Die Grünen Liestal geben nicht auf: Gestern überreichten sie Stadtverwalter Benedikt Minzer eine Ortbusinitiative für die Quartiere Sichtern und Langhag/Hanro. 613 Liestaler haben das Begehren unterschrieben, das zumindest eine Pilotphase mit einem kinderwagen- und rollstuhlgängigen Kleinbus fordert, der in einem Taktfahrplan verkehren soll. Mitinitiantin Landrätin Marie-Theres Beeler präzisierte, dass die Pilotphase mindestens ein Jahr lang laufen soll, um dann eine definitive Einführung zu prüfen.

Den Initianten geht es darum, die beiden teils recht steilen Quartiere auch für autolose Zeitgenossen attraktiver zu machen, sie gleichzeitig vom Autoverkehr zu entlasten und damit auch sicherer zu machen. Und Einwohnerratspräsidentin Meret Franke ergänzte: «Ziel ist auch, dass die Bewohner der beiden Quartiere per Bus ins Zentrum von Liestal fahren, statt per Auto in den Centren der umliegenden Orte einkaufen.» Unterschrieben worden sei die Initiative vor allem von über 40-Jährigen und das über alle Parteigrenzen, sagte die lokale Grünen-Co-Präsidentin Erika Eichenberger.

Bereits vor drei Jahren versuchten es die Grünen mit einem Postulat im Einwohnerrat. Doch ihr Begehren scheiterte an den Kosten. Das Ingenieurbüro Rudolf Keller & Partner, das 2014 ein Sammelsurium von parlamentarischen Verkehrsvorstössen in Liestal abklärte, kam zum Schluss, dass ein Ortsbus in den bisher nicht erschlossenen Quartieren jährliche Kosten in der Grössenordnung von 350‘000 Franken verursache. Und weil die Siedlungsdichte relativ gering ist, würde sich der Kanton nicht an den Kosten beteiligen, womit sie die Stadt Liestal alleine tragen müsste.

Für den Stadtrat war damit das Kosten-Nutzenverhältnis nicht gegeben und er empfahl die Option Ortsbus nicht mehr weiterzuverfolgen. Eine Einschätzung, die der Einwohnerrat teilte. Süffisant ist in diesem Zusammenhang ein offensichtlich bestehender Generationenkonflikt: Zu den Initiantinnen gehören Anna Ott, Meret Franke Kaufmann und Lisette Kaufmann, die Töchter des Stadtpräsidenten Lukas Ott und seines Vize Franz Kaufmann.

Dass die Einreichung einer Gemeindeinitiative auch in einem politisch bewegten Ort wie Liestal ein seltenes Ereignis ist, zeigte sich an der Übergabe. «Was erwartet Ihr von mir?», fragte der Stadtverwalter, als das kleine Grüppchen von Grünen mit einer Schachtel mit den Unterschriften vor der Rathaustüre stand. Für Minzer, immerhin schon im sechsten Jahr im Amt in Liestal, war es auf jeden Fall eine Premiere.