Der Baselbieter Polizeikommandant Daniel Blumer hatte es bei seiner Fahrt auf der A1 am 28. Februar nach Zürich eilig. Zwischen Würenlos AG und der Zürcher Kantonsgrenze setzte er kurz nach 15 Uhr zum gewagten Überholmanöver an. Rechts überholte er einen Lieferwagen. Dumm nur, dass eine zivile Patrouille der Kantonspolizei das Ganze sah, den Rowdy stoppte und ihn verzeigte.

Blumer, der seit 2006 Baselbieter Polizeikommandant ist, fällt im Strassenverkehr nicht zum ersten Mal negativ auf. Bereits vor zwei Jahren wurde er bei einer Geschwindigkeitsübertretung erwischt und verwarnt. Er muss als Wiederholungstäter nun mit einem Entzug des Führerausweises rechnen. Die Stadtpolizei Zürich machte am Mittwoch auch öffentlich, dass Blumer das «Billett»  vor 24 Jahren wegen übersetzter Geschwindigkeit schon einmal abgeben musste.

«Er hat mein Vertrauen»

Der Zürcher Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) hält trotz der Vorfälle an Blumer fest. «Er hat mein Vertrauen», sagt Leupi gegenüber der bz. Blumers Vorbildfunktion werde dadurch zwar lädiert, aber eben nicht ramponiert. «Daniel Blumer weiss, dass er mit diesem Verhalten seiner Vorbildfunktion nicht entsprochen hat», so der Grüne Stadtrat

Blumer redet von Zeitdruck, der ihn seine Vorbildfunktion vergessen liess und bedauert das Delikt.

Er habe eine Abwägung gemacht zwischen dem, was vorgefallen sei und dem, was der neue Kommandant mitbringe, sagt der Stadtrat. Und er hat sich für Letzteres entschieden. «Er kann das Kommando führen». Der Gesamtstadtrat teilt laut Leupi diese Haltung.

Es mag nichts mehr leiden

Leupi macht aber klar: Der Polizeikommandant darf sich nichts Gravierendes mehr zu Schulden kommen lassen. «Er steht unter Beobachtung. Es darf keine Serie von Übertretungen geben», erklärt Leupi. Er hat mir Blumer diesbezüglich Abmachungen getroffen, wie diese aussehen, will der Polizeivorstand nicht preisgeben.

Der Grüne Leupi weist auch darauf hin, dass eines der drei nun bekannt gewordenen Verkehrsdelikte bereits ein Vierteljahrhundert zurückliege.

Für Blumer spreche zudem, dass er den Vorfall nicht zu vertuschen versucht, sondern Transparenz geschaffen habe. «Er ist noch am gleichen Tag zu mir gekommen und hat gesagt, was Sache ist», so Leupi. «Das schätze ich. Das spricht für seine Persönlichkeit».

Frühere Vergehen verschwiegen

Fakt ist aber auch: Leupi wusste bis vor kurzem nichts von den beiden früheren Delikten, Blumer hat diese im Verlaufe des Bewerbungsverfahrens nicht offen gelegt, wie er gegenüber der bz bestätigt.

Die Zürcher wollten es offensichtlich auch nicht wissen. Sie haben beim Bewerbungsverfahren nämlich geschlampt und es versäumt, einen Blick ins Register für Administrativmassnahmen (Admas) zu werfen, wie Leupi eingesteht. Dort werden Massnahmen wie Führerausweisentzug oder Verwarnungen im Zusammenhang mit Verkehrsdelikten während fünf bis zehn Jahren gespeichert.