Der Verband der Weinproduzenten Region Basel-Solothurn und das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain (LZE) hatten gestern Dienstag in die Weindomaine Nussbaumer in der Aescher Klus eingeladen, um über das Rebjahr 2017 und den aktuellen Stand der Weinlese zu informieren. Klar ist bereits: «Das Rebjahr 2017 ist quantitativ ein Jahr zum Vergessen», so Andreas Buser vom LZE.

Die starken Temperaturschwankungen im Frühjahr haben den Winzern einen Strich durch die Rechnung gemacht: «Im Februar war es sehr mild, was zu einem frühen Austrieb, also einem Aufbrechen der Knospen, geführt hat.» Der starke Spätfrost im April jedoch zerstörte die bereits ausgetriebenen grünen Knospen zu 100 Prozent.

Hinzugekommen war der Schnee, der am Nachmittag vor der ersten Frostnacht am 19. April auf die Reben niedergegangen war und somit die Wärmestrahlung der Erde isolierte. Ein klarer Himmel und eine aufkommende Biese an jenem Abend haben das Unglück wohl vervollständigt. Auch Heizkerzen und andere Massnahmen hatten nicht mehr ausgereicht, um die Schäden zu begrenzen.

Hoffnung zerschlagen

Die Winzer befürchteten das Schlimmste: «Viele hatten noch die Hoffnung, dass sich aus den geschlossenen Nebenaugen bei einem Temperaturanstieg einigermassen fruchtbare Schosse entwickeln», so Buser zur bz. Das sei aber nicht eingetroffen – die schlimmsten Befürchtungen wurden wahr: Statt 860 ergaben sich nur 180 Tonnen Erntemenge in der Weinbauregion, was rund 20 Prozent einer 10-Jahres-Mittelernte entspricht.

Auch finanziell ist dieses Rebjahr für Winzer in der Region ein schwerer Schlag. Stimmen aus der Bevölkerung, wonach die Winzer gerne jammern und nach staatlicher Unterstützung rufen würden, weisen die Experten von sich: «Bis jetzt ist kein roter Rappen geflossen», sagt der Aescher Rebwärter und Besitzer des Weingutes Tschäpperli, Ulrich Bänninger, zur bz. Die Winzer seien nun dabei, die Schäden finanziell zu beziffern: «Winzer, die eine Frostversicherung abgeschlossen haben, werden sicher eine Auszahlung ihrer Versicherung bekommen», so Bänninger. Die Prämien für solche Versicherungen seien aber dermassen hoch, dass die meisten Weinbauern darauf verzichteten.

Mögliche Unterstützung können sich die Winzer von der Schweizer Stiftung Fondssuisse erhoffen. «Aufgrund des ausserordentlichen Frostereignisses im April 2017 mit schweizweit grossen Schäden wird Fondssuisse stark betroffene Landwirtschaftsbetriebe mit Beiträgen à fonds perdu unterstützen», so die Stiftung.
Normale Preise.

Auch ist es den Winzern nicht möglich, den Preis für den Wein zu erhöhen, um den finanziellen Schaden zu begrenzen: «Dafür ist die Konkurrenz viel zu gross. Die Weine werden gleich viel Kosten wie immer», sagt Buser.

Etwas Positives gibt es aber zu berichten: Der Jahrgang 2017 wird quantitativ zum Vergessen, aber qualitativ durchaus zu geniessen sein. Die wenigen Trauben, die nach dem Frost gesprossen sind, werden ein paar Flaschen guten Weins hergeben.