Fast noch ein wenig jugendlich wirkte der 53-jährige Mann am Dienstagmorgen, als er in Handschellen in den Gerichtssaal in Muttenz trat. Am Abend hingegen schien der Lebensmut definitiv verflogen: Langsam schüttelte er seinen Kopf, und mit tief gesenktem Haupt liess er die Erklärungen von Gerichtspräsident Adrian Jent über sich ergehen. Die fünf Richter hatten kurz zuvor entschieden, dass der Mann verwahrt wird.

Seine Delikte liegen lange zurück: Zwischen 1993 und 2003 trieb sich der Mann vor allem als Fussballtrainer auf den Sportplätzen von Muttenz und Münchenstein herum, lernte so junge Knaben wie auch deren Eltern kennen. Seine Trainingsmethoden sollen rabiat gewesen sein, doch Druck setzte er auch an anderer Stelle auf: In der Zeit missbrauchte er insgesamt sieben minderjährige Knaben im Alter zwischen acht und zwölf Jahren sexuell, und das teilweise über zehn Jahre hinweg. Teilweise geschahen die Übergriffe noch während der Probezeit einer Vorstrafe wegen ähnlicher Delikte und vor allem während einer ambulanten Therapie.

Strafanzeigen zurückgezogen

Im Jahr 2006 verurteilte ihn das Baselbieter Strafgericht wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern sowie wegen mehrfacher sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von knapp vier Jahren. Wie Jent gestern anmerkte, wäre eine deutlich höhere Strafe angemessen gewesen, doch wegen der damals sehr langen Verfahrensdauer und der eingeschränkten Schuldfähigkeit des Mannes wurde die Strafe deutlich reduziert. Offenbar hatten mehrere Opfer damals ihre Strafanzeigen aus unbekannten Gründen zurückgezogen.

Die Strafe wurde aufgeschoben, das Gericht ordnete damals eine stationäre Therapie an. Zweifel am Erfolg gab es bereits, indirekt drohte man ihm schon damals mit der Verwahrung. Im Jahr 2011 schienen die Therapieversuche gescheitert, doch man unternahm erneut einen Versuch, das Gericht verlängerte die Massnahme um weitere fünf Jahre.

Gestern sagte der Mann, er wolle künftig mit seinem Freund in Deutschland leben und dort eine ambulante Therapie absolvieren. Sein Aufenthaltsrecht in der Schweiz ist erloschen, bei einer Entlassung aus der Klinik würde er nach Deutschland ausgeschafft. Sein Verteidiger unterstützte die Idee: Die Sicherheit der Schweizer Bevölkerung würde damit nicht gefährdet. «Man kann hier nicht von einem untherapierten Straftäter ausgehen. Er hat sich beispielsweise mehr als vier Jahre lang chemisch kastrieren lassen. Und er fällt nicht in die Kategorie der Hochrisikotäter», sagte sein Verteidiger.

«Man lässt ihn raus und vertraut darauf, dass er in Deutschland irgendeine Therapie macht? Das kann man einfach vergessen. Wir als Gericht können das nicht verantworten. Wir können nicht einfach sagen: Geh nach Deutschland, dann müssen die schauen», sagte Adrian Jent gestern dazu. Auch eine weitere stationäre Therapie war keine Alternative: «Ein hoffnungsloser Fall», resümierte einer der letzten Therapieberichte.

Der 53-Jährige hatte gesagt, er habe sich in den letzten Jahren beispielsweise bei den Eltern seiner Opfer entschuldigt. Während einer Vollzugslockerung tauschte er mit einem jungen Mann allerdings Familienfotos, was von den Therapeuten als «Hochrisikoverhalten» eingestuft wurde. Er beteuerte am Dienstag, er stehe inzwischen nur noch auf erwachsene Männer. Der Mann leidet an einer Minderintelligenz, vermutlich aufgrund einer hirnorganischen Störung. Seine Pädophilie erklärte er mit eigenem erlebten Missbrauch durch den Grossvater. Das Urteil kann er noch ans Kantonsgericht weiterziehen.