In der Medizin würde man von einem Eingriff an einer ziemlich heiklen Stelle sprechen. Dem Patienten wird gerade eine verkalkte Zuleitung der Aorta geputzt und vergrössert, und weil in dieser Zeit weniger Blut durch diese Adern rauschen kann, muss es auch aussen vorbei geführt werden, über Bypässe. Das kann zu Blutstau auf der Aorta selbst führen, aber dem Patienten sollte das nicht gross schaden. So jedenfalls lautete die Ankündigung des Chirurgen – die betroffenen Organe jedoch waren weniger erfreut. Aber mittlerweile haben auch sie sich beruhigt, ebenso die Blutkörperchen.

Schänzli-Tunnel

Eine Fahrt durch den Schänzli-Tunnel vergangenen Oktober.

Der Chirurg, das ist das Bundesamt für Strassen (Astra), die Organe die beiden Basel und Muttenz, die Aorta die A 2, der verkalkte Nebenarm die A 18, die Blutkörperchen sind die Autofahrer und der Eingriff heisst Erhaltungsprojekt Schänzli. Die ersten Arbeiten begannen vor einem Jahr, seit rund drei Monaten liegt der Patient – die Nordwestschweiz – auf dem OP-Tisch. Zu nennenswerten Komplikationen ist es nicht gekommen, zumindest nicht bisher. Und auch wenn ab Sonntag wieder grössere Sperrungen vorgesehen sind (siehe Kasten), macht das Muttenz nicht nervös. Dabei hatte die am stärksten betroffene Gemeinde noch vor nicht allzu langer Zeit hyperventiliert.

«Aus unserer Sicht läuft es zufriedenstellend», sagt der für den Verkehr zuständige Gemeinderat Roger Boerlin. «Alle sind überrascht, wie gut sich der Pendlerverkehr abwickelt.» Muttenz fürchtete sich vor allem vor der heissen Phase des Erhaltungsprojekts. Seit dem 15. Oktober werden die Tunnel Schänzli und Hagnau der A 18 saniert. Das bedeutet: Einer von je zwei Fahrstreifen pro Fahrtrichtung fällt weg, zurzeit ist der Tunnel in Fahrtrichtung Basel verengt. Damit die Massen an Autos und Lastwagen trotzdem aufgefangen werden können, gibt es Hilfsbrücken. Ein Bypass führt abschnittsweise über die Muttenzer St. Jakob-Strasse.

Angst vor Feuer

Die Gemeinde hatte Worst-Case-Szenarien ausgearbeitet, für den Fall, dass das angrenzende Untermatt-Quartier von einer Blechlawine erfasst wird. Sogar die Muttenzer Feuerwehr hätte dezentral aufgestellt werden sollen, denn wären die Strassen verstopft, könnten die Feuerwehrleute im Notfall nicht mehr in sinnvoller Frist beim Magazin eintreffen.

Das alles scheint nun nicht mehr notwendig zu sein. «Bis jetzt haben sich unsere Befürchtungen nicht eingestellt», sagt Boerlin. «Und wir denken, dass das auch so bleiben wird.» Das habe damit zu tun, dass im Winter besonders viele Menschen mit dem Auto unterwegs seien, die Belastung also wohl kaum noch zunehme. Die Verkehrsingenieure hätten vorausgesagt, dass es zumindest im ersten Monat mit den Bypässen zu Chaos komme, sagt Boerlin. «Doch nicht einmal dann waren die Staus gross länger als im Normalfall.»

Beim TCS beider Basel zeigt man sich ebenfalls erfreut über die Situation am Schänzli. «Auch zu unserer Überraschung läufts positiv», sagt Geschäftsführer Lukas Ott. «Es gibt zumindest nicht mehr Staus als zuvor, also vor den Spursperrungen in den Tunnels Schänzli und Hagnau.» Ott legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass es auch der TCS gewesen sei, der, zusammen mit anderen Verbänden, beim Astra auf Anpassungen gepocht habe.

Viertel-Milliarde verbaut

Das Astra schreibt, das Sanierungsprojekt befinde sich im Zeitplan. Und auch wenn es noch stark schneien sollte, so hätte das kaum Verzögerungen zur Folge: Schlechtwettertage seien einkalkuliert.

Das Projekt kostet rund 240 Millionen Franken und ist auf fünf Jahre ausgelegt. Bis 2021 ist auf der A 2 und auf der A 18 im Bereich Schänzli noch mit Umleitungen, Behinderungen und Sperrungen zu rechnen. Der betroffene Knotenpunkt liegt auf einem der am stärksten befahrenen Autobahn-Abschnitte der Schweiz.

Beeindruckend ist die Zahl der Brücken sowie der Über - und Unterführungen, die instand gesetzt werden: Es sind deren 30.