Georges Thüring ist eigentlich nie um eine Antwort verlegen. Doch gegenüber der bz gerät der redselige SVP-Landrat plötzlich ins Rudern: «Das ist mir jetzt doch etwas peinlich», gesteht er. Der Grund: Thüring kennt die Ombudsstelle für Menschen mit psychischer oder körperlicher Behinderung nicht, die der Verband der Sozialen Unternehmen beider Basel (SUbB) zusammen mit dem Verein Private Koordination Psychiatrie (Prikop) bereits seit einem Jahr für beide Kantone betreibt.

Dies ist umso erstaunlicher, weil Thüring als bestens vernetzt gilt, sitzt er doch unter anderem im Vorstand der Behindertenselbsthilfe beider Basel. Sichtlich unangenehm ist ihm denn auch, dass er in bereits zwei Vorstössen die Schaffung einer solchen Anlaufstelle – kombiniert mit Altersfragen und Spitex – gefordert hat (die bz berichtete). Sein Fazit fällt dann allerdings wieder gewohnt selbstbewusst aus: «Dass ich diese Ombudsstelle nicht kenne, zeigt, dass sie noch nicht wirklich bekannt ist.»

Zusammenarbeit ist denkbar

Und tatsächlich ist Thüring nicht allein. Auch Ueli Kräuchi, der als Geschäftsführer des Verbands Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG) die neue Baselbieter Ombudsstelle für Altersfragen und Spitex plant und auf Anraten von Thüring die Integrierung der Behinderten prüft, sagt ehrlich: «Diese Stelle kenne ich nicht.» Das passt ins Bild eines Kantons, der erst mit dem neuen Altersleitbild erkannt hat, dass bei der Information der Bevölkerung über Betreuungs- und Hilfsangebote ein klares Defizit besteht.

«Es überrascht mich schon, dass Herr Thüring unser Angebot nicht kennt», sagt Peter Ulrich vom SUbB. Immerhin sei der Start Ende 2012 auf ein grosses Echo gestossen. Ulrich gibt aber auch zu, dass die Öffentlichkeitsarbeit seither zu kurz gekommen sei. «Wir sind gerade daran, die interne wie externe Kommunikation zu verbessern.» Nun erwartet Ulrich, dass alle Beteiligten zusammensitzen, um die weitere Planung der Ombudsstelle für Altersfragen und Spitex zu koordinieren – und um zu entscheiden, inwiefern eine Zusammenarbeit mit der SUbB-Ombudsstelle Sinn macht. Sowohl Thüring wie Kräuchi sind auf jeden Fall zu Gesprächen bereit. Ulrich selbst sagt: «Alter und Behinderung zu trennen, wäre seltsam.»

Staat soll Institutionen zwingen

Das sieht Judith Trinkler anders. Die Basler Anwältin und Mediatorin leitet die Ombudsstelle gemeinsam mit dem Liestaler Psychotherapeuten Stefan Baumann auf Mandatsbasis. Die Zweiteilung ermöglicht es ihnen, jeweils eine Anlaufstelle in Basel und eine in Liestal zu haben. «Zumindest zum Start sollte sich die geplante Ombudsstelle auf Altersfragen beschränken», sagt sie. Dies sage sie nicht bloss, um ihr Mandat zu retten. Viel mehr befürchtet Trinkler, dass eine Ombudsstelle für alle Bereiche auf Mandatsbasis kaum zu bewältigen sei. Doch gerade die Tätigkeit im Nebenamt bewirke, dass man weniger schnell «verbraucht» sei.

Überhaupt ist es Trinkler wichtig zu betonen, dass die Ombudsstelle von Prikop eigentlich bereits seit 2002 besteht – mit der Beschränkung auf psychische Behinderungen. 2012 stiess dann der SUbB hinzu und die Tätigkeit wurde auf körperlich Behinderte sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen erweitert. Dabei gilt allerdings: Betreut wird nur, wer in einer Institution ist, die den Trägervereinen angeschlossen ist. Sonst wird man an andere Stellen verwiesen. Das ist Thüring zu wenig: «Was wir brauchen ist eine Anlaufstelle für alle.» Laut Trinkler gehören aber nur einige wenige private Heime nicht zum SUbB.

«Wir haben viele Jahre gekämpft. Jetzt, da wir gewachsen sind, wäre es wirklich schade, unser Angebot zugunsten einer gemeinsamen Ombudsstelle schon wieder aufzugeben», sagt sie. Und die Ombudsfrau hat einen eigenen Vorschlag: «Der Staat müsste alle Pflegeinstitutionen verpflichten, sich uns anzuschliessen.»