Gemeindepräsident Mike Nachbur und Gemeinderat Hans Dettwiler sitzen vor der Bürgergemeindeversammlung angespannt und mit starrem Blick auf ihren Stühlen. Sie ahnen wohl, dass es ein schwieriger Abend wird. Und so kommt es auch. Die traktandierten Geschäfte der Bürger- und der anschliessenden Einwohnergemeindeversammlung passieren problemlos. Unter «Verschiedenes» geht dann aber die Post ab.

Die Kündigung von Thomas Karrer und seiner Familie auf Ende März 2020 beschäftigt das Dorf. Er ist seit zehn Jahren Wirt des Bergrestaurants und Hirt des Sömmerungsbetriebs auf dem Stierenberg. Der Pächter ergreift das Wort: «Es geht nicht um einen Rundumschlag, aber ich muss ein paar Sachen klarstellen.» Dabei kritisiert er Gemeinderat Dettwiler. Dieser war als Präsident der Weidkommission während der ersten sechs Jahre von Karrers Tätigkeit für den Stierenberg zuständig. Der Betrieb ist im Eigentum der Bürgergemeinde.

Kurz nachdem er dort seine Arbeit aufgenommen habe, habe ihm Hans Dettwiler gesagt: «Wenn ich bei deiner Wahl dabei gewesen wäre, würdest du jetzt nicht hier sein.» Das sei für ihn ein Schlag ins Gesicht gewesen, erzählt Karrer. Dieser spricht zudem von einer Mietzinserhöhung und «schwerwiegenden Vorkommnissen». Und schliesst: «Ich bin zu Tode enttäuscht, dass auch im Gemeinderat keine Lösung gefunden worden ist.»

Der Gemeindepräsident will Karrers Worte nicht kommentieren. Aber er sehe ein paar Dinge etwas anders, meint Nachbur lapidar. Dettwiler schweigt ganz, obwohl auch er bestimmt einiges zu sagen hätte. Thomas Karrer erhält aus der Versammlung mehrheitlich Unterstützung. Christian Sutter, Mitglied der Weidkommission, meint frustriert: «Was die letzten zehn Jahre abgelaufen ist, ist schockierend. Verlierer sind alle.» Sollten wir so weitermachen?, fragt sich eine Frau und beantwortet ihre Frage gleich selber: «Hier muss etwas ändern.» Der Präsident der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK), Peter Wagner, betont, dass Karrer gute Arbeit geleistet habe und als Beizer beliebt gewesen sei.

Er tadelt den Gemeinderat, weil dieser nach der Kündigung keinerlei Reaktion gezeigt habe. Und fordert die Exekutive auf, «über die Bücher zu gehen». Sie soll externe Hilfe beiziehen und sich Gedanken darüber machen, wie man Thomas Karrer dazu bewegen könnte, auf seinen Entscheid zurückzukommen. Mike Nachbur verspricht, dies zu prüfen.

Doch Wagners Wunsch wird sich nicht erfüllen. Karrer sagt nach der Versammlung zur bz, er würde sich einem Gespräch zwar nicht verweigern, aber seine Kündigung sei definitiv. Offenbar ist zu viel Geschirr zerschlagen worden. Einzelne Votanten werfen dem Stierenberg-Pächter jedoch vor, sich nicht immer korrekt verhalten zu haben oder sehen kein Problem am monatlichen Mietzins von heute 1900 Franken.

Kanton verbot RGPK Prüfung

Eine weitere Personalie ist David Affolter, der frühere Gemeindearbeiter. Ihm hat die Gemeinde Bretzwil gekündigt. Die Gründe bleiben im Dunkeln. Die beiden Parteien haben per Ende Februar einen Vergleich geschlossen und Stillschweigen vereinbart. Deshalb dürfen sie sich nicht äussern. Die RGPK wollte sich der Angelegenheit annehmen, wurde vom Kanton jedoch in die Schranken gewiesen. «Weil es ein einzelnes Geschäft zu einer Person ist sowie aus Datenschutzgründen und wegen Persönlichkeitsrechte», erklärt Kommissionspräsident Peter Wagner. Dennoch wirft ein Versammlungsteilnehmer ein: Die Kommunikation des Gemeinderats sollte besser sein. So werde das Vertrauen nicht gefördert.

Die Presse bekommt auch ihr Fett weg. Berichte seien schlecht recherchiert, haltlos und auch einseitig gewesen. Diese Kritik erfolgt mit höchster Emotion. Die Debatte ist engagiert, gegen Ende ein wenig gehässig. Gemeindepräsident Mike Nachbur meistert die nicht einfache Versammlung ordentlich; er lässt alle Votanten ausreden, fällt niemandem ins Wort. Nach geschlagener Schlacht können sich die erhitzten Gemüter beim Apéro wieder abkühlen.