechnen müssen. Bleibt Liestal stur, müsste am Ende ein Gericht über die Rechtmässigkeit des mutierten Strassennetzplans urteilen. Es ist sogar zu erwarten, dass der Kanton diesen Rechtsstreit gewinnt, die Strasse folglich gar nicht gebaut werden kann.

Der Gemeinde wird dies wohl bewusst sein. Trotzdem engagiert sie sich für die Erschliessung. Denn ohne Strasse bleibt die Quartierplanung Dychrain, die erst noch der Gemeindeversammlung vorgelegt werden muss, chancenlos. Kassiert der Souverän den Quartierplan, hat Münchenstein noch ein Problem: Dann liegt das wertvolle Land der ehemaligen Läckerli-Fabrik einfach brach.