Es war weder sonderlich ökonomisch noch ökologisch, dass Regierungsrat Thomas Weber den ganzen Journalistentross zu seiner 100-Tage-Medienkonferenz über Bergsträsschen auf die Muttenzer Sulzkopfhütte auf knapp 600 Meter Höhe lud.

Von hier oben hätte Weber eigentlich den Ausblick als Sinnbild für die Aufgaben seiner Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) präsentieren wollen: Wäre nicht der dichte Nebel gewesen, hätte man von der Hütte auf das Kantonsspital Bruderholz im Westen bis zum Industrieareal Schweizerhalle im Osten gesehen, im Vordergrund Wälder und Äcker.

Diplomatische Kritik an Zwick

Gesundheit, Wirtschaft und Landschaft sind nach Webers neuer Definition die drei «Cluster» seiner Direktion, die er in ihrer Zusammensetzung allerdings unangetastet wissen will: «Ich halte eine Neuaufteilung der Direktionen hin zu einer Sozialdirektion, wie es verschiedentlich kolportiert wurde, mittelfristig nicht für nötig.»

Stattdessen will Weber jetzt die Synergien in seinen Ämtern und Abteilungen nutzen. Vor allem die «grünen Kompetenzen» Landwirtschaft, Forst, Jagd, Naturschutz, Fischereiwesen und Kantonstierarzt sollen zusammengefasst werden.

Die alten Strukturen seien «historisch gewachsen», betonte Weber mehrmals und wollte das nicht gewertet wissen. Nach ganz diplomatischer Kritik an seinem Amtsvorgänger Peter Zwick klang es aber trotzdem: «Ich habe meine Kaderbeamten an einen Tisch gesetzt; und sie stellten zum ersten Mal fest, dass sie in ihrer Arbeit sehr viele ähnliche Dinge tun.»

Weil die drei Cluster seiner Direktion aber «Frachtschiffe, nicht Rennboote» seien, müssten Entscheide «langfristig und nachhaltig ausgerichtet» sein. Schnellschüsse könne sich die VGD nicht leisten. Entsprechend ist der Prozess der Neugliederung der VGD bis Ende 2015 geplant. Ziel der Umstrukturierung, die «Avenir VGD» getauft wurde, ist es, in jedem Cluster ein Kompetenzzentrum zu schaffen und langfristig Impulse zu setzen.

Direktion plant Wirtschaftsleitbild

Prioritäres Ziel für Weber ist es, wirksame Steuerungsmechanismen im Gesundheits- und Altersbereich zu erarbeiten: «Hier wurden zum Teil die falschen Anreize gesetzt.» Das Kantonsspital solle qualitativ und wirtschaftlich attraktiv bleiben, hoch spezialisierte Medizin aber weiterhin in Basel einkaufen. In diesem Sinne garantiert Weber auch die volle Patientenfreizügigkeit mit Basel ab 2014.

Im Bereich Volkswirtschaft betonte Weber vor allem die wichtige Rolle der Logistik. Die Region Basel sei die einzige in der Schweiz, die alle vier Verkehrsträger zur Verfügung habe. Die Rolle der VGD in der Wirtschaftsoffensive sieht Weber in der strategischen Planung: das Verhältnis von Wirtschaft zu Staat, die Zusammenarbeit mit Nachbarn und die Verbindung zum Bund. Mit den Partnern in Basel-Stadt will die VGD erstmals ein Wirtschaftsleitbild festlegen.

Weber bescheinigte sowohl seinen Kollegen im Regierungsrat wie auch seinen Mitarbeitern in der VGD, «konstruktiv, teamfähig und hoch motiviert» zu arbeiten. Dabei hält er seine Direktion für «sportlich schlank bis mager» besetzt. Doch der Chef will mit gutem Beispiel vorangehen: Als Gesundheitsdirektor müht sich Weber um ausreichend Sport und gesunde Ernährung.