Caroline Bohler besucht keine älteren Leute, die Unterstützung brauchen. Caroline Bohler besucht Katzen, Hunde, Pferde, Wellensittiche und manchmal sogar das eine oder andere Alpaka. Vor drei Jahren gründete die 32-jährige Baselbieterin die Tierspitex. Die erste und einzige ihrer Art in der Schweiz. «Ich wollte etwas Eigenes machen», sagt sie, auf dem Weg zu ihrem nächsten Termin. Etwas Eigenes, das recht gross ist und viel Zeit in Anspruch nimmt.

Die Tierspitex von Lampenberg ist rund um die Uhr für ihre Patienten da. Momentan übernimmt Bohler das Pikett jede Nacht; das Geld, um jemanden dafür richtig zu entschädigen, fehlt. Das Angebot der Tierspitex: Betreuung bei Abwesenheit oder Unpässlichkeit der Besitzer und Besitzerinnen, medizinische Behandlung, Transport- und Lieferservice, sogar Kleintierphysiotherapie. Pro Stunde kostet die Tierspitex 60 Franken.

Bohler und ihre Kollegin Sabrina Strub, die beide gelernte Tierarztgehilfinnen sind, bieten zusätzlich Aushilfe an. «In den Tierarztpraxen fallen oft Gehilfinnen aus.» Das sei schon ein Problem gewesen, als die beiden noch in einer Praxis arbeiteten. Dort kam Bohler die Idee, eine Spitex nur für Tiere zu gründen. «Viele Kunden kamen zu uns und fragten, ob wir ihnen nicht helfen könnten. Oder ob wir nicht auch einen Service zu Hause anbieten würden.» Bis die Firma stand, habe sie viele schlaflose Nächte gehabt. Denn eigentlich sei sie gar nicht so sehr der Typ, der sich auf unbekannten Boden wagt. Sie brauche Sicherheit.

Trotzdem hat Bohler den Schritt vollzogen. Warum? «Die Arbeit mit den Tieren macht mir einfach Spass.» Es sei jedoch nicht damit getan, dass man «gärn Tierli strichlet». Da gehöre schon mehr dazu. Das wird schnell klar, als Bohler und Strub bei ihrem Termin ankommen: Eine Katze mit Schilddrüsenunterfunktion, der Blut abgenommen werden muss. Nachdem das Büsi, einen Namen hat es nicht, aufgetaucht ist, wird nicht lange gezögert. Die Frauen packen das Tier, setzen es auf einen Tisch, stecken die Nadel ins Pfötchen und nehmen das Blut ab.

Die Frage, ob eine Spitex nicht etwas sehr Menschliches ist, wird hier beantwortet: im Fall von Bohlers Tierspitex nicht. Den Behälter mit dem Blut bringen die beiden Frauen später zum behandelnden Tierarzt, der die Werte untersuchen wird. Bohler ist wichtig, zu betonen: «Wir ersetzen den Tierarzt nicht.» Sie dürfen keine Medikamente verschreiben oder Operationen durchführen.

Sie lässt sich nicht abbringen

Das Geschäftsauto der Tierspitex ist ein Jeep. Bohler sieht in dem grossen Auto etwas verloren aus. Wenn sie anfängt zu sprechen, wird klar, dass sie dies ganz und gar nicht ist. Sie scheint klare Vorstellungen zu haben, von denen sie sich nicht so leicht abbringen lässt. Nach der Lehre zur Tierarztgehilfin machte sie eine Ausbildung als Sporttherapeutin. Dann war sie in Kanada und hat anschliessend in der Hypotherapie gearbeitet. Die Arbeit sei zwar schön gewesen, habe sie jedoch auf lange Zeit gesehen geistig unterfordert. Daher habe sich eine neue Herausforderung, fast schon aufgedrängt.

Also absolvierte sie eine weitere Ausbildung zur Visagistin, weil sie das auch schon immer interessiert hatte. Irgendwann beschloss sie, ihren Jugendtraum zu verwirklichen. «Ich musste lernen, das zu tun, was ich will und nicht auf andere zu hören.» Sie liess sich zur Landwirtin ausbilden – etwas, das ihr früher alle ausgeredet haben – und pachtete einen kleinen Hof in Lampenberg. Dort lebt sie heute noch mit ihrem Hund, ihrem Pferd, Alpakas, zwei Ponys, zwei Schafen, zwei Katzen und manchmal noch weiteren Tieren, die zu ihr in die Ferien kommen.

Ihr Freund ist die meiste Zeit auf dem Hof und unterstützt Bohler. Mit 32 hat sie sechs Angestellte: Strub, eine Tierpflegerin, zwei Frauen, die viel Erfahrung im Umgang mit Tieren haben, eine Kleintierphysiotherapeutin und eine Homöopathin. «Es ist schön, dass ich Frauen eine Abwechslung ermöglichen kann, die beispielsweise Mutter sind und nicht mehr zu hundert Prozent arbeiten möchten», sagt Bohler stolz. Bei der Tierspitex geht es also nicht nur um die Tiere, sondern vor allem auch um die Menschen.