Philippe Schaub (32) hat turbulente Wochen hinter sich. Der Parteilose ist seit Montag neues Mitglied im Binninger Einwohnerrat. Bis es so weit war, musste er sich aber gedulden. Denn die Orts-SVP, aus der er im September ausgetreten war, versuchte zu verhindern, dass er ins Parlament einzieht.

Ein Vorstandsmitglied forderte ihn per E-Mail dazu auf, das Mandat abzulehnen. Ausserdem sei er telefonisch belästigt worden: «Noch am Montagnachmittag erhielt ich mehrere Anrufe von einer unterdrückten Nummer. Als ich einmal abnahm, sagte eine Stimme: ‹Nimm das Mandat ja nicht an!›»

Im Grunde hätte es gar nicht so weit kommen dürfen. Am 4. September gab Christian Schaub, Philippes Vater, seinen Rücktritt aus dem Rat bekannt. Nach zwei Absagen fungierte Schaub auf der SVP-Liste als nächster Nachrückender. Er erhielt von der Verwaltung eine Anfrage. «Doch statt meine Antwort abzuwarten, wurden bereits weitere Personen kontaktiert, die nach mir platziert waren», empört sich der Übergangene.

«Nie offiziell abgesagt»

Eine dieser Personen, Markus Haberthür, sagte zu und besuchte sogar zwei Sitzungen. Als Schaub Wind davon bekam, konnte er es kaum glauben: «Ich war der nächste Nachrückende und hatte nie offiziell abgesagt.» Am Montagabend kam es auf der Gemeinde zur Aussprache mit Schaub. Dabei wurde ihm bestätigt, dass er Anspruch auf den Sitz hat. Pikant: Schaub Senior trat ebenfalls im September aus der Partei aus. Schaub Junior vermutet nun, dass sich seine ehemalige Partei rächen wollte und auf der Verwaltung Druck ausübte, ihn nicht anzufragen. Gemeindeverwalter Olivier Kungler streitet diesen Vorwurf ab. Die Situation sei schlicht etwas unübersichtlich geworden.

Auch bei der SVP weist man alle Vorwürfe von sich. Kurt Simmler, Verfasser des E-Mails, sagt, er habe Schaub lediglich «unter Freunden» den Hinweis geben wollen, dass er ihm das Versprechen abgegeben habe, ein allfälliges Mandat nicht anzunehmen. Schaub fasste das als Drohung auf: «Auf Hinweise solcher Freunde kann ich gerne verzichten».