Der Wischberg ob Hemmiken ist kein Ruhmesblatt für den Kanton Baselland. Der einst stabile Hang ist mittlerweile Sinnbild für behördliche Ignoranz und Arroganz. Und das gegenüber einer Problematik, welche die Behörden zumindest mitverursacht haben: Der Wischberg ist nach der Auffüllung einer ehemaligen Mergelgrube instabil geworden und bedroht den darunter liegenden Hof Maiberg. Hemmiken ist für die Grube verantwortlich, der Kanton ist Aufsichtsorgan.

Spätestens 2007, als das Kantonsgericht die Gemeinde und den Kanton aufforderte, den Nachweis zu erbringen, dass die Grube weder über- noch mit unsauberem Material aufgefüllt wurde, hätten die Behörden ihre Igelstellung aufgeben müssen. Stattdessen spielten sie weiter auf Zeit, bis sie sich ab 2011 zu einem Runden Tisch mit Schweigepflicht nach Aussen hangelten. Dies mit der Konsequenz, dass die Öffentlichkeit seither kaum noch etwas über die Verhandlungen erfahren hat.

Unsauberes Material

Die wichtigsten Akteure an diesem Runden Tisch waren auf Seite des Kantons Bau- und Umweltschutzdirektorin Sabine Pegoraro mit ihrem jetzt abtretenden Generalsekretär Michael Köhn, auf Seite der Gemeinde Hemmiken Präsident Alfred Sutter mit Anwalt Michael Baader, und auf Seite des Hofs Maiberg Bauer Alfred Suter mit Anwalt Caspar Zellweger. Neu dazu geholt wurde vor zwei Jahren der Geologe Jürg Nyfeler vom Büro Pfirter, Nyfeler und Partner in Muttenz.

Und Nyfeler schaffte ein kleines Wunder: Die Parteien haben sich inhaltlich inzwischen angenähert. Grundlage dafür sind umfangreiche Untersuchungen mit unter anderem Sondierbohrungen und dem Einsetzen von sogenannten Inklinometern zur Tiefenmessung der Hangbewegungen. In seinem Schlussbericht, in den die bz Einblick nehmen konnte, hält Nyfeler fest, was Maiberg-Bauer Suter schon immer gesagt hat: Der 1976 bewilligte Deponieperimeter wurde wesentlich überschritten, ebenso die aufgefüllte Menge: Statt der bewilligten 1300 wurden maximal 12'200 Kubikmeter abgelagert.

Zudem besteht das angelieferte Material nicht nur aus dem bewilligten sauberen Aushub, sondern auch aus Beton-, Plastik-, Metallteilen und anderem mehr, was nicht hierher, sondern auf eine Inertstoffdeponie gehört. Die Grenzwerte für Blei und Kohlenwasserstoff werden teils überschritten.

Die Deponie und deren nahes Umfeld bezeichnet der Gutachter in den vergangenen zwölf Jahren als «erdmechanisch» stabil. Die messbaren Bewegungen würden dem natürlichen Kriechen von Opalinuston-Hängen im Baselbiet entsprechen. Unmittelbar oberhalb der Stallgebäude des Hofs Maiberg sei die Bewegungsaktivität des Geländes allerdings etwas grösser.

Kanton geht vorzeitig von Bord

Nicht explizit untersucht hat Nyfeler die Wasserströme im Hang, weil dies nicht zum Auftrag gehörte, was Suter und sein Anwalt bemängeln. Der Bauer sagt: «Ohne Untersuchung mit Färbversuchen, um die Wasserströme zu eruieren, ist kein abschliessendes Urteil möglich.» Einig sind sich die Streitparteien, dass die Untersuchungsresultate zwingend eine Deponiebewilligung nötig machen, die Hemmiken nun nachträglich einholen muss.

Im Weiteren empfiehlt Nyfeler, mit einer Drainage zwischen Grube und Hof die Hangwassersituation zu verbessern, oberhalb der Stallgebäude mittels Sporen den Kriechhang zu stabilisieren und die Stallgebäude danach zu sanieren. Ob und auf wessen Kosten das gemacht wird, ist im Moment völlig offen. Regierungsrätin Pegoraro hat offenbar nun den Runden Tisch als beendet erklärt, weil die vom Kantonsgericht verlangten Abklärungen gemacht seien. Der Landrat soll über die Untersuchungen und deren Resultate informiert werden. Heute will die Regierung dazu ein Communiqué veröffentlichen.

Hemmiken und Bauer Suter respektive deren Anwälte müssen nun ausserhalb des Runden Tisches nach einer Lösung der offenen Fragen suchen.