Das Preisschild verdoppelte sich praktisch über Nacht. Als die Gemeinde Therwil den Aufwand für die Sanierung des Schulhauses Mühleboden zum ersten Mal schätzte, kam die Bauverwaltung noch auf einen Betrag von sieben bis acht Millionen Franken. Doch als es darum ging zu eruieren, wie teuer es wäre, den Gebäudekomplex aus den 1970er-Jahren erdbebensicher zu machen, vermehrten sich die Kosten rasant. Plötzlich lag die Summe bei 14 bis 15 Millionen Franken.

Die Gemeinde zog die Reissleine und stoppte die Planungen. Jetzt denkt man in Therwil offen über einen Abriss des Gebäudes nach. Die Gemeinde teilt mit: «Aufgrund dieser Ausgangslage stellt sich die Frage, ob die Kosten noch im Verhältnis zur geplanten Sanierung stehen. Oder ob es nicht sinnvoller wäre, am bestehenden oder an einem anderen Standort ein neues Schulhaus zu bauen.»

Sensibilität sei gestiegen

Ursache der Kostensteigerung sind die gestiegenen baulichen Auflagen. Die Norm des SIA (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) gibt vor, dass öffentliche Gebäude erbebensicher gebaut werden müssen. «Diese Norm erfüllt das jetzige Schulhaus nicht», schreibt die Gemeinde Therwil. «Das Gebäude ist zwar zum jetzigen Zeitpunkt weder unsicher noch gefährdet, die Öffentlichkeit ist zum Thema Erdbebensicherheit aber stärker sensibilisiert.» Man habe das wahre Kostenausmass der Erdbebenertüchtigung unterschätzt.

Ältere Schulhäuser gibt es im Kanton Baselland in grosser Zahl. Würde bei allen eine Erdbebenertüchtigung verlangt wie nun in Therwil, so würde das viele Gemeinden in grosse Nöte stürzen, ebenso den Kanton: Er übernahm 2011 von den Gemeinden insgesamt 26 Sekundarschulhäuser – viele davon befanden sich in einem maroden Zustand.

Der Baselbieter Kantonsarchitekt Marco Frigerio schreibt auf Anfrage, die Tragwerksnormen des SIA bezüglich Erdbebensicherheit seien in den Jahren 1989 und 2003 verschärft worden. Bei Bauten, die vor dieser Zeit erstellt wurden, bestehe generell Untersuchungsbedarf. Frigerio: «Im Wissen, dass in der Schweiz 90 Prozent der Gebäude vor 1989 erstellt wurden und der Kanton Basel-Landschaft ein noch älteres Liegenschaftsportfolio besitzt, kann daraus abgeleitet werden, dass der Handlungsbedarf letztlich gross sein wird.»

Therwil muss neu planen

Eine verlässliche Kostenaussage könne jedoch nicht gemacht werden. «Jedes Gebäude muss separat im Vorfeld einer Sanierung untersucht werden.» Nur schon die Einschätzungen auf Schadenanfälligkeit und Risikopotenzial geht mächtig ins Geld. Laut Frigerio sind für eine derartige Bestandsaufnahme des gesamten Immobilien-Portfolios des Kantons Kosten in der Grössenordnung von rund 0,8 Millionen Franken zu erwarten.

In Therwil gerät der Zeitplan durcheinander. Bereits 2016 genehmigte die Gemeindeversammlung einen ersten Teil des Mühleboden-Planungskredits in der Höhe von fast einer halben Million Franken. Ursprünglich war vorgesehen, die Schulanlage ab Sommer 2018 zu sanieren und die Arbeiten 2019 abzuschliessen.

«Wir werden jetzt eine Auslegeordnung vornehmen», sagt Gemeindepräsident Reto Wolf zur bz. «Danach schauen wir, welche Variante wir weiterverfolgen: Sanierung oder gegebenenfalls Neubau.» Der Gemeinderat will der Gemeindeversammlung im kommenden Jahr ein neues Projekt vorlegen.

Eine Sanierung käme dem Preis für ein neues Schulhaus ziemlich nahe. Die ursprünglich vorgesehenen Massnahmen beim Mühleboden-Schulhaus hätten die 20-Millionen-Franken-Marke wohl geknackt. Denn zur Erdbebensicherheit kämen auch noch «Ausgaben für zusätzliche Anforderungen» hinzu, schreibt die Gemeinde. Gemeint ist damit unter anderem behindertengerechtes Bauen sowie die Anbindung von Kindergärten und Tagesstrukturen. Zum Vergleich: Therwil baut derzeit eine neue Schule, das Schulhaus Wilmatt. Dort beträgt die Bausumme rund 30 Millionen Franken.

Reto Wolf sagt dazu: «Natürlich stellen wir uns die Frage, wie wir das Projekt finanziell überhaupt stemmen könnten. Das wird ein entscheidender Punkt bei den kommenden Diskussionen im Gemeinderat.»