Manch einem mag es auf der Zunge liegen, dieses Jahr erneut von einem «Jahrhundertsommer» zu sprechen, obwohl die meteorologischen Daten von 2003 lange nicht erreicht wurden. Das gilt genauso für die Besucherzahlen der Gartenbäder in beiden Basel: Vom Rekord von damals 800 000 Besuchern sind die drei Basler Bäder St. Jakob, Eglisee und Bachgraben mit 416 000 Eintritten weit entfernt – eine sehr gute Saison war es 2018 aber allemal.

«Ich würde mir jedes Jahr einen solchen Sommer wünschen», sagt Peter Portmann, stellvertretender Leiter der Schwimmbäder im Basler Sportamt und Betriebsleiter der Badi Bachgraben. Ob die Altweibersommer in Zukunft weiterhin so lange heiss bleiben werden, sieht Portmann skeptisch: «Meiner Erfahrung nach folgt auf ein heisses Jahr immer ein total schlechter Sommer.» Einen echten Jahrhundertsommer wie 2003 werde es jedenfalls so schnell nicht mehr geben: «Damals fiel die Hitzewelle auch genau in die richtige Zeit zu Beginn der Hauptsaison.» Im Vergleich zu den Vorjahren (2017: 350 000 Besucher, 2016: 375 000, 2015: 447 000, 2014: 285 000) muss man allerdings beachten, dass die Badi Bachgraben dieses Jahr erst am 16. Juni eröffnete: Bis dann waren die Folien von zwei Becken und alle Zu- und Ableitungen mit Beckenwasser erneuert worden.

Die Bäder Eglisee und Bachgraben sind bereits seit dem 9. September geschlossen, weil dort für das Winterhalbjahr Kunsteisbahn und Schwimmhalle beziehungsweise Golfplatz eingerichtet werden. Auch das Familienbad im «Joggeli» hat bereits seit einer Woche zu. Das beheizte Sportbad bleibt aber traditionell zwei Wochen länger geöffnet, dieses Jahr bis zum 23. September. Von Aufregerthemen blieben die Basler Gartenbäder dieses Jahr laut Portmann verschont. Die Lage im Frauenbad im Eglisee habe sich «sehr entschärft», nachdem nur noch Kinder im Babyalter zugelassen würden. Allerdings stellte Portmann fest, dass die Hitze vielen Freibadbesuchern offensichtlich zu Kopf gestiegen sei: «Die Leute hatten eine kürzere Zündschnur; und wir mussten öfter schlichten als üblich.» Das sei bei 35 Grad im Schatten auch für die Mitarbeiter besonders anstrengend gewesen.

Liestal ist die grosse Ausnahme

Die Freibäder im Baselbiet, die fast alle kommunale Einrichtungen sind, schliessen bereits an diesem Wochenende. Pratteln macht am heutigen Freitag zu, Laufen am Samstag und Arlesheim am Sonntag. Die grosse Ausnahme ist Liestal, wo das «Gitterli» zwar kommunal unterstützt wird aber als AG organisiert ist. Hier hat Geschäftsführerin Ines Camprubi spontan entschieden, die Öffnungszeit bis zum 21. September zu verlängern. Lediglich am 16. September ist das gesamte Bad geschlossen. Planungsgemäss schliesst das «Gitterli» laut Camprubi am ersten Septemberwochenende: «Wir sind aber immer flexibel und hängen noch eine Woche dran.» So lange wie dieses Jahr sei das Freibad aber noch nie offen gewesen. Das Hallenbad des «Gitterli» ist prinzipiell ganzjährig offen, war heuer aber acht Wochen wegen Renovierung geschlossen.

Im Gartenbad beim Schloss Bottmingen, das am Sonntag schliesst, wäre eine Verlängerung gar nicht möglich gewesen: Der Betrieb ist laut dessen Leiter Thomas Salathé abhängig von Saisonkräften, die bereits wieder neue Arbeitsverträge für die Wintersaison hätten. Salathé schätzt 120 000 bis 130 000 Besucher dieses Jahr. In Bottmingen hat traditionsgemäss das Hallenbad parallel seit dem 1. September geöffnet.

Eine ebenfalls «sehr gute Saison» mit ähnlich vielen Besuchern wie Bottmingen verzeichnet Betriebsleiter Markus Hänggi im Gartenbad Aesch-Pfeffingen. Hier ist am morgigen Samstag die letzte Chance zum Schwimmen: Das Freibad schliesse traditionell am Tag vor dem Bettag, erklärt Hänggi. Auch er habe nicht über eine Verlängerung der Saison nachgedacht: «Es sind schon nicht mehr viele Menschen im Bad. Wir hatten einen so schönen Sommer, dass alle bereits auf ihre Kosten gekommen sind.»

Wassertemperatur von 28,4 Grad

Ins Gartenbad Reinach kamen dieses Jahr 61 000 Badegäste. Die Badi öffnete wie der Bachgraben wegen Renovation allerdings erst am 16. Juni und lockte die Besucher dafür mit halbierten Eintrittspreisen sowie laut Pressemitteilung mit einer «sagenhaften» Wassertemperatur von 28,4 Grad. Die Möglichkeit des Frühschwimmens zwischen 6.30 und 9 Uhr nutzten demnach 1501 Gäste. Letzter Badetag ist in Reinach der morgige Samstag.