Hat das Baselbiet bisher im Stroh geschlafen? Diese Frage drängte sich gestern im Bettenhaus an der Liestaler Rathausstrasse auf. Oder korrekter: im ehemaligen Bettenhaus. Denn dieser Ausstatter für alles, was mit Schlafen zu tun hat, musste sein Geschäft Anfang Januar wegen Konkurses schliessen. Das kantonale Betreibungs- und Konkursamt bringt nun direkt im Bettenhaus alles zu Dumpingpreisen an den Mann und die Frau, was verwertbar ist. Am Dienstag war der erste dieser «Lagerverkäufe», am Freitag folgt der zweite. Dabei zeigte sich: So ein Lagerverkauf ist ein mittleres Volksfest mit lauter zufriedenen Gesichtern wegen der 60 Prozent unter dem Normalpreis erhaschten Beute.

Alles muss raus: Das Bettenhaus in Liestal schliesst seine Tore

Am Dienstagmorgen herrschte im Liestaler Bettenhaus grosser Andrang.

Der Ansturm war so gross, dass Berardino Barbati die Ladentüre schon eine Viertelstunde vor dem offiziellen Beginn um zehn Uhr öffnen musste, «weil sonst die Leute bis zum Törli angestanden wären». Dazu muss man wissen, dass Barbati als Leiter des Verwertungsdienstes sozusagen einen professionellen Hang zu Übertreibungen hat. Denn er ist jener Mann, der an Auktionen alles Verwertbare vom Velo über den Sportwagen bis zur Liegenschaft, was in diesem Kanton beschlagnahmt oder gefunden wurde oder in einer Konkursmasse landet, charmant, gewitzt und wortgewaltig wieder in den Wirtschaftskreislauf bringt. Aber Barbati hatte insofern recht, dass das Bettenhaus innerhalb von Minuten so gestossen voll war wie wahrscheinlich zu seinen Vorkonkurszeiten nie.

Landräte auf beiden Seiten

Was sich da alles im grosszügigen Ladenlokal drängte, gab einen guten Querschnitt durch die regionale Bevölkerung. Da war etwa der Landrat mit seiner Frau, der seinen Namen «keinesfalls» in der Zeitung lesen will. Er schleppte sechs Duvets von «hoher Qualität» zur Neuausstattung seines Ferienhauses an die Kasse von Barbati. Dieser, geschäftstüchtig wie immer, gab «Mengenrabatt», das heisst die Duvets für 2280 statt 2290 Franken. Der Landrat, gut gelaunt wie alle an der Kasse, scherzte, dass das auch ein Beitrag an die Kantonsfinanzen sei, weil ja entsorgt werden müsse, was nicht verkauft werde. Wer bei jedem Akt an die Kantonsfinanzen denkt, macht auch einen Hinweis auf seine Parteiprovenienz. Doch nicht mehr dazu, wir haben Anonymität zugesichert.

Da stand auch der Rentner aus Bottmingen mit «Tempur»-Kissen an der Kasse, die sich in der ersten Öffnungsstunde als wahre Renner erwiesen. Er schlafe schon seit Jahrzehnten «sehr gut» auf diesen Kopfunterlagen. Ein italienisches Trio aus Basel kämpfte mit dem Lift, um die zwei Bettgestelle und Matratzen darin unterbringen zu können, eine Mutter mit Baby in der Tragtasche klemmte sich mit Mühe und Not Duvets und Bettwäsche unter die Arme, Grosseltern aus Ormalingen nutzten die Chance für den Kauf eines günstigen Bettes für ihren Enkel, eine Geschäftsfrau aus Liestal ergatterte ein Duvet für ihren kurzfristig angemeldeten Besuch aus Amerika und so weiter und so fort.

Und durch alles wuselte Reto Tschudin mit bemerkenswerter Geduld und Freundlichkeit. Der Leiter des kantonalen Betreibungs- und Konkursamtes und SVP-Landrat beriet hier, verhandelte dort um eh schon ermässigte Preise, half beim Verpacken oder unterstützte Barbati an der Kasse, als wäre er in seinem Alltagsleben auf einem nordafrikanischen Basar tätig. Tschudin aber sagte: «So etwas mache ich zum ersten Mal. Ich habe die Abwicklung dieses Konkurses blauäugig übernommen, weil wir seit Anfang Jahr extrem viele Verfahren haben.»

Auch Tschudin staunte über den Ansturm, den er mitausgelöst hat. Denn er setzte mit dem 60-prozentigen Rabatt die Verkaufspreise fest. Insgesamt hat er das Warenlager des Bettenhauses auf 120 000 Franken veranschlagt. Für jene, die den gestrigen Tag verpasst haben, hat es also auch am Freitag noch einiges auf Halde.