Seit Sven Schelker in der Rolle des Travestiekünstlers Röbi Rapp das Kinopublikum begeistert, prasseln auch Preise und Lobreden von Filmkritikern nur so auf ihn ein. Im Film «Der Kreis» von Stefan Haupt gab Schelker 2014 sein Kino-Debüt. Auf der Bühne steht er allerdings schon länger. 2012 wurde er bereits als festes Mitglied in das Ensemble des Thalia-Theaters in Hamburg aufgenommen. Die bz sprach mit dem Jungschauspieler aus Reinach.

Herr Schelker, Sie wurden dieses Jahr mit dem «Shooting Star Award» an der Berlinale und mit dem Schweizer Filmpreis als bester Darsteller ausgezeichnet. Nun erhalten Sie auch noch den Kantonalbankpreis der Basellandschaftlichen Kantonalbank. Ist Ihre Karriere bereits ein Selbstläufer?

Sven Schelker: Nein, das glaube ich ganz und gar nicht. Ich hatte aber einen guten und glücklichen Start in diesen Beruf und bin im Moment in einer schönen Ausgangslage. Ich bin mir nicht sicher, ob es so etwas wie einen Selbstläufer in der Schauspielerei überhaupt gibt.

Wie behalten Sie die Bodenhaftung, wenn Sie überall ausgezeichnet werden?

Ich bin mit Familie und Freunden sehr verbunden und habe ein starkes Umfeld. Da sehe ich mich überhaupt nicht gefährdet. Es geht ja auch nicht um mich als Person, sondern um das, was ich tue, also um mein Schauspiel. Ich mache das nicht, um Aufmerksamkeit zu generieren, sondern, weil ich Spass am Beruf habe.

Sie stehen als Schauspieler sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera. Wie unterscheiden sich Theater und Film bei Ihrer Arbeit.

Das ist schwierig zu vergleichen, weil es andere Grundsituationen sind. Im Theater muss man lange proben und spielt dann das komplette Stück ohne Unterbrechung. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass man direkt vor Leuten spielt und nur einen Raum zur Verfügung hat. Dadurch benötigt man andere Mittel als beim Film.

Und was zeichnet die Arbeit vor der Kamera aus?

Beim Film geht es darum, möglichst nahe an der Realität zu sein. Dabei muss man zusätzlich auf die Wiederholbarkeit achten. Wenn man von einer Szene mehrere Takes macht, muss am Ende alles zusammenpassen. Das hat man beim Theater logischerweise nicht. Vor der Kamera fehlt natürlich auch das Spielen vor Publikum.

Wo spielen Sie lieber: Für einen Film oder im Theater?

Das kann ich nicht sagen. Wenn ich lange Theater gespielt habe, zieht es mich vor die Kamera und umgekehrt. Das sind einfach zwei verschiedene Erlebnisse.

Sie wurden für die erfolgreiche US-Serie «Homeland» für eine Rolle über mehrere Folgen engagiert. Hört man Ihrem Englisch den Baselbieter heraus?

Natürlich hört man, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Bis jetzt war das aber noch nie ein Kritikpunkt. Bei «Homeland» haben sie es übernommen, wie es war. Mein Hochdeutsch ist mittlerweile hingegen akzentfrei. Ein Teil der Schauspielschule ist ja auch Sprachtechnik, da lernt man das.

Welche Bedeutung hat der Kantonalbankpreis für Sie?

Für mich ist das eine grosse Ehre. Allgemein setzt er auch ein Zeichen dafür, dass Kultur ein wichtiger Bestandteil in der Region und somit schützenswert ist.

Sie leben seit sechs Jahren in Hamburg. Verfolgen Sie zurzeit die Debatten um die Baselbieter Sparmassnahmen, insbesondere im Kulturbereich?

So gut es geht. Ich habe schon davon gehört und finde die Entwicklung bedenklich. Ist es nicht so, dass viele Baselbieter das Kulturangebot der Stadt sehr schätzen und auch nutzen? Dann sollte sich der Kanton meiner Meinung nach auch dementsprechend finanziell beteiligen.

Was halten Sie denn vom kulturellen Angebot in Basel?

Seit ich in Deutschland lebe, bekomme ich auch den Blick von aussen auf Basel mit und merke: Basel hat eine einzigartige, breit gefächerte und qualitativ gute Kulturszene, die auch eine grosse Sogwirkung hat. Für das Bild einer Stadt ist das sehr wichtig. Durch Kunst und Kultur setzen sich die Menschen mit sozialen und philosophischen Themen auseinander. Das halte ich für etwas sehr Wertvolles und Schützenswertes.