Basel ist bislang kein Mekka für Flugshows. Wer sich dafür interessiert, pilgert alle zwei Jahre an die Flugtage in Dittingen im Baselbiet. Nahe Überflüge über Basel gibt es zwar trotzdem, wenn Verkehrsflugzeuge ab dem EuroAirport Basel-Mulhouse zum Beispiel direkt über die Stadt starten.

Wem sonst als Erik Julliard, Gründer und Chef des erfolgreichen Open-Air-Militärmusik-Festivals «Basel Tattoo», könnte es gelingen, eine Flugshow in die Rheinstadt zu bringen? Der umtriebige Unternehmer hat in der Tat die Kunstflug-Staffel «PC-7-Team» der Schweizer Luftwaffe zum grossen Finale des Tattoo für Samstag, den 21. Juli, nach Basel eingeladen. Die Air Show passe bestens, sagt Julliard, weil das Tattoo unter Schirmherrschaft des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport» (VBS) stehe. Die Flugshow könnte dem Tattoo neben den 120000 Besuchern noch zusätzliche Zuschauer bescheren, sagt Juillard.

Botschafter der Schweizer Luftwaffe

Die Einladung wurde von der Luftwaffe angenommen und bereits als Termin in die Agenda des «PC-7-Teams» eingetragen, wie die «TagesWoche» notierte. Das «PC-7-Team» ist also bereit, als «Botschafter der Schweizer Luftwaffe» mit den Pilatus-Ausbildungsflugzeugen über Basel zu kreisen.

Die öffentlichen Vorführungen des Teams sind kostenlos. So steht es in den «Weisungen des VBS über die Teilnahme von Militärluftfahrzeugen an öffentlichen Flugveranstaltungen». Die Piloten arbeiten sonst in den F/A-18-Kampfstaffeln und amtieren gleichzeitig als Ausbildungskader der Luftwaffe. Ein Veranstalter muss einzig die Versicherungskosten übernehmen. Was jetzt noch in Basel fehlt, ist das Einverständnis der Polizei. «Gegenwärtig sind Gespräche am Laufen, um die Voraussetzungen für eine Vorführung zu schaffen», erklärt Laurent Savary, stellvertretender Chef Kommunikation der Schweizer Luftwaffe.

Vorzeichen für ein positives Ergebnis stehen schlecht

Bei der Basler Polizei sei noch kein Gesuch für die Veranstaltung eingegangen, sagt Sprecher Klaus Mannhart gegenüber dem «Sonntag». Julliard will in den nächsten Wochen das Gespräch mit Regierungsrat Hanspeter Gass und Polizei-Kommandant Gerhard Lips aufnehmen. Die Vorzeichen für ein positives Ergebnis stehen aber schlecht, weil Gass und Lips ein Gesuch für einen Auftritt des «PC-7-Teams» für das Basel Tattoo im Jahr 2011 abgelehnt hatten. Als Grund nennt Mannhart «Sicherheitsbedenken»: «Meines Wissens hätten die Flugzeuge quer über die Stadt Richtung Kaserne und nicht entlang des Rhein fliegen sollen», sagt Mannhart.

Noch heute empfindet Julliard den damaligen Entscheid der Polizei als «fragwürdig». Immerhin hätten die Kommandanten der Luftwaffe wie des «PC-7- Teams» ihr Einverständnis für den Flug-Anlass gegeben. Damit die Aussichten für ein grosses Tattoo-Finale mit den Pilatus-Fliegern in diesem Jahr besser sind, betont Julliard, dass die Staffel Basel lediglich überfliege, ohne aber ihre Kunstflüge zu zeigen.

Kritik an Flugshow

Trotzdem wird bereits Kritik an der geplanten Flugshow laut. Das Ganze sei doch «ein Witz», sagt alt Nationalrätin Anita Lachenmeier gegenüber dem «Sonntag»: «Eine Flugshow über dem am dichtesten besiedelten Quartier von Basel durchzuführen, ist unverantwortlich.» Neben dem Risiko von Abstürzen seien die Flugzeuge zudem «extrem laut». Lachenmeier, Anwohnerin des Kasernenareals, bei dem das Tattoo stattfindet, hofft, dass die Regierung den Flug-Anlass nicht zulässt. Das Tattoo bekomme ja sonst schon genug Zugeständnisse, wenn im Juli das Quartier für den Auf- und Abbau blockiert werde oder die Quartierräume im Kasernenareal just während der Schulferien nicht genutzt werden könnten, betont Lachenmeier.

Das diesjährige Tattoo stösst so oder so auf ein grosses Interesse. Egal, ob es mit oder ohne Überflug der «PC-7-Team»-Flugstaffel für das Finale am 21. Juli stattfindet. «Es gibt nur noch wenige Tickets», sagt Julliard. Und dies, obwohl das Tattoo in diesem Jahr neu 15 statt wie bisher 13 Vorstellungen aufweist. Als besonderes Highlight des Militärmusik-Festivals gilt der Auftritt des Basler «Top Secret Drum Corps», das nach drei Jahren sein Comeback geben wird. Neben dem Rekrutenspiel der Schweizer Armee, sind schottische, russische, dänische oder japanische Militärmusiken im Programm aufgeführt. Wegen der Olympischen Sommerspiele in London sind in diesem Jahr jedoch keine englischen Formationen am Anlass vertreten.