An ihrer Parteiversammlung vom Mittwochabend in Frenkendorf überstimmten 53 SVP-Bahnfreunde die 51 Befürworter des 8. Generellen Leistungsauftrags, der die Einstellung der S-Bahnlinie 9 vorsieht. Die Nein-Parole bei der sonst so sehr aufs Sparen bedachten Baselbieter Kantonalpartei wurde somit äusserst knapp bei vier Enthaltungen gefasst.

Unter den Nein-Sagern waren so prominente SVP-Amtsträger wie die beiden Nationalräte Sandra Sollberger und Thomas de Courten, derweil sich Fürsprecher Hanspeter Weibel für einmal im Lager der Verlierer wiederfand. Im Gegensatz zu den Baselbieter Linksparteien, die sich aus grundsätzlichen Überlegungen gegen die Einstellung der S9-Linie wehren, weil sie keine Angebotsreduktion im öffentlichen Verkehr (öV) tolerieren, dürfte bei der SVP die lokale Betroffenheit den Ausschlag gegeben haben. Weibel führte jedenfalls nach der parteiinternen Abstimmung das knappe Resultat auf die hohe Mobilisierung unter den Oberbaselbieter SVP-Mitgliedern zurück: «Womit aber natürlich nicht gesagt ist, dass auch am 26. November der Entscheid des Baselbieter Stimmvolks so ausfallen wird.»

Bereits mit den Füssen abgestimmt

Der Bottminger Landrat wollte die Ja-Parole in seinem Referat unter anderem mit dem Argument beliebt machen, dass die Bewohner des Homburgertals bereits «mit den Füssen» abgestimmt und sich gegen die S-Bahn entschieden hätten. Dem Rückgang von 12 Prozent bei den Bahnkunden seit 2010 stehe eine Zunahme der Bus-Benützer von über 30 Prozent entgegen; was nicht erstaunen dürfe, da «der Bus durch die Dörfer» und nicht wie das Läufelfingerli «dem Hang entlang» fahre und darum das bessere öV-Angebot für weniger Geld darstelle.

Dem hielt der als Gegenreferent eingeladene Rümlinger Gemeindepräsident Matthias Liechti entgegen, dass man sich im Homburgertal auch gegen Olten hin orientiere, und die um rund 20 Minuten längere Busreisezeit im Vergleich zur bewährten S9 inakzeptable Nachteile für die Talschaft bringe: Es sei schon «gspässig», wie all jene, die nicht dort wohnten, der Einwohnerschaft vorschreiben wollten, was das Beste für das Homburgertal sei, giftelte Liechti.

Jedenfalls sei die Behauptung «eine Farce», dass es mit dem 8. Generellen Leistungsauftrag (GLA) zu einer Angebotsverdichtung des öV im Homburgertal käme. Der Busersatz für die eingestellte S9 würde vielmehr zu einer Zunahme des motorisierten Individualverkehrs führen, der wiederum durch den Bus behindert würde, da eine Mehrheit der Bushaltestellen über keine separaten Buchten verfüge. Mit diesen Argumenten brachte der Rümlinger Gemeindepräsident die knappe Mehrheit der SVP-Mitglieder hinter sich.

Läufelfingerli-Gegner wurden privat bedrängt

Offenbar muss es im Vorfeld dieser Parteiversammlung für die Läufelfingerli-Gegner unter den SVP-Landräten zeitweise ziemlich ungemütlich gewesen sein. Kantonalpräsident Oskar Kämpfer erwähnte zum Einstieg in die kontradiktorische Diskussion, dass diverse Fraktionsmitglieder von S9-Anhängern privat «bestürmt» worden seien. Er werde aber an diesem Abend keine Ausfälligkeiten tolerieren: «Wir diskutieren hier sachlich, nicht persönlich», mahnte Kämpfer.

Allfällige Befürchtungen in diese Richtung blieben allerdings unbegründet. Einige SVP-Mitglieder äusserten sich zwar in der Fragerunde durchaus pointiert, aber griffen nicht verbal unter der Gürtellinie.

FDP Baselland sagt klar Ja ...

Für viel Diskussionsstoff sorgte das Läufelfingerli auch bei den Baselbieter Liberalen an ihrem Parteitag vom Dienstagabend in Liestal. Im Gegensatz zur SVP wurde aber schnell klar, dass die Verteidiger des Läufelfingerli deutlich in der Minderzahl bleiben würden.

Nach dem Einführungsreferat von Landrat Thomas Eugster setzte sich unter den Anwesenden die Ansicht durch, dass «mit der Buslösung und dem Taktausbau im Homburgertal (...) ein besseres Kosten-Nutzenverhältnis beim öffentlichen Verkehr» zu bekommen sei, wie es in der FDP-Medienmitteilung vom späten Dienstagabend hiess. Entsprechend gross fiel das Mehr der Parteimitglieder aus, welche die Ja-Empfehlung zum 8. GLA abgaben.

... SP und Grüne noch klarer Nein

Keine Befürworter einer Läufelfingerli-Streichung fanden sich dagegen bei der Baselbieter SP und den Grünen:  Am Mittwochabend fassten sowohl die SP-Mitglieder an ihrer Parteiversammlung in Zwingen als auch die Baselbieter Grünen in Dornach die Nein-Parole ohne Gegenstimmen; bei der SP gab es fünf Enthaltungen. Zuvor hatten sich bereits EVP knapp und die Juso einstimmig für ein Nein ausgesprochen.