Die Primarschule in der Laufentaler Gemeinde Zwingen kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Zuletzt sorgte die Schule wegen anthroposophischer Lehrmethoden für erhitzte Gemüter. Zwei Lehrerinnen kündigten und der Kanton Baselland untersucht derzeit, ob der Lehrplan eingehalten wurde. Im Zentrum der Kritik stand Schulleiter Erich Rubitschung (die bz berichtete mehrfach). Nun stützen neue Dokumente denjenigen Eltern den Rücken, die in den vergangenen Wochen das Verhalten des Schulleiters angeprangert haben.

Der bz liegt eine von Rubitschung verfasste Vereinbarung mit der Familie einer Fünftklässlerin vor. Ziel dieser und weiterer Massnahmen sei eine Verbesserung des Sozialverhaltens und der schulischen Leistungen der Schülerin, heisst es im Papier. Dafür sei es notwendig, dass die Eltern den Bedingungen zustimmen und sie auch umsetzen. Die Familie der betroffenen Fünftklässlerin weigerte sich allerdings, die Vereinbarung zu unterschreiben. Zwar sind Vereinbarungen zwischen Eltern und der Schulleitung an Schulen generell nichts Ungewöhnliches.

Im betreffenden Papier gibt es jedoch einige pikante Passagen, die weit in die Privatsphäre der Familie greifen und diese letztlich davon abhielt, ihr Einverständnis zu geben. Auffällig ist, dass der Schulleiter in mehreren Punkten definiert, wie die Erziehung der Tochter auszusehen hat. Auch wollte er den Eltern vorschreiben, dass sie mindestens ein Jahr lang in die Erziehungsberatung gehen sollen. Zudem weist Rubitschung die Erziehungsberechtigten auf eine allfällige Einnahme von Medikamenten hin: «Eine vorübergehende Behandlung mit Ritalin kann erforderlich sein.»

Der Schulleiter schweigt

In einem anderen Fall legte Rubitschung in seinem Büro einem Fünftklässler einen Vertrag vor, den dieser unterschreiben sollte. Der Junge tat dies und brachte das Dokument seinen Eltern, damit sie ebenfalls unterschreiben. Ziel des Vertrages war es, dem Schüler «eine Stütze zu geben, mit der er lernt und übt, die Regeln der Schule und des richtigen Verhaltens auf Schulhof und Schulweg zu respektieren und anzuwenden und seine Haltung zu reflektieren beziehungsweise zu verbessern».

Weiter heisst es dort: «Ich habe zur Kenntnis genommen, dass bei weiteren Vorkommnissen ein Lagerausschluss die Folge ist und die Versetzung von drei Wochen in eine andere Gemeinde (Duggingen) droht.» Auch hier weigerten sich die Eltern, ihre Unterschrift unter das Schreiben zu setzen. Der angegriffene Schulleiter wollte gestern zu den Vereinbarungen und den Verträgen mit Schülern keine Stellung nehmen. Er erklärte auf Anfrage nur, dass es sich bei den Dokumenten um interne Schreiben handle, die in der Öffentlichkeit nichts verloren hätten.

Kurz nach Bekanntwerden der Kündigung der beiden Lehrerinnen hat Erich Rubitschung die operative Führung der Primarschule Zwingen an Shirin Mahler abgegeben. «Rubitschung ist jedoch weiterhin Schulleiter und übt die strategische Führung von seinen anderen Arbeitsorten aus», erklärt Schulratsmitglied Harald Schmidlin. Wann Rubitschung wieder an die Primarschule zurückkehrt, werde «laufend analysiert», sagt Schmidlin. Wichtig sei nun, dass endlich wieder Ruhe einkehre. Das Wohl der Schülerinnen und Schüler stehe für den Schulrat, für die Lehrpersonen und für die Schulleitung im Zentrum.

Die Eltern der betroffenen Fünftklässlerinnen und Fünftklässler wurden vorgestern Abend über die Zukunft von Marianne Lander informiert. Die Lehrerin hatte gemeinsam mit ihrer Kollegin Jessica Bauk gekündigt. Dies nachdem die beiden Fünftklasslehrerinnen bemerkt hatten, dass viele ihrer Schüler einen Lernrückstand aufwiesen. Nach und nach wurde den beiden auch der Grund für die Defizite klar: In der Vergangenheit war der Unterricht der Jungen und Mädchen stark von der Lehre Rudolf Steiners beeinflusst gewesen.

Grosser Rückhalt für Lehrerin

Die Lehrpersonen, die Steiner-Elemente in ihren Unterricht einbauten, sind weiterhin an der Primarschule Zwingen tätig und werden es voraussichtlich auch bleiben. Marianne Lander, welche die anthroposophischen Lehrmethoden kritisierte, ist jedoch nur noch bis Ende Schuljahr angestellt. Auch wenn sie von sich aus gekündigt hatte, wäre sie gerne im Laufental geblieben. Der Zwingner Schulrat hat aber einstimmig entschieden, die Kündigung zu akzeptieren.

Dies, obwohl sich am Elternabend am Mittwoch zahlreiche Erziehungsberechtigte für einen Verbleib von Lander in Zwingen eingesetzt haben. «Fast alle Eltern der Fünftklässler sind dafür, dass Marianne Lander bleibt», sagt eine Mutter. Sie stellt gleichzeitig auch klar: «Fast alle Eltern sind gegen anthroposophische Lehrmethoden an einer staatlichen Schule.