Eigentlich sollte sich die Baselbieter SVP freuen. Sie ist mit Abstand die Partei mit der höchsten Medienpräsenz. Ob lobende oder kritische Berichterstattung sei egal, sagt Medienwissenschaftler Roger Blum. «Die SVP hat seit 1999 Wählerstimmen dazugewonnen. Dabei wurde sie insbesondere 2007 von den Medien harsch kritisiert. Studien beweisen, dass nicht der Inhalt, sondern die Häufigkeit der Medienpräsenz für eine Partei entscheidend ist.»

Einen freudigen Eindruck macht die Pressemitteilung (siehe Box) von SVP-Landrat Urs-Peter Moos aber nicht. Das Mitglied der Baselbieter Parteileitung greift die Medien im Fall Caspar Baader an: Die negative Berichterstattung zu Baaders Entscheid, für die neue Rechnungslegung der Bundessubventionen für Universitätskantone (die bz berichtete) zu stimmen, sei «nichts anderes als eine gezielte und planmässige Verunglimpfung des Ständeratskandidaten Caspar Baader». Der Misserfolg des Basler FDP-Nationalrats Peter Malama, der die Beibehaltung der bisherigen Rechnungslegung forderte, sei mit keinem Wort erwähnt.

«Es ist das Recht der Medien, Handlungen von Politikern kritisch zu beurteilen und zu hinterfragen», sagt Blum. Wie die Presse urteilt, gehe die Parteien nichts an. Aus der Kritik an Baader zu schliessen, die Medien der Region Basel hätten eine ablehnende Haltung gegenüber der SVP, hält er für übertrieben. «Wenn ein Baselbieter Politiker seinen Kanton bei Abstimmungen nicht unterstützt, ist das ein gefundenes Fressen für die Redaktionen», sagt Blum. Das Aufbegehren von Urs-Peter Moos hält er für einen taktischen Schachzug. «Die SVP ist sich der Tatsache, dass kritische Berichterstattung keinen Einfluss auf das Stimmverhalten hat, sicherlich bewusst. Mit der Medienschelte will sie einzig zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen.»

Emotionen vor den Wahlen

Politologe Michael Hermann erkennt in Moos’ Schreiben durchaus einen Hilfeschrei: «Die Partei ist wohl noch betroffen von den Regierungsratswahlen im Frühling, als sie überraschend ihren Sitz verlor. Auf kritische Presse reagiert sie seither besonders sensibel.» Vielleicht sei sich die Partei aber auch bewusst, dass ein konservativer Politiker wie Caspar Baader im Baselbiet nur schwer wählbar sei. Deshalb wolle sie ihren Kandidaten möglichst positiv bewertet sehen. «Dass die Akteure vor Wahlen emotionaler als sonst auf die mediale Berichterstattung reagieren, ist aber nicht aussergewöhnlich. Auch das eher angespannte Verhältnis von Medien und SVP ist einschlägig bekannt», sagt Hermann.

Hermann fragt sich vielmehr, wie ernst es Caspar Baader mit seiner Ständeratskandidatur meint. «Grundsätzlich ist der Wechsel vom National- zum Ständerat ein Aufstieg. Baader aber ist als Fraktionspräsident der grössten Schweizer Partei einer der mächtigsten Männer im Parlament. Im Nationalrat hat er viel mehr Entscheidungsmacht als in der kleinen Kammer.» Für ihren Angriff auf den Ständerat habe die SVP Schweiz ihre bekanntesten Politiker ins Rennen geworfen, um mit deren Popularität Stimmen zu gewinnen. «Ob Baader wirklich will oder es der Partei zuliebe tut, ist die Frage», sagt Hermann. Komme hinzu, dass der bisherige Ständerat Claude Janiak (SP) im bürgerlichen Lager integriert sei und so fest im Sattel sitze. Seine Abwahl wäre für Hermann eine Überraschung.