Deutlicher gehts kaum: «Nein bleibt Nein!», lautet der Titel des offenen Briefes, den die im Aescher Feld tätigen Bauern am Dienstag publiziert haben. Damit bekräftigen sie, dass ihr Land nicht zur Verfügung stehe für ein Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest (Esaf) 2022 in Aesch. Alle betroffenen Landwirte stehen geschlossen hinter dem Entscheid, heisst es im Schreiben, das der bz vorliegt. Gezeichnet ist es von acht Pächter- oder Betreiberfamilien aus Aesch, Reinach und Pfeffingen.

Wahrhaben wollen die Botschaft jedoch längst nicht alle. Mittlerweile hat sich sogar ein Komitee für ein Schwingfest in Aesch gebildet. Mitglieder sind unter anderem die Aescher Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger und ihr Vorgänger Cyrill Thummel. Bei einem abschlägigen Entscheid zur Variante St. Jakob, die derzeit geprüft wird, werde man «alles daransetzen, dass Aesch das Fest durchführen kann», sagt Hollinger auf Anfrage. Das Komitee gewinne laufend neue Mitglieder. Vorerst warte man nun aber den Bescheid aus Basel zur Alternative Joggeli ab.

Sie spüre in der Bevölkerung «eine ganz breite Unterstützung» und sie habe «sehr viele positive Rückmeldungen» zum Fest erhalten, sagt die FDP-Politikerin. Den Widerstand der Bauern akzeptiere sie – gemäss ihr herrscht in der Schweizer Bauernwelt aber Unverständnis darüber, dass die Bauern in Aesch so strikte gegen das Fest sind.

Aufgeschoben statt aufgehoben

Diese sind über derartige Bekundungen alles andere als erfreut. «Erstaunt stellen wir fest», heisst es im besagten Brief der Bauern, «dass bei einem negativen Entscheid im St. Jakob der Standort Aesch erneut bearbeitet werden soll.» Dabei hätten sie ihre Position den Baselbieter Schwingern und den Medien «bereits mehrmals schriftlich deutlich und unmissverständlich» klargestellt. Sie seien überzeugt, dass das Gebiet St. Jakob/Brüglinger Ebene «der einzig vernünftige Standort in der Region für diesen Grossanlass» sei.

Ihr Veto gegenüber einem «Eidgenössischen» machten die betroffenen Landwirte in der Tat schon mehrfach bekannt: Anfang Juni teilten sie ihre ablehnende Haltung dem Basellandschaftlichen Kantonalschwingerverband (BLKSV) mit, im Oktober der bz, Ende Oktober an einer Medienkonferenz – und nun ein viertes Mal, mit einem offenen Brief. Sie begründen ihre jüngste Stellungnahme mit dem Verhalten der Schwinger: Diese hätten die Variante Aesch nur zurückgesetzt, also noch immer nicht ganz aufgegeben.

Die Bauern haben Recht: Einstimmig entschieden die Kantonalschwinger an ihrer Generalversammlung vom vergangenen Freitag in Pratteln, die Planungen für Aesch wieder aufzunehmen, falls sich das Schwingfest im Gebiet St. Jakob als nicht realisierbar erweisen sollte.

Ob das Esaf 2022 im «Joggeli» machbar ist, darüber berichtet eine Expertengruppe voraussichtlich am 15. Dezember. Im Gremium ist auch der Stadion-Vermarkter FC Basel vertreten. Als Berater der Gruppe fungiert der frühere Spitzenschwinger Rolf Klarer. Zwischenergebnisse gebe es noch keine zu vermelden, sagt er auf Anfrage.

«Lästige Spielverderber»

Den Brief der Bauern unterschrieben hat auch Christian Schürch. Er ist Pächter des Neuhofs in Reinach. Laut der Machbarkeitsstudie zum Esaf in Aesch würde der grösste Teil des Festgeländes auf Boden erstellt, der von ihm bewirtschaftet wird. Die Familie Schürch verschickte am Dienstag zusätzlich eine eigene Stellungnahme. Darin heisst es: «Mit Erstaunen nehmen wir zur Kenntnis, dass über unser Land verfügt wird, als ob wir weder Konzepte oder Strategien, noch rechtliche Ansprüche hätten. Wir scheinen als eigentlich Hauptbetroffene gar nicht zu existieren, ausser vielleicht als lästige Spielverderber oder leicht manipulierbare Nebenfiguren.»

Auf den von ihnen bewirtschafteten Flächen im Aescher Feld sei der Nutzungsdruck riesig. Man habe immer versucht, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Mit dem Anlegen von Buntbrachen habe etwa die Biodiversität erhöht werden können. Das Schwingfest würde sie um die Früchte von zwanzig Jahren Arbeit bringen. Ihr Nein zum Fest sei definitiv und «nicht verhandelbar».