Am Montagabend erhielt das Superpro Sportcenter Basel am Christoph-Merian-Ring in Reinach Besuch eines Schlägertrupps. Am Tag danach wies zumindest auf der Webseite nichts darauf hin, dass der Kampfsportclub verwüstet worden war, ebenso wenig auf der Facebook-Seite des Centers. «Nutze auch du heute die Gelegenheit für ein kostenloses Probetraining», wird dort im jüngsten Eintrag geworben. Dieser wurde jedoch bereits am Sonntag aufgeschaltet - und unter der angegebenen Telefonnummer ist niemand erreichbar.

Die Hinweise haben sich seit dem Überfall erhärtet, dass es sich beim Anführer des Schlägertrupps um Paulo B.* handelt. Der mehrfache ehemalige Thaibox-Weltmeister war lange Trainer von Shemsi Beqiri und betreibt selber ein Kampfsportzentrum in Basel. Insgesamt sechs Personen wurden beim Überfall am Montag verletzt. Unter ihnen soll sich auch Shemsi Beqiri befinden.

Abrechnung kündete sich an

Falls es sich beim Rädelsführer des Reinacher Überfalls um Paulo B. handelt, so hätte sich die Auseinandersetzung zwischen den beiden Thai-Box-Stars schon seit längerem angebahnt: Vor rund zwei Jahren brüllte B. nach seinem letzten Wettkampf in Basel noch im Ring ins Mikrofon: «Für einen Kampf bin ich immer noch parat. Es gibt einen, der eine ganz ‹dumme Schnuure› hat. (...) Es gibt jemanden, der heisst Herr Beqiri. (...) Er hat gesagt, meine ganze Karriere sei ein Witz gewesen. (...) Wenn er ein Mann ist: Ich bin da!» (siehe Video: ab 04:30).

(Quelle: youtube.com/L0CHERGUET)

Paulo B. fordert Shemsi Beqiri heraus! (ab 04:30)

Beqiri wiederum hatte rund ein Jahr zuvor in einem Interview in einem Internet-Portal über die Gründe für den Bruch mit seinem Ex-Trainer gesprochen: «Das Training genügte nicht meinen Ansprüchen und die Geschäftsführung sowie das Management liessen sehr zu wünschen übrig. Ich denke, der Erfolg gibt mir Recht.»

Verdächtiger in U-Haft

Am Mittwoch teilte die Baselbieter Staatsanwaltschaft mit, dass der mutmassliche Haupttäter vorläufig fest genommen worden sei. Gegen ihn sei beim Zwangsmassnahmengericht die Unterbringung in Untersuchungshaft beantragt worden. Auch ein Strafverfahren wurde eingeleitet. Auf Nachfrage der bz gibt die Staatsanwaltschaft die Anklagepunkte bekannt: Freiheitsberaubung, Nötigung, Angriff, versuchte schwere Körperverletzung, versuchte einfache Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand.

Weitere Angaben machte die Staatsanwaltschaft nicht. Wie das Superpro Center war auch B.'s Clublokal am Mittwoch telefonisch nicht erreichbar. Der Überfall hat für den verdächtigten B. auf jeden Fall Folgen: Er ist Mitorganisator eines Kampfsport-Events im Grand Casino Basel vom kommenden Samstag - der Anlass wurde kurzfristig abgesagt.

«Nimmt Telefon nicht ab»

Auf der Casino-Webseite ist von «technischen Problemen» («pour des raisons techniques») die Rede, die zur Annulation der «Fight Night» geführt hätten. Auf Anfrage der bz sagt Casino-Geschäftsführer Marcel Wenger, dass die Vorfälle vom Montag Grund für die Absage seien. Er drückt sich diplomatisch aus: «Wir können nicht ausschliessen, dass B. nicht mit dieser Auseinandersetzung in Verbindung gebracht werden kann.»

Wenger sagt, er habe mit B. seit den Vorfällen nicht sprechen können. «Er nimmt das Telefon nicht ab.» Der Grund, dass B. das Telefon nicht abnehmen kann, ist mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass er sich in U-Haft befindet.

Verband ist bestürzt

Der Schweizerische Muay Thai Verband (SMTV) äussert sich auf Anfrage bestürzt über die Vorfälle; diese würden dem Ansehen des Thai-Boxens Schaden zufügen. Das Superpro Sportcenter war Mitglied im nationalen Thaibox-Verband. Im Vergangenen Herbst beschloss der SMTV-Vorstand einstimmig, das Center auszuschliessen. Als Grund wurde Shemsi Beqiris kriminelle Vergangenheit angegeben.

Auch B.'s Center war Mitglied beim SMTV. Wie ein Verbandsmitglied mitteilt, hatte er seine Mitgliedschaft vor rund drei Jahren selber quittiert.

Bereits der Fall «Carlos» sorgte rund um die Brüder Beqiri für Aufsehen. Der mehrfach vorbestrafte Gewalttäter wurde im Rahmen eines Sondersettings seit Juli 2012 von Shemsi Beqiri trainiert. Nach einer TV-Sendung und zahlreichen Medienberichten stieg der öffentliche Druck; Ende August 2013 wurde «Carlos» ins Gefängnis Limmattal verlegt.

*Name der Redaktion bekannt.