Es ging um Fluglärm, oder genauer gesagt um die «gerechte» Verteilung des Fluglärms: Übersteigt die Anzahl von Südanflügen auf dem Euro-Airport die Zehn-Prozent-Marke, müssten die Luftfahrtbehörden Massnahmen ergreifen. 2017 lag der Wert bei 10,3 Prozent, indes stellten die Fachleute lediglich fest, dass eine besondere Wetterlage herrschte. In Binningen kommt das nicht gut an, wie die Diskussion am Montag im Gemeindeparlament zeigte.

Südanflug-Quote muss sinken

«Mir sind Leute bekannt, die die Gemeinde wegen des Fluglärms verlassen haben. Und das waren gute Steuerzahler», sagte SP-Einwohnerrat Ralph Büchelin am Montag in der Ratssitzung. In einer Motion forderte er deshalb vom Gemeinderat konkrete Aktionen, um die Quote zu drücken. Doch Motionen sind nur im tatsächlichen Einflussbereich des Gemeinderats zulässig, worauf auch die SVP hinwies. «Die Handlungskompetenz liegt hier nicht beim Gemeinderat. Nur deshalb sind wir dagegen, die SVP Binningen nimmt die Fluglärmprobleme ernst», betonte Einwohnerrat Roman Oberli.

Rahel Bänziger (Grüne) meinte, es helfe nicht, wenn das Wetter für die zunehmenden Südlandungen verantwortlich gemacht werde. «Der Euro-Airport hat eine grosse wirtschaftliche Bedeutung. Aber ausgeruhte und gesunde Mitarbeiter auch.» Das war das Stichwort für Karl J. Heim (CVP). Er berichtete, er sei am Sonntagabend um 23.36 Uhr wegen eines Flugzeugs aus dem Schlaf aufgeschreckt, und am Montagmorgen um 5.59 Uhr sei es so weitergegangen. Deshalb wolle er die Motion überweisen, sagte Heim. «Die Lage erachten wir auch als ernst. Aber die Gemeinde selber ist hier praktisch machtlos. Das Anflugregime und das Nachtflugverbot wird letztlich in Paris entschieden», meinte Sven Inäbnit (FDP).

«Wir machen, was wir können»

Gemeinderätin Eva-Maria Bonetti bestätigte die Zunahme der Südanflüge, auch für dieses Jahr sei eine massive Übertretung des Grenzwerts von zehn Prozent zu erwarten. «Allschwil hat bezüglich Südanflüge nicht immer dasselbe Interesse wie wir», erwähnte sie nebenbei, was genervte Reaktionen hervorrief: SP-Einwohnerrat Büchelin konterte, das betroffene Neuallschwil habe mehr Einwohner als Allschwil Dorf, und Sven Inäbnit erwähnte die Startkurve, die immer mehr nach Süden verschoben werde. «Ich wollte nicht sagen, wir hätten eine gegenteilige Haltung zu Allschwil. Aber Allschwil hat teilweise andere Lärmbelastungen», sagte Bonetti daraufhin vorsichtig.

Schliesslich ergriff Gemeindepräsident Mike Keller das Wort: Wenn beim Flughafen etwas verändert werde, sei es immer auch für jemanden zum Nachteil. «Wir machen alles, was wir können. Steter Tropfen höhlt den Stein», sagte er. Der Rat überwies den Vorstoss daraufhin als abgeschwächtes Postulat, dies einstimmig mit 37:0 Stimmen.