Theo Sigrist ist anders. Seit seiner Geburt ist er cerebral gelähmt. Aber so, wie er zu Hause in Ettingen am Küchentisch sitzt und über seine Krankheit redet, ist es kaum zu merken, dass er anders ist. Lediglich das Sprechen fällt ihm manchmal schwer, vor allem die Wörter deutlich auszusprechen. Am meisten Schwierigkeiten hat er beim Gehen. Seit seiner Frühgeburt – er kam mit sechseinhalb Monaten zur Welt – hatte er es nicht einfach in seinem Leben. Er wurde als Cerebral-Gelähmter geboren und die Ärzte diagnostizierten seinen frühen Tod. Trotzdem wollten ihm seine Eltern ein normales Leben ermöglichen – solange es geht.

Heute blickt der 67-Jährige auf ein erfülltes, wenn auch nicht immer einfaches Leben zurück. Dass er nicht wie jeder andere war, musste er schon früh lernen. Aufgrund seiner Behinderung konnte er keine reguläre Schule besuchen und war stets in Therapie. «Ich habe oft innerlich geweint, wenn meine Geschwister draussen spielten und ich wiedermal im Bett liegen oder zur Therapie musste», gesteht er. Aber im Nachhinein sei er sehr dankbar, dass seine Eltern so gut zu ihm geschaut hätten.

40 Jahre lang bei Adullam Stiftung

Trotz seiner Behinderung war er sein Leben lang berufstätig. Aber auch hier war der Einstieg nicht leicht und er wechselte mehrmals die Stelle.

Das änderte sich, als er bei der Adullam Stiftung anfangen konnte. Einem Geriatriespital und Alters- und Pflegeheim in Basel. Damals war er anfangs 20. «Dieser Stiftung verdanke ich sehr viel», sagt Sigrist. Hier habe er richtig sprechen gelernt und sie haben ihm das Vertrauen gegeben, bei ihnen zu arbeiten. In der Stiftung war er zunächst als Gärtner, dann in der Putzequipe und schliesslich im Operationsraum in der Sterilisation tätig. Dort blieb er 40 Jahre lang. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er vor sieben Jahren frühpensioniert. «Viele rieten mir, einfach eine IV-Rente zu beziehen, aber das wollte ich nicht.»

Einschneidendes Erlebnis als Kind

Mit zwölf Jahren hatte er ein einschneidendes Erlebnis: «Als ich einmal von der Pfadi zurückkam, sollte ich meine Schuhe putzen. Meine Mutter forderte mich mehrmals auf, aber ich hatte keine Lust. Ich sagte ihr, dass ich doch behindert sei, invalid. Da hat sie mich aber zusammengestaucht und mir gezeigt, was behindert sein heisst. Und ich musste nicht nur meine eigenen Schuhe, sondern gleich noch ein paar andere putzen», erzählt Sigrist und lacht herzhaft.

Das sei ein wichtiger Moment in seinem Leben gewesen, den er nie vergessen habe. Denn die Standpauke seiner Mutter gab ihm Kraft, immer weiter zu machen. Seit sie vor sechs Jahren gestorben ist, erledigt er einen grossen Teil des Haushalts selbstständig. «Ich koche, wasche ab und mache die Wäsche. Und mit meinem Classic-Fahrzeug erledige ich Einkäufe.» Bei aufwendigeren Dingen helfen ihm seine Geschwister und einmal im Monat kommt eine Putzfrau vorbei.

Obwohl ihm einige Steine in den Weg gelegt wurden, hat er sich nie unterkriegen lassen. Woher er diese Kraft nimmt, wisse er selber nicht. Es sei einfach in seiner Natur, positiv eingestellt zu sein. Und eine Sache ist Theo Sigrist besonders wichtig: «Es gab immer Leute, die mich schräg angeschaut oder ausgelacht haben. Aber man sollte den Mut nie verlieren und das Beste aus der Situation machen.»