Eigentlich können sich Le-Ha und Stephan Locher bei ihrer kleinen Tochter bedanken. Vor rund zweieinhalb Jahren merkten die dann frischgebackenen Eltern, wie schwierig es teilweise ist, im Raum Basel all jene Mittelchen und Dinge zu finden, die ihnen von ihrer Hebamme empfohlen worden waren. «Es gab alles irgendwo, aber nirgends alles an einem Ort», erzählt Stephan Locher. Speziell in Erinnerung ist dem 36-jährigen gebürtigen Binninger die Suche nach Bockshornklee-Kapseln geblieben, die milchbildend wirken sollen. Nicht in Apotheken fand er sie letztlich, sondern im Basler Chrüterhüsli.

«So gesehen brachte uns also unsere Tochter auf die Idee, eine Apotheke zu eröffnen, deren Angebot auf die Bedürfnisse von Schwangeren, Müttern und Kindern zugeschnitten ist», sagt Le-Ha Locher und lacht. Die 37-jährige Apothekerin erklärte es sogleich zum Familienprojekt. «Ohne meinen Mann hätte ich den Schritt in die Selbstständigkeit wohl nicht gewagt, es war mir wichtig, es gemeinsam zu tun.» Für Stephan Locher war das keine Frage, denn: «So passt es ja perfekt. Wir können beide das machen, worin wir gut sind.» Als ehemaliger Banker, der Marketing und Wirtschaft studiert hat, übernimmt er alles, was nicht das Pharmazeutische betrifft. Fürs Kerngeschäft aber sei seine Frau zuständig. «Sie ist das Gesicht unserer Apotheke.»

Fokus auf alternative Medizin

Beim Besuch der bz am Dienstagmorgen kann man kaum glauben, dass die Apotheke im Erdgeschoss des Dorenbach-Centers an der Binninger Hauptstrasse bereits am kommenden Montag ihre Türen öffnet, auch wenn die offizielle Eröffnung erst am 13. Oktober folgt. Kisten über Kisten stapeln sich im Gang, alle paar Minuten kommt ein Handwerker hinein und der Postbote bringt grosse Pakete in mehreren Fuhren. Doch schon vorher sollte alles eingerichtet sein, schliesslich kommt noch der Kantonsapotheker zur abschliessenden Qualitätsprüfung.

Die «Apotheke Dorenbach» läuft unter dem Label von Toppharm. Damit ist sie aber keine Filiale einer Kette, sondern bloss Teil einer Genossenschaft und komplett unabhängig, auch finanziell. «Ich möchte eigene Ideen entwickeln können», sagt Le-Ha Locher. Und davon hat sie viele: Neben dem Grundangebot, das jede Apotheke bietet, legt sie einen Schwerpunkt auf Homöopathie und alternative Medizin. «Wir wollen eine Referenzapotheke für Spagyrik werden», sagt Stephan Locher. Für das individuell abgestimmte Mischen der natürlichen Wirkstoffe haben sie ein extra grosses Labor eingerichtet. Das Besondere: Passanten können Le-Ha Locher künftig genau auf die Finger schauen, da das Labor eine grosse Glasfront hat.

Viel Konkurrenz in der Nähe

Die Jungunternehmer arbeiten zudem mit dem Hebammenverband zusammen. Auch streben sie die Zertifizierung zur «medinform Kinderapotheke» an, was eine separate Fachausbildung voraussetzt, die Le-Ha Locher abschliessen muss. «In Baselland wären wir die erste so zertifizierte Apotheke überhaupt, in Basel-Stadt gibt es bloss die Stern-Apotheke im Gundeli», sagt Stephan Locher. Von Tag eins an sollen Dienstleistungen wie Impfungen oder Erstuntersuchungen durch einen per Videochat zugeschalteten Arzt möglich sein.

Die Lochers wissen, dass es nicht einfach wird, sich an diesem Standort zu behaupten. In unmittelbarer Nähe gibt es bereits vier weitere Apotheken, dazu kommt, dass die Binninger Hauptstrasse von Arztpraxen übersät ist, die ausnutzen, dass sie in Baselland im Gegensatz zur Stadt selber Medikamente an die Patienten abgeben dürfen. Auch deshalb setzen Stephan und Le-Ha Locher konsequent auf ihr Konzept, um sich abzuheben. Neben Medikamenten, Heil- und Pflegemitteln bieten sie auch Nuschis, Wärme-Stofftiere oder Milchpumpen. Dazu kommt eine Auswahl an Tragetüchern – und ein separates Stillzimmer. «Später möchte ich vielleicht auch noch Traditionelle Chinesische Medizin anbieten», sagt Le-Ha Locher, die selbst chinesische Wurzeln hat.

Holee-Apotheker ist nicht erfreut

Zum Erfolg verhelfen soll auch die gute Lage mit der Laufkundschaft der Lidl-Filiale im selben Gebäude. Dass neben ihnen und dem bestehenden Café im Erdgeschoss des Dorenbach-Centers noch ein Coiffeur und ein Schlüsselservice einziehen sollen, dürfte der Frequenz auch nicht schaden. Ob das Ehepaar und sein Team all die ambitionierten Ziele aber erreicht, ist offen. Klar ist, dass die umliegenden Apotheken keine Freude an der neuen Konkurrenz haben dürften. Die bz hat sich umgehört. «Natürlich ist es nicht erfreulich», sagt Abdel Maksoud. Er führt seit 17 Jahren die Holee-Apotheke am Dorenbach-Kreisel – in Sichtweite des neuen Standorts. Es brauche neben Holee-, Margarethen-, Kronen- und Neubad-Apotheke keine weitere. «Bis jetzt ist es für mich gerade so aufgegangen», sagt Maksoud. «Doch gewisse Zukunftsängste habe ich schon, auch weil es für uns Apotheken sowieso schwierig ist.» Er zeigt sich skeptisch, dass das Konzept der Lochers aufgeht. «Es würde mich schon interessieren, wie sie das an diesem teuren Standort alles finanzieren.»

Selbst will der Apotheker sein eher traditionelles Konzept nicht verändern. «Ich zähle auf meine Stammkunden, die seit vielen Jahren zu mir kommen.»