So schwer die Süsse in der Luft liegt, bestehen die weissen Kleckse, welche die Maschine in die Formen setzt, nicht aus Mayonnaise – auch wenn’s so aussieht. Vielmehr drückt der Schmink-Roboter – er heisst wirklich so – Verzierungen aus weisser Schokolade in die Hasenformen. Anschliessend füllt der nächste Automat die eine Formhälfte. Zusammengeklappt kommen die Formen dann auf die Hasenschleuder: Diese dreht die Formen mehrfach in allen drei Dimensionen, sodass sich die Schokolade an den Wänden absetzt und so die hohlen Hasen entstehen.

In den neuen Coop-Produktionsstätten flitzen die Köstlichkeiten oft schneller vorbei, als man schauen kann.

In den neuen Coop-Produktionsstätten flitzen die Köstlichkeiten oft schneller vorbei, als man schauen kann.

Die Formen aus der Hasenschleuder zu entnehmen ist ebenso Handarbeit wie die Befreiung der Hasen aus der starren Form. Auch allfällige Marzipanverzierungen werden manuell mit einem Tupf heisser Schokolade angeklebt. Dann gehts ab in die Verpackung, in Kartons und auf Paletten ins Hochregal-Lager.

Kaltluftsee für die Schokolade

Dieses ist das Kernstück des neuen Coop-Produktionsstandorts in Pratteln. Auf 41 000 Palettenplätzen werden 8000 verschiedene Artikel bewirtschaftet. Unten im Lager liegt ein 12 bis 14 Grad kühler Kaltluftsee. In diesem härten die Hasen und frisch gegossenen Schoggitafeln vier bis sechs Wochen langsam aus. «So verhindert man, dass Zucker auskristallisiert oder die Schokolade weiss anläuft», erklärt Daniel Woodtli. Als ehemaliger Betriebsleiter des Coop-Produktionsstandorts beim Bahnhof Pratteln hatte er als Projektleiter den Neubau unten in der Ebene neben der Autobahn zu verantworten und führt nun am Tag der offiziellen Eröffnung den Journalistentross durch die Anlagen.

Der neue Coop-Produktionsstandort in Pratteln aus der Vogelperspektive.

Der neue Coop-Produktionsstandort in Pratteln aus der Vogelperspektive.

Rund um das Hochregal-Lager und die Bahnhalle, in der man zwölf Waggons gleichzeitig beladen kann, sind drei Produktionsbetriebe angegliedert: Chocolats Halba, Sunray für Nahrungsmittel von Nüssen über Trockenpilze und Gewürze bis zu Zucker und Öl, sowie die Weinkellerei Cave. Nach drei Jahren Bauzeit nahm im Februar die Logistik den Betrieb auf, im März folgt Sunray, ab April die Schokoladenproduktion und seit Juli fliesst Wein in die Flaschen.

Dabei sind in den Schokoladenhallen noch nicht alle Produktionsanlagen aus den bisherigen Standorten Hinwil und Wallisellen eingetroffen: Schoggi sei ein Saisongeschäft, erläutert Woodtli. Derzeit werde für Ostern produziert. Darauf müsse man beim Umzug Rücksicht nehmen. Doch ab Mitte 2018 werde alle Coop-Schokolade aus dem Baselbiet kommen. Dabei kauft Halba die Rohstoffe direkt bei den Produzenten ein – 100 Prozent Fairtrade betont Woodtli – und hat so die Kontrolle über die ganze Wertschöpfungskette. Dabei geht nur rund die Hälfte der jährlich 15 000 Tonnen Schokolade bei Coop über den Ladentisch. Den Rest findet man in anderen Läden oder in Deutschland, Frankreich, den USA, Australien, Israel oder China: Ein Drittel geht in den Export.

Mehr Stahl als im Eifelturm

Wie eine grüne Schlange windet sich die endlose Reihe Flaschen durch die Abfüllanlage. Vollautomatisch werden sie gereinigt, befüllt, verschlossen, mit Etiketten versehen, in Sechserkartons und auf Paletten verpackt. Fünf Mitarbeitende füllen mit dieser hoch automatisierten Anlage 16'000 Flaschen pro Stunde ab. Hinzu kommen zwei im Keller. So schafft es eine Abteilung mit insgesamt 24 Mitarbeitenden – je zu einem Drittel Önologen, Mechaniker und Angelernte, im Ein- bis Zweischichtbetrieb jährlich 35 bis 38 Millionen Flaschen mit Wein aus aller Welt zu füllen. «Die grösste Weinkellerei der Schweiz», erklärt Woodtli.

«Gutes Schuhwerk» wurde in der Einladung zum Rundgang empfohlen. In der Tat muss selbst Woodtli sich in den langen Gängen des Gebäudes mit einem Grundriss von 314 mal 140 Metern immer wieder versichern, wo es nun durchgeht. Insgesamt entspricht die Nutzfläche 10 Fussballfeldern. Über 9000 Tonnen Stahl sei – unter anderem zwecks Erdbebensicherheit – verbaut worden, mehr als beim Eifelturm (8700 Tonnen).

Für Energie- und Klimawende

Die gesamte Anlage ist darauf ausgelegt, dass Coop bis 2023 CO2-neutral produzieren will. Durch ihre Inbetriebnahme werde der jährliche CO2-Ausstoss um 1600 Tonnen reduziert. Dazu trägt bei, dass ein grosser Teil des Warenausgangs auf der Schiene erfolgt. Produktionswärme wird mit Holzschnitzeln erzeugt, Abwärme für die Warmwasserproduktion zurückgewonnen. Der Strom von der 550-Megawatt-Photovoltaikanlage auf dem Dach wird gleich vor Ort verbraucht. Und beim Absenken der Paletten im Hochregallager liefern diese die Energie zurück, die man zum Hochheben eingesetzt hat.

Am Samstag feiert Chocolats Halba ab 10 Uhr die Eröffnung des Fabrikladens «Schoggihüsli» auf dem Areal in Salina Raurica gemeinsam mit der Bevölkerung (Eintritt frei). Pro Eröffnungsgast werde ein Baum in den Tropen Ecuadors gepflanzt, teilt Coop mit.