An der Primarschule Zwingen haben am vergangenen Freitag die Sommerferien begonnen. Obwohl der Unterricht ruht, ist hinter den Kulissen noch lange keine Entspannung in Sicht.

In den letzten Wochen überschlugen sich an der Schule in der Laufentaler Ortschaft die Ereignisse. Der Zwingner Schulrat hat den langjährigen Schulleiter Erich Rubitschung fristlos entlassen. Der 64-Jährige steht in der Kritik, weil unter seiner Führung anthroposophische Methoden angewandt wurden. Der Kanton Baselland griff ein und verbot die Steiner-Pädagogik an der öffentlichen Schule. Die beiden Lehrerinnen, auf deren Lehrplan Eurythmie, Morgenspruch und Epochenunterricht standen, haben mittlerweile gekündigt.

Antrag auf Wiedereinstellung

Rund die Hälfte aller an der Zwingner Primarschule tätigen Lehrpersonen möchten nun, dass der entlassene Schulleiter zurückkehrt. «Wir stellen den Antrag, die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses mit Erich Rubitschung bis zur Beendigung des nächsten Schuljahres zu erwägen, damit eine reibungslose Übergabe an eine neue Schulleitung gewährleistet werden kann», schreiben sie in einem Brief an den Schulrat. Den Entscheid des Gremiums als unabdingbar hinzunehmen, würde für die Unterzeichnenden bedeuten, die Destabilisierung der gesamten Schule in Kauf zu nehmen, heisst es weiter. Das sei vor allem auch zum Wohle der Kinder und des Schulbetriebs nicht sinnvoll. Eine fristlose Kündigung sei nur dann zulässig, wenn «so schwerwiegende Gründe vorliegen, dass eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zumutbar ist».

Eine der unterzeichnenden Lehrpersonen, die anonym bleiben möchte, erklärt der bz: «Viele Lehrerinnen und Lehrer sind der Ansicht, dass Erich Rubitschung einen solchen Abgang nicht verdient hat.» Er habe sich immer für die Methodenvielfalt an der Schule eingesetzt, was allseits geschätzt worden sei. Alle in Zwingen – die Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrpersonen – seien traurig, dass «das Ganze so eskaliert ist». Rubitschung geniesse unter der Lehrerschaft einen grösseren Rückhalt als die Lehrerin Marianne Lander. Diese hatte die ganze Geschichte ins Rollen gebracht, als sie auf die anthroposophischen Lehrmethoden aufmerksam machte. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Erich Rubitschung hat sie ihre Kündigung eingereicht. Wann man mit einer Antwort des Schulrats auf den Antrag der Lehrer rechnen kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar. Der zuständige Schulrat Harald Schmidlin war gestern für eine Auskunft nicht zu erreichen.

«Eine lebendige und tolle Schule»

Lange Zeit blieben Zwingner Eltern, die mit den Methoden der beiden umstrittenen Lehrerinnen zufrieden sind, stumm. Mit den Medien sprachen vor allem jene, welche am Unterrichtsstil etwas auszusetzen haben. Jetzt erhalten aber auch die beiden Lehrerinnen Rückendeckung von Erziehungsberechtigten. Zehn Eltern von Schülerinnen und Schülern der Klasse 3a haben einen Leserbrief verfasst, den sie der bz zukommen liessen. Im ausführlichen Statement setzen sie sich für die beiden Frauen ein: «Den Unterricht der Lehrerinnen, die in den Medien beschuldigt werden, mit anthroposophischen Mitteln die Lernziele zu vernachlässigen, schätzen wir sehr. Die Primarschule Zwingen haben wir als lebendige und tolle Schule wahrgenommen, als Schule, die sich zum Wohl der Kinder einsetzt und alle Sinne fördert.» Ob es künftig in der 2300-Einwohner-Gemeinde Platz haben werde für solche Unterrichtsformen, sei nun mehr als fraglich.

Im Schreiben äussern sich die Eltern auch konkret zum Unterricht, den ihre Kinder im letzten Schuljahr bei den Lehrerinnen genossen: «Die Schüler haben sich mit der Geschichte des Dorfes auseinandergesetzt. Sie haben eine traditionelle Schmiedewerkstatt besucht und gleichzeitig eine topmoderne automatisierte Schreinerei im Dorf besichtigt.» Elemente aus der Steiner-Schule zu verwenden, sei im Lehrplan nicht verboten. Bis vor zwei Jahren sei der Epochenunterricht in den Handreichungen des früheren Lehrplans als positive Organisation des Unterrichts beschrieben worden. Zudem erklären sie: «Der Hauptteil der Eltern schätzt den Unterricht der kritisierten Lehrerinnen.»