Das Therapiezentrum ist von aussen nicht als solches erkennbar. Es befindet sich in einem kleinen, zweistöckigen Haus, einem ehemaligen Gästehaus eines grossen Anwesens. Durch ein Gartentor geht man an einem Teich mit Springbrunnen vorbei zum Eingang. Das Fias-Zentrum (Frühintervention bei Autismus-Spektrum-Störungen) feiert dieses Jahr sein fünfjähriges Bestehen. Es gehört zur Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Basel.

Durch Spielen will man eine Beziehung zu den Kindern aufbauen und ihnen näherbringen, wie sie mit anderen in Kontakt treten können. Das Konzept beruht auf dem Vorbild der sogenannten Mifne-Therapie, die Hanna A. Alonim 1987 in Israel entwickelt hat. «Das Fias-Zentrum in Muttenz ist der einzige Ort ausserhalb Israels, wo diese Art der Intervention für die ganze Familie angeboten wird», sagt die Therapeutin Bernadette Panzer nicht ohne Stolz.

Doch was genau ist Autismus? Autistische Störungen zeigen sich bereits vor dem dritten Lebensjahr in Auffälligkeiten in mehreren Bereichen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich Menschen mit Autismus von anderen im sozialen Verhalten, in sozialen Beziehungen, der verbalen und nonverbalen Kommunikation und ihren Interessen unterscheiden. Auffälligkeiten in der Sprache zeigen sich dadurch, dass Autisten Aussagen wortwörtlich nehmen: Ironie und Witze verstehen sie nicht. Viele haben eine Begabung in einem bestimmten Gebiet, die sogenannte «Inselbegabung». Die Symptome und die Ausprägung bei den Betroffenen sind sehr unterschiedlich und verlangen deshalb eine individuelle Betreuung.

Täglich sechs Stunden Therapie

Diese Therapie bietet das Therapiezentrum an. Das Angebot richtet sich an Kleinkinder im Alter von 1 bis 4 Jahren mit einem frühkindlichen Autismus. Evelyn Herbrecht, die leitende Ärztin des Zentrums, erklärt: «Eine sehr intensive Zeit, die anstrengend für alle Beteiligten ist.» Die Behandlung umfasst eine dreiwöchige Intensivphase – sieben Tage die Woche –, an der die gesamte Familie teilnimmt. Diese wohnt in dieser Zeit in einer bereitgestellten Wohnung in Muttenz und ist tagsüber im Therapiezentrum.

Das autistische Kind wird täglich sechs Stunden in einem speziell reizarm ausgestatteten Raum spieltherapeutisch behandelt und in den Aktivitäten des täglichen Lebens gefördert. Das Kind wird dabei durchgehend von zwei Kameras beobachtet und aufgezeichnet. Neben dem Therapieraum befindet sich ein Beobachtungsraum, in dem die Aufzeichnungen zusammen laufen und von einem Therapeuten analysiert werden. Daneben sind im Haus noch zwei weitere Fernseher, mit denen man das Geschehen im Therapieraum verfolgen kann.

Nach der stationären Behandlung folgt die Nachsorgephase zu Hause. Sie beinhaltet 1 bis 2 Spielsequenzen pro Tag, durchgeführt von den Eltern und/oder von einem Therapeuten. Die Familie wird nach der Therapie im Fias noch zwei Jahre durch Therapeuten des Zentrums begleitet. Ziel der Therapie ist, auf die Verhaltensweisen des Kindes einzuwirken und nachhaltige Veränderungen einzuleiten, die dem Kind zu einer optimalen Entwicklung verhelfen sollen. Die Absicht: eine Integration in eine reguläre Spielgruppe oder in einen Regelkindergarten.

Kantone sollen mehr zahlen

«Die Therapie eines Kindes kostet etwa 100’000 Franken», sagt Esther Kievit, die therapeutische Leiterin des Zentrums. Das ist viel Geld. Die Kosten tragen neben der Invalidenversicherung (IV) und der Fias-Stiftung auch die Eltern selber. Langfristig sollen aber die IV, die Kantone und die Stiftungen den überwiegenden Anteil der Therapiekosten übernehmen. «Wegen der Beteiligung an den Kosten verhandeln wir momentan mit dem Kanton Basel-Stadt», erzählt Herbrecht. Verhandlungen mit anderen Kantonen, unter anderem Baselland, sollen aber folgen und bald möglichst beginnen.