Das Ereignis wühlte die ganze Region auf, der Sachsachaden war enorm. Über die Brandursache kursierten die wildesten Gerüchte und Spekulationen. Gegen 180 Feuerwehrmänner bekämpften am 22. März 1966 den Grossbrand im Bad Ramsach, das zuvor vollständig neu renoviert worden war.

Am Tag nach dem Brand erschienen in der damaligen «National-Zeitung» Foto und Text, der telefonisch übermittelt worden war. «Kurz vor 16 Uhr sah eine Serviertochter aus dem Dachstuhl Rauch aufsteigen. Sie schlug sofort Alarm», wurde aus Läufelfingen mitgeteilt. Dank des tatkräftigen Eingreifens von Feuerwehrleuten und des unerschrockenen Einsatzes der Soldaten der Landwehrkompagnie IV/257 habe ein guter Teil des Restaurant- und Hotelmobiliars gerettet werden können.

Alarm nicht abgenommen

«Der Feueralarm über Telefon Nr. 18 ging an die Alarmstelle im Restaurant Bahnhof in Läufelfingen, welche umgehend die Feuerwehrpiketts von Läufelfingen und Häfelfingen alarmierte. Wegen Feldarbeit und Militärdienst nahm in Häfelfingen allerdings niemand den Alarm ab, weshalb in Läufelfingen Grossalarm ausgelöst und via Polizeiposten das Pikett Sissach um Hilfe gerufen wurde.» So steht es im Buch «Vom Sennereibad zum Gesundheitshotel. Das Bad Ramsach im Wandel der Zeit», das noch diese Woche erscheint.

Als erste Abwehr hätten die Hausbewohner und ein Nachbar die zwei Hauslöschposten benutzt, ist der Aktennotiz zur «Besprechung Brandfall Bad Ramsach» vom 7. April 1966 zu entnehmen. In diesem Papier wird ausführlich geschildert, welche Unbill und welch grossen Herausforderungen sich die Feuerwehrleute zu stellen hatten.

Die insgesamt 179 Feuerwehrmänner kamen aus Häfelfingen, auf dessen Gemeindegebiet sich das Bad Ramsach in idyllischer Umgebung befindet, aus Läufelfingen, Sissach, Rümlingen, Buckten, Känerkinden, Wittinsburg, Gelterkinden und sogar aus Olten, Birsfelden und Liestal. Aus dem Kantonshauptort wurde die Motordrehleiter angefordert, von der später direkt in die Flammen gespritzt werden konnte. Vorerst war im Tal unten niemandem bewusst, wie gross der Brand war, sonst wären sofort mehr Feuerwehren alarmiert worden. Aber je mehr sich der Brand ausdehnte, desto mehr Feuerwehrmänner wurden an den Brandort gerufen.

«Im Anfang wirkte sich etwas ungünstig aus, dass der Kommandant der Feuerwehr Häfelfingen im Militärdienst und derjenige von Läufelfingen an einem Kurs abwesend waren. Die Feuerwehrleute, die mit Autos, Motorrädern und anderen Vehikeln eintrafen, organisierten sich jedoch rasch selbst», wie die «National-Zeitung» berichtete. Mehrere Feuerwehrmänner wurden während ihrer Einsätze verletzt.

Der Dachstuhl des Bad Ramsach brannte vollständig aus, aus dem zweiten Stock war nichts mehr zu retten. Das Feuer war fürchterlich – zu stark für jene, die es bekämpften. Die Flammen hatten den ganzen Dachstock ergriffen und frassen sich ins Gebäude. Auch griff der Brand allmählich auf den benachbarten Altbau über. Zudem ging der Wasservorrat im Reservoir zur Neige. Deshalb musste man auf die im Kanton zur Verfügung stehenden Löschwasserzisternen zurückgreifen.

«5000 Franken in den Flammen»

Auf der Homepage der Feuerwehr Binningen findet sich eine Chronik, in der das Feuer im Bad Ramsach als damals «grösster Brandfall im Kanton Baselland» erwähnt ist mit einer Schadensumme von 1,28 Millionen Franken. «Zu Schaden kam auch der Hausbursche Hermann Maul, dessen ganze Ersparnisse im Betrage von rund 5000 Franken in den Flammen blieben», schrieb die «National-Zeitung».

Als Brandursache steht im Polizeibericht vom 31. März 1966: «Durch die starke Belegung des Kurhauses im ersten Quartal 1966 und die damit verbundene, offenbar übermässige Beanspruchung der Heizung mit Warmwasseraufbereitung, dürfte beim Kamindurchgang im Estrichboden ein anhaltender Temperaturanstieg mit Abstrahlungen an das anliegende Holzwerk zum Brandausbruch geführt haben.» Eine vorsätzliche Brandstiftung wie auch fahrlässige Verursachung des Brandes könne ausgeschlossen werden.

Rund 20 Monate nach dem Grossbrand konnte das Bad Ramsach vor Weihnachten 1967 neu eröffnet werden. Nach einjähriger Bauzeit ist ein grösseres und moderneres Kurhotel entstanden.

«Vom Sennereibad zum Gesundheitshotel. Das Bad Ramsach im Wandel der Zeit» (Herausgeber Daniel Mohler, Autorin Barbara Saladin): Das Buch erscheint dieser Tage und wird am Ramsacher Frühlingsmärt vom 3. April an einer Vernissage präsentiert und verkauft.