In erster Linie ist es eine tragische Familiengeschichte, die mit dem Hofgut Humbel oberhalb Langenbrucks verbunden ist: Daniel Arn, der 1954 auf dem Hof geboren war, verstarb diesen Mai nach langer Krankheit. Seit der Kanton Baselland das Grundstück mitsamt dem Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert und dem Herrschaftshaus von 1936 Anfang der 1980er-Jahre der Familie abgekauft hatte, um ihr finanziell zu helfen, war Arn der Pächter gewesen. Er war es auch, der die Gelegenheit nutzen wollte, als der Kanton 2013 das Hofgut wieder verkaufen wollte. So hätte es wieder in Familienbesitz zurückkehren können (bz berichtete).

Tatsächlich stimmte der Regierungsrat dem Verkauf an Arn Ende November 2014 in einer offiziellen Mitteilung zu. Doch wie Recherchen der bz nun ergeben, wurde dieser Verkauf nie umgesetzt. Dafür sorgte noch vor dem Tode Daniel Arns ein anderer Schicksalsschlag in der Familie: Arns Sohn, der den Hof später einmal hätte übernehmen sollen, hatte einen tödlichen Unfall. Die weiteren Nachkommen hingegen können den Humbel nicht weiterführen und haben den Vertrag mit dem Kanton mittlerweile gekündigt. Dies bestätigt Andreas Bhend, Leiter Immobilienverkehr beim Baselbieter Hochbauamt, auf Anfrage.

Verkaufsziel ist Ende Jahr

Wie also weiter? Der Kanton möchte das Hofgut nach wie vor verkaufen – auch, um am Ende nicht doch selbst die längst fälligen Investitionen in die in die Jahre gekommenen Gebäude übernehmen zu müssen. Das Glück für den Kanton ist, dass Hof und Herrschaftshaus begehrt sind. Bhend spricht von rund zehn Interessenten, die sich bereits gemeldet hätten. Er sagt aber auch: «Das bäuerliche Bodenrecht ist extrem reguliert und setzt uns klare Grenzen, wer als Käufer überhaupt infrage kommt.»

Deshalb treffen sich die Verantwortlichen des Hochbauamts Anfang August mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain und dem Amt für Wald beider Basel, die beide einem Verkauf zustimmen müssen. Dann soll ein eigentliches Konzept mit den zahlreichen Auflagen erarbeitet werden, um den passenden Käufer zu finden. Zusätzlich wird der Wert des Hofguts neu geschätzt, da die Interessenten auf dem freien Markt nun im Gegensatz zum Pächter keinen Vorzugspreis mehr erhalten. Geht es nach Bhend, soll der Verkauf bis Ende Jahr unter Dach und Fach sein.

Die wichtigste Auflage gibt der Bund vor: Der Käufer muss ein Selbstbewirtschafter, also ein aktiver Landwirt sein. Wer die bisherigen Interessenten sind, möchte Bhend nicht verraten. Die bz weiss allerdings bereits von deren zwei: der Pächter des zum Kloster Schönthal gehörenden Hofguts, Martin Ott, sowie Jeremias Hitz, der Pächter des direkten Nachbarhofs des Humbel, dem Hofgut Holznacht.

Zwei Bauern, zwei Philosophien

«Wir würden das Hofgut Humbel sehr gerne kaufen», sagt Ott auf Anfrage, nur um sogleich einzuschränken: «Wenn aber Jeremias Hitz will, lassen wir ihm den Vortritt. Wir wollen keinen jungen Bauer wegdrücken.» Dies habe man auch schon untereinander so abgesprochen. Am liebsten hätte Ott, einer der bekanntesten Demeter-Bauern der Schweiz, den Humbel mit Hitz zusammen übernommen. Doch daraus werde wohl nichts. Weiter ins Detail möchte Ott nicht gehen.

Darauf angesprochen, hält Hitz hingegen klar fest: «Mit der Philosophie der biodynamischen Landwirtschaft von Martin Ott kann ich nichts anfangen.» Er selbst betreibe konventionelle Landwirtschaft, wie sie auch Daniel Arn vertreten hat. «Ich kannte Daniel gut und half auch schon im Winter auf seinem Hof aus.» Dessen Tod sei denn auch noch zu nah, als dass sich Hitz bereits zur Zukunft des Hofguts Humbel äussern möchte. Sein generelles Interesse verschweigt er aber nicht: «Man wäre blöd, wenn man so eine Chance als Bauer nicht nutzen wollte.» Hitz sieht für die Zukunft seiner Zunft eher schwarz, wenn er sagt: «Die Kleinen gehen ein und die Grossen werden grösser.» Als kleiner Betrieb zu wachsen, sei daher wichtig.

Ott und Hitz: zwei Landwirte mit zwei völlig unterschiedlichen Überzeugungen. Entscheiden wird am Ende der Kanton. Bhend betont dabei: «Noch gibt es unter den zehn Interessenten keinen Favoriten.»