Es war viel von «Strategie» die Rede an der Therwiler Gemeindeversammlung. Denn der neue kommunale Richtplan, den es zu verabschieden galt, soll die Richtung angeben, in die sich die Gemeinde in den kommenden rund 25 Jahren entwickeln soll. Aber um einen entscheidenden strategischen Entscheid drückten sich die rund 200 Stimmberechtigten im Saal, nämlich wie es mit dem Gebiet Känelrain weitergehen soll.

Das 80'000 Quadratmeter grosse Areal am südlichen Rand des Siedlungsgebiets von Therwil befindet sich heute weder in der Landwirtschafts- noch in der Bauzone, sondern in einer Zone ohne Nutzung. Auch im kantonalen Richtplan, über dessen Revision derzeit diskutiert wird, ist der Känelrain als eines der wenigen noch denkbaren Einzonungsgebiete im Unterbaselbiet vermerkt. Der Gemeinderat wollte im kommunalen Richtplan das Gebiet in die grundsätzlich bebaubare Zone integrieren. «Wir sagen damit nur, dass Therwil hier ein Gebiet hat, das man grundsätzlich einzonen könnte», sagte Gemeinderat Beat Zahno (CVP). «Das heisst nicht, dass das ein Grund ist, das auch wirklich zu tun.»

Spitzfindigkeit abgesegnet

Doch weil die Formulierung im ursprünglichen Entwurf mehrdeutig hätte interpretiert werden können, schlug der Gemeinderat eine Änderung der eigenen Vorlage vor. Demnach solle der Känelrain zwar noch im Perimeter der Siedlungsplanung sein, aber ausserhalb des Bauzonenrands.

Diese Spitzfindigkeit wurde von der Mehrheit der Stimmbürger goutiert und im Richtplan so festgehalten. Damit bleibt die Zukunft des Areals in der Schwebe. Eine Einzonung ist grundsätzlich möglich, aber der Richtplan zeigt keinerlei Absichten, dass man dies tun wolle. Dafür wäre sowieso eine Zonenänderung nötig, für die es einen Beschluss der Gemeindeversammlung bräuchte. Dass dies in den nächsten mindestens 15 Jahren nicht der Fall sein wird, darüber waren sich alle einig.

Vorangegangen war eine fast zweistündige Diskussion. Landrat Hans-Jürgen Ringgenberg (SVP) hatte Partei für die Landeigentümer ergriffen. Diesen habe man schon 1984 in Aussicht gestellt, ihr Land einzonen zu können. «Jetzt müssen wir ihnen zumindest signalisieren, dass die Einzonung nicht ganz vom Tisch ist. Das wäre fair.»

Umgekehrt wollte die «Überparteiliche Interessengemeinschaft Känelrain» sicherstellen, dass das Areal grün bleibt. Der schriftliche und kartografische Teil des Richtplans solle klar festhalten, dass sich das Gebiet ausserhalb des Siedlungsgebiets befinde. Sprecher Tycho Leifels erinnerte an die Volksabstimmung von 2006, als das Stimmvolk eine Einzonung klar ablehnte, und an das Rechtsgutachten des Gemeinderats von 2015, wonach der Känelrain kein Bauland sei. Doch der Vorstoss der IG hatte keine Chance.