Herr Jourdan, seit Monaten steht die Baugrube bereit. Doch statt mit Beton füllt sie sich mit Pflanzen und Abfällen. Der Bau der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) als Leuchtturm des Polyfelds verzögert sich bereits seit einem Jahr. Ärgert Sie das?

Thomi Jourdan: Anfang nächsten Jahres sollen die ersten Maschinen auffahren. Natürlich hätten die FHNW, der Kanton und auch wir als Gemeinde uns gewünscht, dass alles etwas schneller gegangen wäre. Aber der FHNW-Kubuk, wie das Hauptgebäude heisst, ist es wert, Geduld an den Tag zu legen: Er wird ein für die gesamte Region einzigartiges Gebäude.

Wie meistens zu Beginn eines Entwicklungsprozesses wirkt dieser auf die Bevölkerung eher abstrakt. Weshalb braucht denn dieses Gebiet zwischen Bahnhof Muttenz und Birsfelderstrasse eine spezielle Planung, die gegen aussen sogar unter einem eigenen Namen auftritt?

Es gibt drei grosse Treiber dahinter: der Neubau der FHNW, die Stärkung des Sek-II-Schulstandortes und die Sanierung der Deponie Feldreben. Dazu kommen die Interessen der Gemeinde, dem ganzen Areal ein neues Gesicht zu geben: weg vom schweren, logistikbezogenen Gewerbe, hin zu einem verdichteten, dienstleistungsorientierten Gewerbegebiet. Die drei Treiber geben uns die Chance, diese Transformation aktiv zu gestalten.

Welche Bedeutung hat das Areal der Deponie Feldreben für die Entwicklung des Polyfelds?

Die ganze Deponie macht über 15 Prozent der Gesamtfläche aus. Sie ist damit aufgrund der geplanten baulichen Nutzung nach der Sanierung auch aus Sicht der Polyfeldplanung ein Schlüsselgebiet.

Die Entwicklungen im Gebiet werden für Mehrverkehr sorgen. Wie entgegnen Sie diesem – gerade in der schon jetzt viel befahrenen Hofackerstrasse?

Der Verkehr war zu jedem Zeitpunkt der Planung und der öffentlichen Mitwirkung ein wichtiges Thema. Zum einen geht es darum, den Gewerbetreibenden den notwendigen Lieferverkehr zu ermöglichen. Zum anderen sollen die mehreren tausend Studenten und Schüler, die Wohnbevölkerung und die Mitarbeiter der Unternehmen eine attraktive Verkehrserschliessung für Velofahrer und Fussgänger und exzellente öV-Verbindungen nutzen können. Der Transit-Schwerverkehr soll hingegen durch geeignete Massnahmen aus dem Polyfeld verdrängt werden. Wir konnten im Rahmen der Planung aufzeigen, dass das Polyfeld eine Verbesserung zum heutigen Zustand bringt. Dies haben auch die Grundeigentümer zur Kenntnis genommen.

Ein wichtiger Baustein des Polyfelds ist das Wohnen. Wie laufen in diesem Bereich die Planungen und welche Rolle spielt die Werner Sutter AG, die das Siedlungsgebiet in Muttenz stark prägt?

Jeder Investor im Polyfeld ist entscheidend. Entsprechend gestalten wir die Zusammenarbeit aktiv und, ich meine sagen zu dürfen, positiv. Im Bereich des Wohnens wird der erste Baustein von der Werner Sutter AG zusammen mit Rosenmund + Rieder aus Liestal mit Wohnhäusern an der Birsfelderstrasse gelegt; die Bauarbeiten haben bereits begonnen. Die Bauten unterstreichen die Strategie im Polyfeld: An die Strasse angrenzende Gebäude enthalten im Erdgeschoss öffentliche Nutzungen mit Läden und stärken so im Falle der Lutzertkreuzung das bestehende Subzentrum. Exemplarisch ist auch der Umgang mit der Mehrnutzung: Als Kompensation hierfür erstellt die Werner Sutter AG auf eigene Kosten einen öffentlich zugänglichen Park, was wiederum die Aufenthaltsqualität verbessert und damit dem Quartier, der Bevölkerung, den Grundeigentümern und den Investoren einen Mehrnutzen stiftet.

Sind Sie zufrieden, wie es im Polyfeld generell vorwärtsgeht?

Das Tempo der Entwicklung erleben wir positiv. Vor kurzem wurden die Masse für ein weiteres Gebäude an der Birsfelderstrasse mit 30 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche ausgesteckt. Unsere solide Grundplanung ermöglicht es uns, den Grundeigentümern und Investoren ein klares Bild über die gewünschte Entwicklung zu vermitteln und rasch zu reagieren. Die Planung funktioniert: Die bisherigen Projekte beinhalten alle pragmatisch die zentralen Eckwerte der Polyfeldplanung. Ich bin überzeugt, dass in 15 Jahren die vielen kleinen Puzzleteile das Polyfeld als attraktives Gesamtbild erscheinen lassen.