Eigentlich wollte er beruhigen. Doch der Auftritt des Baselbieter Gesundheitsdirektors Thomas Weber am Dienstagabend in Liestal konnte die Wogen nicht glätten. Seit der Ankündigung, aus dem Bruderholzspital eine Tagesklinik für operative Eingriffe (TOP) zu machen, ist die Bevölkerung verunsichert. Keine Hilfe sind dabei die Abgänge von Chefärzten oder leitenden Ärzten, die teils offiziell, teils auf dem Latrinenweg an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Zwei Tage später nimmt Weber gegenüber der bz nun nochmals Stellung. Wirklich beruhigen dürften seine Worte aber auch dieses Mal nicht:

Herr Weber, wie gehen Sie damit um, dass die Abgänge am Bruderholzspital bereits jetzt einsetzen, wo doch der Standort noch mehrere Jahre in der heutigen Form weiterbetrieben werden soll?

Thomas Weber: Man darf nicht vergessen, dass viele der aktuellen Entwicklungen eher eine Folge der Fusion der drei KSBL-Standorte von 2012 sind. Die Konzentration von Disziplinen an jeweils einem Ort etwa ist noch im Gange. Das andere ist, dass das Bruderholzspital auch in Zukunft eine wichtige Funktion behalten wird. Es wird transformiert in die Tagesklinik für operative Eingriffe (TOP). Dieses Konzept wurde teilweise falsch verstanden und gewisse Mitarbeiter sehen sich nicht mehr darin.

Aber beunruhigen Sie diese Abgänge nicht?

Früher war es so, dass jemand, der am Kantonsspital eine Stelle antrat, dies quasi als Stelle auf Lebenszeit verstanden hat. Das ist heute anders. Personelle Wechsel gehören dazu. Ich frage mich schon, inwiefern jetzt alle über die Abgänge sprechen würden, wenn es sich um einen privaten Anbieter handeln würde. Dort gibt es auch Chefarzt-Kündigungen und doch ist es nie ein öffentliches Thema. Spitäler, die dem Kanton gehören, werden noch immer mit anderen Augen betrachtet, obwohl sie verselbstständigt wurden. Dabei ist doch letztlich das Entscheidende, dass die Baselbieter Bevölkerung weiterhin auf die Versorgungssicherheit zählen kann und die personellen Wechsel diese nicht gefährden.

Sind Sie überzeugt, dass die Abgänge auch adäquat ersetzt werden können, obwohl jeder weiss, dass die Zukunft am Standort Bruderholz unklar ist?

Es geht nicht nur ums Ersetzen, sondern auch ums Konzentrieren. Wir haben ein Überangebot an stationären Betten, das KSBL hat zu grosse Strukturen. Darum sucht man nun eine Konzentration und da ist es grundsätzlich auch richtig, dass die Spitalleitung und der Verwaltungsrat nicht alle Abgänge eins zu eins ersetzen. Sonst wären wir wieder beim Wettrüsten, das wir in der Region nicht mehr wollen.

Die jüngste Kündigung ist die von Jonas Rutishauser, Chefarzt für Innere Medizin. Er verlässt das KSBL im Frühling 2016. In einem Brief, den die «Basler Zeitung» publik machte und der auch der bz vorliegt, gibt er als Grund an, dass man ihm nicht sagen konnte, wie seine künftige Rolle als Spitalinternist am Bruderholz aussehen würde. Was hätte denn Herr Rutishauser anderes machen sollen, als zu kündigen?

Das Glas als halb voll ansehen statt als halb leer. Mit der Unsicherheit umgehen, die Veränderungen auch als Chance sehen. So soll ja in der Medizinischen Uniklinik von Herrn Rutishauser eine standortübergreifende Führungsstruktur etabliert werden. Dann braucht es nur noch einen Departementsleiter am ganzen KSBL. Ich kann nur sagen: Die Zukunft hat angefangen. Wenn ihr sie mitgestalten wollt, habt ihr jetzt die Chance dazu. Wenn ihr das Glas als halb leer ansieht oder sogar ganz leer und es selbst ausschüttet, dann macht ihr etwas falsch.

Hier reden wir über die Situation der leitenden Ärzte. Aber auch die KSBL-Mitarbeiter an der Basis sind verunsichert. Was raten Sie ihnen?

Ich bin überzeugt, dass normales Pflegepersonal sogar besser eine Stelle findet als Chefärzte, schliesslich besteht ein akuter Fachkräftemangel im Pflegebereich. Ausserdem wird ja niemand nach Dubai versetzt, sondern alles bewegt sich im Dreieck Liestal, Basel, Bruderholz. Da brauchen wir weiter Pflegekräfte oder Assistenzärzte, bloss vielleicht in einer anderen Klinik.

Hinter dem Bekenntnis, das bei der Präsentation der Spitalgruppe Ende Juni abgegeben wurde, dass für jeden Angestellten ein Platz im neuen Konstrukt gefunden wird, können Sie also weiterhin stehen?

Es wird auf keinen Fall wegen des Projektes zu einer Massenentlassung kommen. Individuell gibt es aber immer Gründe, weshalb man sich vielleicht von jemandem trennt. Abgesehen davon wird jeder eine Stelle finden.

Haben Sie denn mit so vielen Abgängen gerechnet, als Sie im Sommer Ihre Pläne präsentierten?

Überrascht bin ich eigentlich nicht. Aber ich habe das Gefühl, dass trotz allem alles ziemlich geordnet abläuft. Mit gewissen Bewegungen und Verunsicherungen musste man rechnen.

Rückblickend würden Sie also nichts anders machen?

Nein. Wenn wir die 3500 KSBL-Mitarbeiter oder auch die Gemeinden und die Bevölkerung zuerst einbezogen hätten, hätten wir Ausschläge in alle Richtungen gehabt und die Summe wäre null gewesen. Wir mussten beizeiten erst einmal unsere Idee vorstellen. Dabei betone ich: Die Tagesklinik auf dem Bruderholz ist noch nicht die definitive Lösung, sie zeigt bloss den möglichen Weg auf. Im Sommer 2016 werden wir dann Genaueres sagen können.

Ihre Botschaft an die Mitarbeiter auf dem Bruderholz ist also: Durchhalten bis nächsten Sommer?

Sie sollen Freude haben am Job, den sie hervorragend machen und ihn einfach weitermachen. Und sie sollen Zuversicht zeigen, dass sie auch in Zukunft in der Gesundheitsregion Nordwestschweiz einen Job haben werden.