Gross ist die Freude bei den Regierungen beider Basel und der Universität über das neue Biozentrum. Beim 327-Millionen-Bau auf dem Basler Schällemätteli-Areal handelt es sich um das mit Abstand grösste von beiden Basel gemeinsam finanzierte Bauprojekt. Zudem ist das Biozentrum der erste von Stadt- und Landkanton realisierte Neubau für die gemeinsame Universität. Das erste Projekt könnte zugleich das letzte sein – zumindest das Letzte, das von beiden Kantonen paritätisch finanziert wird.

Das Biozentrum kostet Baselland netto rund 130 Millionen Franken. Alleine im laufenden Jahr steckt der klamme Landkanton 31 Millionen in das Prestige-Objekt. «Es ist offensichtlich, dass sich Baselland solche Investitionen nicht mehr leisten kann – schon gar nicht paritätisch.» Das sagt der Bottminger SVP-Landrat Hanspeter Weibel. «Unglücklicherweise» habe Baselland dem Kanton Basel-Stadt, der damals finanziell in der Klemme steckte, mit langjährigen und substanziellen Verpflichtungen zur Uni geholfen, führt Weibel aus. Heute stecke Baselland – auch wegen der hohen Transferzahlungen in die Stadt – in einer ungemütlichen Situation und müsse laufend die Differenz bei der eigenen Bevölkerung einfordern, etwa durch den Abbau staatlicher Leistungen.

Ziel der Regierung «zu bescheiden»

Die Baselbieter SVP fordert deshalb Entlastungen bei der gemeinsamen Universität – und zwar nicht «nur» bei Investitionen wie dem Biozentrum, sondern auch bei den laufenden Ausgaben. Die beiden Kantonsregierungen verhandeln derzeit hinter den Kulissen über den Uni-Leistungsauftrag für die Jahre 2018 bis 2021. Im Frühjahr 2017 soll eine Vorlage in die Parlamente kommen. Aktuell bezahlt Baselland im Rahmen des Leistungsauftrags rund 160 Millionen Franken pro Jahr an die Universität. «Der Beitrag unseres Kantons ist aus Sicht der SVP um 50 bis 70 Millionen Franken zu hoch», sagt Weibel. Eine Kürzung in dieser Höhe bedeutete wohl den Abschied von der paritätischen Finanzierung. Denn die Basler Regierung ist zwar gemäss 80-Millionen-Deal mit Baselland bereit, im Hinblick auf den Leistungsauftrag Sparpotenzial auszuloten. Dieses dürfte aber nie und nimmer in der Höhe der SVP-Forderung liegen.

Die Baselbieter Regierung hat bei Präsentation des Sparpakets im Juli 2015 ihre Absicht kundgetan, den jährlichen Beitrag ans Restdefizit der Uni ab 2018 um 25 Millionen zu senken. Daran halte die Regierung auch nach Abschluss des 80-Millionen-Deals mit Basel-Stadt fest, sagte Finanzdirektor Anton Lauber (CVP) vor den Sommerferien in einem bz-Interview. Aus Sicht der SVP ist das Sparziel der Regierung «viel zu bescheiden», wie Landrat Weibel betont. Alleine im Immobilienvertrag zur Uni, der aufzulösen sei, betrage das Sparpotenzial rund 15 Millionen Franken. Die der Uni verrechneten Mieten von Uni-Bauten im Eigentum des Kantons Basel-Stadt seien zu hoch. Dies führe dazu, dass Baselland bei den Immobilien überproportional zur Kasse gebeten werde.

Noch wichtiger aber: Die SVP fordert eine Anpassung der Leistungsziele: Die Uni sei in den vergangenen Jahren nach dem Motto «Quantität statt Qualität» ungebremst gewachsen, kritisiert Weibel. «Sie sollte sich in ihrem Angebot auf jene Bereiche fokussieren, die der Wirtschaft und der Region insgesamt dienen», fordert er. Ob die SVP mit diesem radikalen Sparvorschlag die bürgerlichen Partner im Landrat überzeugt, ist fraglich. Der Binninger FDP-Landrat Sven Inäbnit findet es zwar richtig, dass man das Konzept der Volluniversität – aktuell zählt Basel sieben Fakultäten – überprüft: «Es stellt sich schon die Frage, ob die fünf grossen Schweizer Unis in allen Fakultäten sämtliche gängigen Studiengänge anbieten müssen.»

SVP-Sparziel «zu hoch gegriffen»

Im Gegensatz zu Weibel will Inäbnit allerdings kein konkretes Sparziel definieren. Die ins Spiel gebrachten 50 bis 70 Millionen seien aus seiner Sicht viel zu hoch gegriffen: «Dies würde Einschnitte im Angebot nach sich ziehen, welche die Uni als unabdingbaren wirtschaftlichen Standortfaktor empfindlich schwächen würden.» Für Inäbnit wäre das nicht akzeptabel. Die Uni dürfe besser, effizienter und fokussierter – aber nicht in ihren Grundfesten erschüttert werden. Die Baselbieter FDP hat in den vergangenen Wochen im Rahmen eines internen Workshops die Uni-Finanzen durchleuchtet. Man werde die Analyse vor den Herbstferien den Medien vorstellen, sagt FDP-Fraktionschef Rolf Richterich. Welche Forderungen in Form von Landratsvorstössen oder Initiativen die Freisinnigen daraus abgeleitet haben, will Richterich noch nicht verraten.