Wenn ein fingierter Brand für eine Feuerwehrübung auf einem Bauernhof für echt gehalten wird, lässt sich das Missverständnis schnell aufklären.

Fingieren kantonaler Zivilschutz und das Militär jedoch einen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) auf einem Hof, könnte das für den Ruf des Bauerns böse Nachwirkungen haben, sollte ein Unwissender die Übung für echt halten.

Doch davor hatten die beiden Zeglinger Christian und Irene Gosteli keine Angst, als sie sich bereiterklärten, ihren Hof für die gestrige Katastrophenübung bereitzustellen.

«Die Nachbarn wissen bescheid; und auch alle Landwirte im Dorf wurden informiert», sagt Christian Gosteli. Und Irene Gosteli ergänzt: «Es ist auch für uns selbst interessant, was im Ernstfall einer Maul- und Klauenseuche passieren würde.»

Tierseuchen bleiben Realität

Der Ernstfall ist in der Schweiz zum Glück seit dreissig Jahren nicht mehr eingetreten (siehe Box); die erste gemeinsame Übung von Zivilschutz und Militär hält Mike Hässig, Tierarzt an der Universität Zürich und Oberst im Veterinärdienst der Armee, dennoch für extrem wichtig: «Die MKS ist weder Mittelalter noch weit weg.» Sie gehöre noch immer zu den vier gefährlichsten Tierseuchen und sei keineswegs ausgestorben.

Jederzeit könne jemand den Virus aus Asien, Afrika oder Südamerika einschleppen. Der grosse MKS-Fall 2001 in England habe einen geschätzten volkswirtschaftlichen Schaden von 70 bis 100 Milliarden Euro verursacht.

Deshalb wurden in den vergangenen Tagen zwei Höfe in Zeglingen und einer in Lupsingen übungshalber zum Quarantänegebiet erklärt. «Das läuft jetzt aber nicht wie in Hollywood», erklärt Hässig: «Es kommt keine hübsche Epidemiologin und findet nach wenigen Stunden ein Gegenmittel.» Für die MKS gebe es kein Gegenmittel. Auch sei bei der Seuchenbekämpfung in der Realität kein Hightech gefragt sondern reine Manneskraft.

So waren gestern in Zeglingen den ganzen Tag tatsächlich 100 Mann vom Kantonalen Krisenstab und Zivilschutz auf den Beinen: Die Ställe auf beiden Höfen wurden komplett ausgemistet und mit rund 25 000 Litern gelöstem Desinfektionsmittel gesäubert; der Mist würde im Ernstfall mit Stroh und Kalkmilch verdünnt verscharrt. Auch die mobile Tötungsstation, die die Tiere im Ernstfall betäuben und durch künstliches Herzflimmern töten würde, war am Morgen vorgefahren. Die insgesamt 35 Milchkühe waren bei der Übung aber natürlich verschont geblieben und beobachteten die Männer in ABC-Schutzanzügen und Gasmasken mehr oder weniger interessiert von ihrer Weide aus.

Übung als selbstkritische Analyse

Die Schutzkleidung sei nur notwendig wegen des ätzenden Desinfektionsmittels Virkon S, erklärt Kantonstierarzt Ignaz Bloch. Die MKS selbst sei für Menschen ungefährlich. Im Ernstfall dürften die Bewohner den Hof während vier Wochen jedoch nur nach vorheriger Dekontamination verlassen; die Ställe dürften für ebenfalls vier Wochen nach der Säuberung, die 10 bis 14 Tage dauerte, nicht verwendet werden.

Auf dem dritten, wesentlich grösseren Hof in Lupsingen mit 115 Tieren übte derweil die Armee die Desinfektionen unter realistischeren Bedingungen seit vergangenem Donnerstag. Doch auch in Zeglingen, wo schwerpunktmässig der Zivilschutz übt, ist Schadensplatzkommandant Daniel Goepfert am Nachmittag «sehr zufrieden». Trotz der engen Platzverhältnisse zwischen den beiden Nachbarhöfen (Im Ernstfall gäbe es jedoch eine Drei-Kilometer-Quarantänezone um den Seuchenherd.) hätten die Männer die Übung gut gemeistert: «Am Anfang fehlten ein paar Dinge; aber die haben wir ganz schnell organisiert.»

Eine Grossübung wie diese mit Kosten von rund 50 000 Franken sei vor allem als selbstkritische Analyse da, um Defizite aufzuzeigen und zu beseitigen, betont Bloch. Insofern dürfte der Kantonstierarzt gespannt sein auf das Urteil der Schiedsrichter, Fachleute aus anderen Kantonen, die die Arbeit der Baselbieter Zivilschützer auf Schritt und Tritt beobachteten.