In dieser Situation mag es sehr zynisch klingen, wenn Robert Leu von einer «ziemlich komfortablen» Baustelle mit wenig Behinderungen spricht. Natürlich hat der Tiefbauingenieur und stellvertretende Leiter im Strassenkreis 1 zwischen Birsfelden und Liesberg aber von seinem Zeichentisch eine andere Sicht auf die Situation auf der St. Jakobs-Strasse als der genervte Pendler im Stau. «Bei einer Baustelle gibt es viele Abhängigkeiten, die vom Auto aus nicht zu sehen sind», meint Leu deshalb auch.

Die bz fasst diese Abhängigkeiten an der St. Jakobs-Strasse in fünf Fragen und Antworten zusammen und erklärt, warum alles auch viel schlimmer sein könnte.

1. Warum handelt es sich um eine «ziemlich komfortable» Baustelle?

Die St. Jakobs-Strasse ist sehr breit. So bleibt neben der Baustelle noch ein sechs Meter breiter Raum für zwei Fahrspuren im Gegenverkehr mit Tempo 50 statt 30. Eine einspurige Verkehrsführung mit Ampelschaltung wie bei vielen eng bebauten Strassen war also nie ein Thema.

2. Warum bemerkt der Autofahrer im Berufsverkehr so wenig von dieser «komfortablen Baustelle»?

Das Problem ist die Rennbahn-Kreuzung mit der Birsfelder- und der Margelackerstrasse. Durch die Baustelle gibt es auf der St. Jakobs-Strasse in Fahrtrichtung Basel nur eine sehr kurze Abbiegespur nach links, deren Ampelphase zudem immer wieder vom Tram unterbrochen wird, das immer Priorität hat. Diese Abbiegespur führt aber zum Anschluss an die H 18, wird also sehr stark benutzt. Die wartenden Linksabbieger blockieren deshalb die gesamte Spur in Fahrtrichtung Basel. Hinzu kommt, dass durch die aufgerissenen Strassen die Induktionsschlaufen vor den Ampeln zerstört wurden. Während der Bauzeit tagsüber lenkt zwar ein Mitarbeiter die Ampel manuell von einer kleinen Zentrale bei der Sportanlage Margelacker. Im Feierabendverkehr spult die Ampel aber stur ihre Phasen ab, ohne auf die aktuelle Verkehrssituation Rücksicht zu nehmen.

3. Warum könnte alles noch viel schlimmer sein?

Das Tiefbauamt koordinierte seine Arbeitsplanung mit Gemeinde, IWB und BVB, die verschiedene Arbeiten an Werkleitungen unter der Strasse ausführen. So wurden bereits in Nachtschichten die Wasserleitungen der Gemeinde unter der Rennbahn-Kreuzung erneuert; die restlichen Leitungen werden parallel zu den Belagsarbeiten saniert. Leu erachtet es auch für essenziell, dass die Anrainer, darunter viele Gewerbetreibende, von Anfang an informiert und nicht vor geschaffene Tatsachen gestellt wurden.

4. Warum wird es tatsächlich noch schlimmer werden?

Während der Sommerferien will Leu den gesamten Umbau der Rennbahnkreuzung über die Bühne bringen. Dazu müssen die Zufahrten zur Birsfelder- wie zur Margelackerstrasse gesperrt werden; der Verkehr wird grossräumig über den St. Jakob-Park umgeleitet. Die direkte Zufahrt zur H 18 ist damit nicht mehr möglich. Die Totalsperrung hat aber den Vorteil, dass es keinen Kreuzungsverkehr mehr gibt und der Verkehr auf der St. Jakobs-Strasse wesentlich flüssiger laufen sollte. Der letzte der drei Bauabschnitte bis zum Lux-Guyer-Kreisel wird ab Oktober während vier bis fünf Wochen nur als Einbahnstrasse befahrbar sein.

5. Warum wird überall gleichzeitig gebaut?

Laut Leu wurden viele Strassen wie die Birsfelderstrasse in Muttenz, die Birseck- und Rheinfelderstrasse in Muttenz und die Reinacherstrasse in Münchenstein letztmals zeitgleich in den Achtzigern saniert. Nun ist die erneute Sanierung auch wieder in etwa zeitgleich fällig. Zudem sollten alle

Baustellen im Umfeld der Autobahnverzweigung Hagnau bis Ende 2015 beendet sein, weil diese dann vier Jahre lang generalsaniert und umgebaut und zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führen wird.

6. Gab es bisher Beschwerden von Autofahrern?

Leu hat bisher lediglich zwei «Reklamationen» erhalten: Eine Muttenzerin wollte wissen, wie sie wieder vom Einkaufen zurückkommen solle, weil die Rechtsabbiegerspur in die Margelackerstrasse zeitweise gesperrt war; ein Transportunternehmen habe sich beschwert, warum es so viele Baustellen hintereinander gebe (siehe Frage 5). Vor der Sperrung der Rennbahnkreuzung in den Sommerferien wird das Tiefbauamt nochmals intensiv auf die Sperrungen aufmerksam machen. Ausserdem weist Leu darauf hin, dass die Nummer für Beschwerden oder Fragen auf allen orangefarbigen Hinweistafeln vermerkt ist.