Die kurze Notiz in der jüngsten Ausgabe der Mitgliederzeitung des Bauernverbands beider Basel (BVBB) macht stutzig: Verbandspräsident Stefan Kälin ruft dazu auf, am 18. Oktober nur «parteiübergreifend geeignete Politikerinnen und Politiker in den National- und Ständerat zu wählen». Dies sei wichtig, da die Landwirtschaftspolitik vorwiegend in Bern beschlossen werde. Darum legt der BVBB-Vorstand seinen Mitgliedern «ans Herz, am 18. Oktober die richtigen Personen nach Bern zu schicken».

«Richtig» sind die Sissacher Grünen-Nationalrätin und Biobäuerin Maya Graf, die CVP-Kandidatin Claudia Brodbeck (Biel-Benken) und der Laufner FDP-Landrats-Fraktionschef Rolf Richterich. Besonders freue sich der Vorstand über Brodbecks Nationalratskandidatur, die sich als Vorstandsmitglied seit Jahren im Baselbiet in verschiedenen Verbänden für die Interessen «einer produzierenden und nachhaltigen Landwirtschaft» einsetze.

Keine Wahlempfehlung erhalten hingegen Kandidaten aus jener Partei, die sich gemeinhin selbst als beste Vertreterin des Bauernstands ansieht und einen grossen Mitgliederanteil aus dessen Mitte zieht: die SVP. Weder der amtierende Nationalrat Thomas de Courten, noch die Bubendörfer Malermeisterin Sandra Sollberger oder sonst jemand der fünf übrigen Anwärter der SVP-Liste erhalten die begehrte Wahlempfehlung. Ebenso wenig scheint der bikantonale Verband irgendwelchen Kandidatinnen und Kandidaten aus der Stadt eine Befähigung zur Landwirtschaftspolitik zuzutrauen.

Nur Verbandsmitglieder werden empfohlen

Auf Nachfrage stellt BVBB-Präsident Kälin klar: Bei Wahlen empfiehlt der Bauernverband nur Verbandsmitglieder, die kandidieren. «Das haben wir schon immer so gehandhabt», betont der Pächter des Augster Tempelhofs nahe der Römerstadt Augusta Raurica. Ohne dieses eindeutige Kriterium würde eine Wahlempfehlung zu kompliziert. Schliesslich könne jeder Kandidat behaupten, sich nach seiner Wahl in Bern für die Landwirtschaft einsetzen zu wollen. Also verhilft diese klare Regelung auch Bauernsohn und Hof-Mitbesitzer Rolf Richterich zum Handkuss, obschon der diplomierte ETH-Bauingenieur in seinen 12 Jahren im Landrat noch nie einen Vorstoss zu einem Landwirtschafts-spezifischen Thema unternommen hat.

BVBB-Vorstandsmitglied Susanne Strub (49) steht dennoch hinter den Wahlempfehlungen. Die SVP-Landrätin ist der Inbegriff der Baselbieter Bäuerin. In Häfelfingen führt sie mit ihrer Familie den Mattenhof, zudem leitet Strub als Geschäftsführerin das Gastro-Projekt Baselbieter Bäuerinnen-Apéro. «Selbstverständlich» habe der Vorstand des Bauernverbands der SVP keineswegs die Liebe gekündigt, sagt sie und lacht bei diesen Worten laut heraus.

SVP-Basis liess Landwirt Liechti durchfallen

Allerdings macht Strub kein Geheimnis daraus, dass sie es vorgezogen hätte, wenn der Rümlinger Landwirt und Gemeinderat Matthias Liechti den Sprung auf die SVP-Kandidatenliste geschafft hätte. Am Nominationsparteitag vom 16. April in Bubendorf erhielt Liechti nur gerade zwei Stimmen weniger als der siebtplatzierte Nominierte, der umstrittene Liestaler Alt-Landrat Patrick Schäfli. Damit schied er als überzähliger Kandidat aus. So brachte sich die Baselbieter SVP-Basis schliesslich selbst um eine Wahlempfehlung durch den Bauernverband beider Basel.