Gut möglich, dass heute eine Kundin der EBM eine Stromrechnung in der Hand hält und sich fragt: «Was ist denn das? Das habe ich doch gar nicht bestellt!» Doch, hat sie. Sie hat Strom abonniert. Bei der Elektra Birseck Münchenstein, der EBM. Die heisst aber seit Dienstag nicht mehr so – sie nennt sich jetzt Primeo Energie.

Das Kürzel EBM verschwindet nach 122 Jahren, zumindest aus der Öffentlichkeit. Der Namenswechsel hat mit der Strategie der Energieversorgerin zu tun. Sie will wachsen, und da das vor allem ausserhalb des Stammgebiets geschehen soll, musste sich in den Augen der Unternehmensleitung die Bezeichnung ändern. «Schon Birseck ist in der Region für viele schwierig zu verorten», sagte CEO Conrad Ammann gestern bei der ersten Bilanz-Medienkonferenz von Primeo Energie. «Münchenstein kennt man ausserhalb der Nordwestschweiz kaum noch.»

Primeo Energie ist ein Kofferwort aus französisch «primer», das vorherrschen, dominieren, besser sein bedeutet, und dem lateinischen Wortstamm «prim», von «Primus», also Erster. Ein entscheidender Vorteil des Brands sei, dass er sich auch für romanische Sprachen eigne. Mediensprecher Jo Krebs verdeutlichte das mit einer Anekdote: «Unsere Mitarbeiter in Frankreich freuten sich, als sie hörten, dass wir endlich einen Namen erhalten, den auch sie aussprechen können.»

Volle Kriegskasse

Ab heute macht sich die EBM als Primeo Energie daran, die Schweiz zu erobern. Im Elsass hat das Unternehmen bereits ein starkes Standbein, ebenso auf der Jurasüdseite, im Raum Olten. Der französische Ast ist älter: Bereits 1912 schloss die EBM Saint-Louis an ihr Netz an, heute gehören zwölf elsässische Gemeinden zum Versorgungsgebiet. Über Tochterunternehmen und Beteiligungen verkauft Primeo Energie zudem Energie an Grosskunden in Frankreich und in der Schweiz.

Insgesamt zählt die Gesellschaft 170'000 Kunden – damit gehört sie unter den Schweizer Anbietern bereits zu den Top Ten. Bis in wenigen Jahren soll Primeo Energie in allen ihren vier Geschäftssegmenten – Stromversorgung, Netz, Wärme, erneuerbare Energien – zu den landesweit führenden Anbietern gehören. Die Kosten für das Rebranding wurden zu einem früheren Zeitpunkt auf rund 650'000 Franken geschätzt. Der Betrag könne auch höher liegen, sagte Ammann gestern. Eine gewichtige Werbemassnahme ist das Sponsoring der Tour de Suisse, die im Juni am Firmensitz in Münchenstein Halt macht.

Die Kriegskasse von Primeo Energie ist gut gefüllt. Finanzchef Stephan Naef präsentierte gute Zahlen. Der Umsatz stieg 2018 gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent (siehe Tabelle). Bei allen Expansionsplänen gab Ammann gestern auch ein Versprechen ab. Der Unternehmenssitz bleibe Münchenstein («da gibt’s nichts zu rütteln»). Ein kleiner Trost: Die Genossenschaft, die «Mutter» der Primeo Holding AG mit allen Tochterunternehmen, heisst weiterhin Elektra Birseck Münchenstein.

Für die Kunden gibt es, zumindest zu Beginn der Umstellung, noch ein wenig Nachhilfe. Auf den Rechnungen wird vermerkt, dass die EBM jetzt Primeo Energie heisse. So wird, zumindest auf den zweiten Blick, klar, wer da jeweils Geld einfordert – und so sollten keine Stromrechnungen versehentlich auf dem Altpapier landen.