Die Situation in Gelterkinden ist verfahren: Die Anwohner der Turnhallenstrasse, des Balkenwegs und der Strehlgasse im Dorfkern fühlen sich vom Gemeinderat im Stich gelassen; dieser verwahrt sich mit Vehemenz dagegen, er tue nichts in dieser Angelegenheit. Seit die Begegnungszone in der Baselbieterstube und Bohnygasse im vergangenen Herbst eingerichtet wurde, beklagen die Anwohner viel Ausweichverkehr in ihren Strassen, der vor allem die Kinder auf deren Schulweg in der Turnhallenstrasse gefährde.

Nach der Gemeindeversammlung im Dezember kam das Thema in der Versammlung am Mittwoch erneut zur Sprache. Die Frustration war beiden Seiten deutlich anzumerken. «Es ist tragisch! Sie nehmen nicht zur Kenntnis, was passiert», meinte einer der Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will: «Es geht gar nicht, dass Sie sagen, die paar Schnäuz in diesen Strassen sollen sich nicht so anstellen.

Ich erwarte massiv mehr von meinem Gemeinderat.» Der Vorwurf war an Gemeindepräsidentin Christine Mangold gerichtet, die zuvor die Massnahmen des Gemeinderats erläutert hatte: Die Begegnungszone und ihre Auswirkungen auf das Umfeld würden ein Jahr lang beobachtet und die Ergebnisse von Experten ausgewertet; dafür diesen obligatorischen Bericht zahle die Gemeinde 13 000 Franken.

Ausserdem sei im Frühjahr 2018 zusammen mit der EBL eine Sanierung der betreffenden Strassen geplant, bei der über verkehrsberuhigende Massnahmen nachgedacht werde.

Tempo 30 gefordert

Viel zu wenig für die Anwohner, die mehrfach von Autos und Lastwagen berichteten, die viel zu schnell unterwegs sind, auf die Trottoirs ausweichen müssen und beinahe ihre Kinder umfahren. Aber auch der Forderung nach Tempo 30 musste Mangold eine Absage erteilen: «So etwas geht nicht von heute auf morgen.»

Sie bat mehrfach um Verständnis, dass der Gemeinderat nicht kurzfristig Entscheidungen für diese Strassen treffen könne: Er brauche dazu entsprechende Unterlagen wie den erwarteten Bericht.

«Diese Strassen sind toxisch; da braucht es Sofortmassnahmen», meinte ein weiterer Anwohner und forderte: «Beziehen Sie die Betroffenen mit ein!» Karin Eglin, eine der Initiantinnen des Protests, bedauerte, dass trotz ihren Bitten kein Runder Tisch mit dem Gemeinderat zustande gekommen sei.

Ohne Ergebnis beendet

Mangold wehrte sich mehrfach gegen die Behauptung, der Gemeinderat tue nichts; die Massnahmen seien auf den Weg gebracht. Die zeitweise spürbar um Beherrschung ringende Gemeindepräsidentin ging allerdings nicht auf die Forderung nach einem Ortstermin ein. Der bz gegenüber sagte der zuständige Gemeinderat Felix Jehle jedoch nach der Versammlung, dass er sich bereits zweimal mit den Anwohnern getroffen habe und das auch in Zukunft tun werde.

Einen Blitzer in den betroffenen Strassen könne nur die Kantonspolizei aufstellen; allerdings habe die Gemeinde auch noch nicht darum gebeten. Die Diskussion wurde nach einer guten halben Stunde ergebnislos beendet, als Versammlungsteilnehmer ein Ende forderten. Ein Beschluss war laut Mangold nicht möglich: Der Kanton habe bestätigt, dass die Gemeindeversammlung dafür keine Kompetenz habe.