Die Plakate an der Wand erinnern an den Französischunterricht in der Primarschule: Eine Liste mit den Ziffern von eins bis zwanzig und dem entsprechenden Wort dazu hilft beim Lernen der Zahlen. Die Artikel sind mit Farben gekennzeichnet, damit das Geschlecht der Wörter schneller sitzt. Bilder von Smileys und den entsprechenden Adjektiven unterstützen beim Antworten auf die Frage nach dem Befinden. Hier lernen aber keine Kinder Französisch, sondern Erwachsene Deutsch. Es ist eines der Schulzimmer in der «Station Lampenberg». In diesem Integrations- und Migrationszentrum (RIM) in Ramlinsburg sind seit gut sechs Wochen sieben syrische Familien zu Hause. Sie sind Teil des Pilotprojekts «Resettlement» des Bundes (siehe Box).

Als achter Kanton beteiligt sich das Baselbiet an dem Projekt. 32 Syrer, darunter 17 Kinder, wohnen deshalb im ehemaligen Gasthaus nahe der WB-Station. Dort hatten sie erst einmal zwei Wochen Zeit, sich einzugewöhnen. Das war auch nötig. «Die Leute kamen mit der Vorstellung in die Schweiz, hier eine schöne eigene Wohnung und auf Anhieb einen Job zu erhalten», weiss Maurizio Reppucci, Geschäftsleiter Migration bei der ABS Betreuungsservice AG, die für die Betreuung der Migranten zuständig ist. «Wir mussten sie erst einmal auf den Boden der Tatsachen holen. Das war am Anfang hart.»

Sprache steht im Zentrum

Nach dieser Schonfrist stieg man ins Programm ein, das den Fokus anfangs auf die Sprache legt. Deshalb wird das besagte Schulzimmer rege genutzt. «Jede Person hat täglich einen halben Tag Deutschunterricht», erläutert Reppucci. «Das ist ein sehr intensives Setting.» Entsprechend erkenne er grosse sprachliche Fortschritte.

Ebenfalls Fortschritte gemacht wurde in Sachen Gesundheit – ein zweiter Fokus in dieser Anfangsphase. Denn praktisch jeder Bewohner ist von Krankheit betroffen. Es sind Traumatisierungen vorhanden, aber auch andere physische und psychische Leiden sind Thema. «Am Anfang fuhr ich mindestens einmal täglich mit einem Bewohner zum Arzt», berichtet der Coach der Flüchtlinge. Auch für ihn war die Erfahrung neu. «Vor allem zu Beginn war es für mich schwierig, abzuschätzen, wie ernst die Beschwerden der Flüchtlinge wirklich sind und ob jeweils ein Gang auf die Notaufnahme nötig ist. Mittlerweile habe ich dafür ein Gespür.» Reppucci kennt das: «Der Umgang mit Schmerz ist kulturell geprägt. Bei uns versucht man eher, Schmerz zu verstecken und zu verharmlosen, in manchen Kulturen neigt man hingegen eher zum Dramatisieren.»

Im November ziehen die Syrer aus dem RIM aus. Ein weiteres Kontingent wird erwartet. Noch lässt sich nicht sagen, ob vor dessen Eintreffen Anpassungen am Projekt vorgenommen werden müssen. «Dafür ist es nach sechs Wochen noch zu früh», findet Reppucci, der den Verlauf der ersten sechs Wochen positiv einschätzt.

Standortgespräche sind wichtig

Evaluiert wird laufend, denn der Bund möchte erfahren, ob das Programm tatsächlich zu besserer Integration führt. Er gibt dem ABS entsprechende Fragen zur Beantwortung. Zudem führt der Coach regelmässig Standortgespräche mit den Bewohnern. Zurzeit liegt der Fokus dabei auf deren beruflichem und schulischem Hintergrund. Basierend darauf wird dann ein Integrationsplan erarbeitet.

Bis jetzt zeigt sich, dass der Bildungsstand der Flüchtlinge relativ hoch ist. Unter ihnen befinden sich Handwerker, ein Lehrer, ein Psychologe, eine Soziologin und ein Anwalt. «Nur ein Arzt wohnt leider nicht bei uns, das wäre praktisch», scherzt Reppucci. Dann ist es mit den Witzen wieder vorbei, denn nur weil der Bildungsstand der Flüchtlinge hoch ist, heisst das nicht, dass ihnen eine rosige berufliche Zukunft bevorsteht. Sollte die Schweiz die jeweiligen Ausbildungen überhaupt anerkennen, bleiben die gesundheitlichen Probleme. «Es kann sein, dass diese bei der Arbeitsintegration im Weg stehen. Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir allfällige Krankheiten jetzt erkennen und eine Behandlung initiieren.»