Thomi Jourdan, jetzt sind zwei Wochen seit dem Steinwurf-Anschlag auf Ihr Haus und Ihrem daraus resultierenden Time-out im Muttenzer Gemeinderat vergangen. Haben Sie sich schon entschieden, wie es mit Ihrer politischen Karriere weiter geht?
Thomi Jourdan: Ich habe viel über die Situation nachgedacht und durfte wertvolle Gespräche mit meiner Familie und Freunden führen. Ich habe festgestellt, dass die Leidenschaft und die Begeisterung für dieses Amt weiterhin vorhanden sind und ich mich weiterhin für die Gemeinde Muttenz engagieren will. Zudem weiss ich, dass ich die volle Unterstützung meiner Familie hierfür habe.

Werden Sie sich im Februar 2016 zur Wiederwahl stellen?
Ja.

Sie konnten doch gar nicht anders entscheiden, sonst wären Sie in der Öffentlichkeit endgültig als hoffnungsloses Weich-Ei dagestanden!
Vielleicht. Ich weiss es nicht. Ich weiss aber, dass es für mich ein Problem ist, wenn ein zwei Fäuste grosser Stein in mein Haus geschmissen, meine Frau beinahe getroffen wird und die Täterschaft in Kauf genommen hat, dass wenn eines meiner Kinder um die Ecke gekommen wäre, es ganz schlimm hätte enden können. Deshalb habe ich mir die Freiheit genommen, meine Zukunft ganz persönlich zu planen. Auch ein Nicht-Antreten zu den Wahlen war eine Option. Denn letztlich bin ich lieber für einige Menschen ein «hoffnungsloses Weich-Ei» als ein Vater, der Bedrohungen gegenüber seinen Kindern nicht ernst nimmt.

In einem Gastkommentar in der «Basler Zeitung» wurden Sie scharf angegriffen. Baselland habe Glück gehabt, dass Sie 2012 nicht zum Regierungsrat gewählt wurden. Fehlt Ihnen im Grunde das Rückgrat für ein politisches Amt?
Offenbar erwartet der Kommentator, dass wer sich verunsichern lässt oder Sorgen um seine Familie macht, in der Politik nichts zu suchen und sich von dort zu verabschieden hat. Nun, es steht dem «BaZ»-Gastkommentator frei, seine Meinung zu haben. Ich für mich weiss, dass es für mich das Leichteste gewesen wäre – und es meinem grundsätzlichen Charakter entsprochen hätte –, einfach weiter zu machen, den Starken zu markieren, der trotz eines solchen Vorfalles unbeirrt an seinem Mandat festhält. Ich wollte gegenüber mir selbst und meiner Familie jedoch nicht einfach so tun, als wäre nichts gewesen.

Neben Ihrer eigenen Haltung wurde auch der Muttenzer Gemeinderat für sein Zurückkrebsen beim Bau der umstrittenen Mobilfunkantenne angegriffen. Das sei eine Kapitulation vor der Gewalt gewesen und der Bankrott der Demokratie. Künftig könne Politik per Steinwurf gemacht werden. Halten Sie diesen Entscheid immer noch für richtig?
Die Frage kann ich nachvollziehen. Meine Gegenfrage ist: Darf es einen Punkt geben, wo eine Behörde einen eigenen Entscheid als weniger wichtig einstufen kann als die Sicherheit und Integrität ihrer Mitglieder? Wann soll das sein? Bei Sachbeschädigung? Bei einem Brandsatz? Oder wenn Menschen zu Schaden kommen? Der Gemeinderat wollte ein Zeichen setzen, dass er nicht bereit ist, die persönliche Integrität und den Schutz von Gemeinderatsmitgliedern und deren Familien für Behördenentscheide aufs Spiel zu setzen.

Aber halten Sie den Entscheid nach wie vor für richtig?
Der Gemeinderat ist eine Kollegialitätsbehörde, und wir stehen gemeinsam hinter diesem Entscheid. Jetzt gilt es, die Konsequenzen daraus zu bearbeiten und Lehren daraus zu ziehen. Dazu gehört die Erkenntnis, dass wir uns in diesem Fall für die Kommunikation mehr Zeit hätten nehmen müssen.

Das vollständige Interview lesen Sie in der heutigen bz.