Sie brachte die Reinacher Asyl-Affäre ins Rollen, die am Mittwoch im Rücktritt von Gemeindepräsident Urs Hintermann und Gemeinderat Silvio Tondi (beide SP) gipfelte. Bisher äusserte sich Farideh Eghbali nicht zu den Abgängen.

Zur bz sagt die ehemalige Betreuerin des Reinacher Asylwohnheims nun, sie fühle sich nicht für den Doppelrücktritt verantwortlich: «Ich habe mich korrekt verhalten, als ich die beobachteten Missstände gemeldet habe. Ich würde alles genau gleich machen.» Wie sich die Angelegenheit entwickelt habe, sei jedoch unerfreulich – sowohl für die Gemeinde, aber auch für die SP: «Es gibt in dieser Geschichte keine Gewinner.»

Eghbali ist Mitglied der SP-Fraktion des Einwohnerrats. Sie sehe keinen Anlass, sagt Eghbali, ihr Mandat im Ortsparlament abzugeben: «Von Seiten der Partei habe ich nur vereinzelt negative Kommentare erhalten.»

Wahlen frühestens im November

Zum Stand der Verhandlungen mit der Gemeinde will sich Eghbali nicht äussern. Sie ist zwar freigestellt, jedoch noch nicht entlassen worden, obwohl der Gemeinderat dies im Mai angekündigt hatte. Im Juni 2016 meldete Eghbali ihren Vorgesetzten, dass eine Kollegin sich gegenüber einem minderjährigen Bewohner im Asylheim unprofessionell angenähert habe. Es folgte ein bis heute andauernder, öffentlich ausgetragener Arbeitskonflikt.

Die SP Reinach hält nun noch einen von ursprünglich drei Sitzen in der siebenköpfigen Gemeindeexekutive. Die Partei äusserte sich am Donnerstag ebenfalls zu den Abgängen. Für diese macht sie die «massive mediale Hetze» verantwortlich, die «gegen den Gemeinderat und gegen den Gemeindepräsidenten im Speziellen» betrieben werde.

Die Ortspartei nennt im Communiqué zwar das gestörte Verhältnis zwischen ihr und ihren beiden Ex-Amtsträgern, geht aber nicht näher darauf ein. Hintermann hatte in seinem Rücktrittsschreiben zwischen den Zeilen Parteikollege Rudolf Mäder kritisiert. Dieser ist Mitglied der Geschäftsprüfungs- und Rechnungsprüfungskommission (GRPK) des Einwohnerrats und hatte vergangene Woche öffentlich «die Chefs in der ganzen Linie» für den mittlerweile schlechten Ruf des Reinacher Asylheims verantwortlich gemacht – und somit auch Hintermann. Eghbali hingegen wurde von Mäder gelobt. Sie sei, hiess es im Schreiben, «hauptverantwortlich» für das hohe Ansehen, das die Institution genossen habe.

Am Donnerstag trafen sich die übrig gebliebenen fünf Mitglieder des Gemeinderats zu einer ausserordentlichen Sitzung. Bis zur Neubesetzung der vakanten Positionen übernimmt Béatrix von Sury d’Aspremont (CVP) Hintermanns Amtsgeschäfte. Sie sagt, der nächstmögliche Termin für eine Ersatzwahl sei der 26. November. «Ob es bis dahin reicht, ist noch nicht klar.»

In der gestrigen Sitzung wurde auch diskutiert, wie die Geschäfte der beiden scheidenden Ratsmitglieder verteilt werden können. Hintermann und Tondi verabschiedeten sich am Mittwoch persönlich von den Verwaltungsmitarbeitenden.

«Nicht mehr meine Partei!»

Über mögliche Kandidierende will sich die SP Reinach nicht äussern. «Die Gespräche sind im Gang», sagt Vize-Parteipräsident Mikula Thalmann zur bz. «Für die Nennung von Namen ist es aber noch zu früh.»

Hintermann wollte sich am Donnerstag auf Anfrage weder zu seinem Rücktritt, noch zu seiner Zukunft in der SP äussern. Seine Demission kam unerwartet – bereits am Sonntag hatte er jedoch auf ein Zerwürfnis mit seiner Partei hingewiesen. In einem Eintrag auf seinem Blog mit dem Titel «Eine Partei zerfleischt sich selbst» hielt er fest: «Es ist schon traurig zu erleben, wie sich die SP Reinach selber demontiert (...).» Verantwortlich für das «Debakel» seien «jene Fraktionsmitglieder, die vorverurteilen statt prüfen und die politische Kultur mit Füssen treten, indem sie die Gemeinderats-Vizepräsidentin (Béatrix von Sury d’Aspremont, Anm. d. Red.) im Einwohnerrat bei der Beantwortung einer Interpellation verhöhnen.»

Genau dieses Verhalten habe die SP bei einer anderen Partei immer angeprangert, schreibt Hintermann – jetzt mache sie es selber. Der Blog-Eintrag schliesst mit den Worten: «Das ist nicht mehr meine Partei!»