Der Krimi rund um die Inter-GGA geht weiter. In Therwil dürfen die Stimmberechtigen am kommenden Donnerstag darüber entscheiden, ob das kommunale Kabelnetz ausgebaut werden soll. Stimmt die Gemeindeversammlung dem Vorschlag zu, wird die Inter-GGA obsolet – dieses Schicksal droht der Kabelnetzbetreiberin auch andernorts im Baselbiet.

Bei einem Ausbau wäre künftig jede Wohnung und jedes Unternehmen mit einem eigenen Glasfaserkabel angeschlossen. Die Kunden könnten dann ihren Provider selber wählen. Eine «Zwischenhändlerin» wie die Inter-GGA wäre nicht mehr notwendig. Die Gemeinde würde ihr Netz direkt an Anbieter vermieten. Der Vollausbau mit Glasfaser dürfte rund 10 Millionen Franken kosten.

Die Inter-GGA sieht sich mit zahlreichen weiteren Ausstiegsbegehren konfrontiert. Derzeit versorgt sie elf Kabelnetze im Baselbiet und im Schwarzbubenland mit Signalen für TV, Radio, Telefon und Internet.

Sogar Verkauf stand zur Debatte

Für Unmut bei Konsumenten sorgte ein Provideraustausch der Inter-GGA im Jahr 2014. Damals wechselte sie zur Bieler Quickline. Das Nachsehen hatte die Improware AG aus Pratteln. Zahlreiche Kunden beklagten eine Verteuerung des Angebots. In Reinach, wo die Inter-GGA ihren Sitz hat, wurde der Providerauftrag kürzlich neu ausgeschrieben. Nach Kritik an den Vergabekriterien befindet er sich in Neubearbeitung. Binningen hat den Austritt aus der Inter-GGA bereits vollzogen. Die Gemeinde wechselte Ende 2014 mit ihrem Kabelnetz zurück zur Improware.

In Therwil spielte der Gemeinderat auch Alternativen zum Glasfaserausbau durch. Infrage kamen drei Möglichkeiten: Gar nichts unternehmen, das Netz verkaufen, oder aber «nur» die Signalverstärker ausbauen und die Leistung auf diese Weise erhöhen. Bei allen drei Optionen sind die Nachteile aus Sicht des Gemeinderates jedoch zu gross.

Falls nichts unternommen wird, könne das Kabelnetz noch etwa fünf Jahre seinen Dienst erfüllen. Es drohe aber die Abwanderung von Kunden zu anderen Anbietern. Das Bedürfnis nach hohen Bandbreiten wachse rasant, dieses könne jedoch mit den bestehenden Kupferkabeln nicht befriedigt werden.

Schon die zweite Abstimmung

Bei der Variante Teilausbau würde die Kapazität der Verstärker erhöht, also der lokalen Verteiler, an die jeweils eine bestimmte Zahl Haushalte angeschlossen ist. Die Massnahme kostet gemäss Vorlage 1,3 Millionen Franken. Beim Szenario Teilausbau würde man aber ebenfalls bei den bald veralteten Kupferkabeln bleiben. Auch einem Netzverkauf steht der Gemeinderat kritisch gegenüber. So sei der Erlös wohl tief, weil die Daten der Therwiler Kunden, derzeit sind es 4200 Nutzer, weiterhin der Inter-GGA gehörten.

Stimmen die Therwilerinnen und Therwiler dem Vollausbau zu, kommt spätestens im Oktober 2019 eine entsprechende Vorlage vor die Gemeindeversammlung. Der Vertrag mit der Inter-GGA würde um ein Jahr befristet verlängert. Über den künftigen «Vermittler» könnte später ebenfalls die «Gmeini» entscheiden.

Dass überhaupt nochmals über das Therwiler Kabelnetz abgestimmt wird, ist auf einen Entscheid des Kantonsgerichts zurückzuführen. Es ordnete 2017 eine erneute Abstimmung über den Antrag «Providerwahl vors Volk» an. Die Vorlage wurde 2015 als nicht erheblich erklärt. Der Antragssteller legte jedoch Beschwerde ein. Der Gemeinderat habe Falschaussagen getätigt. Das Kantonsgericht gab dem Beschwerdesteller grösstenteils Recht.