Es gibt wohl keine Gemeinde im Kanton, in denen die Worte Verdichtung und Quartierplan häufiger fallen als in Reinach. Und die Gemeinde lässt sich auch durch das Referendum zum letzten Quartierplan auf diesem Weg nicht beirren. Am Montagabend hat bereits die nächste Quartierplanung eine erste Hürde genommen: jene für das Stöcklin-Areal, das zwischen Reinach, Aesch und Dornach liegt. Der Einwohnerrat Reinach überwies die Vorlage einstimmig an die Sachkommission Bau, Umwelt und Mobilität (BUM).

Mitten auf der Grenze

Die Grundeigentümerin Stöcklin Logistik AG wird ihre Produktion nach über 80 Jahren an einen anderen Standort verlegen und plant auf dem Areal eine Überbauung für Wohnen und Arbeiten (bz berichtete). Unter anderem sind drei 11- bis 13-geschossige Hochhäuser und über 240 Wohnungen vorgesehen. Speziell an der Quartierplanung ist, dass mitten durch das Areal die Gemeindegrenze zwischen Reinach und Aesch verläuft. Deshalb wird auch die Gemeindeversammlung Aesch über das Vorhaben befinden müssen. Der Reinacher Gemeindepräsident Urs Hintermann ermahnte denn auch, dass der Einwohnerrat nur für die eigene Gemeinde Beschlüsse fassen solle und keine, die der anderen Gemeinde zuwiderlaufen würden.

Am Montagabend zumindest tat der Einwohnerrat keines von beidem. Zwar merkten mehrere Fraktionen an, dass noch Fragen offen seien. Sie wollten diese aber direkt bei der BUM einbringen. Die SVP formulierte ihre Bedenken als einzige aus. Die Fraktion fragt sich unter anderem, wo die Kinder des Quartiers dereinst zur Schule gehen sollen. Schliesslich ist das Areal sowohl vom Zentrum in Reinach als auch Aesch weit entfernt. Von Dornach wiederum ist es durch die Birs getrennt. Auch Hintermann erkannte die ungewöhnliche Lage des Stöcklin-Areals an. «Eigentlich ist es sowohl für Reinach als auch für Aesch eine marginale Lage», sagte er vor dem Einwohnerrat. «Aber betrachtet man es aus der Optik der Birsstadt, ist es plötzlich sehr zentral.»

Im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung wurden unter anderem Bedenken wegen der Höhe der geplanten Türme sowie wegen des Mehrverkehrs laut. Hintermann hingegen sagt, dass nur gut hundert zusätzliche Fahrten täglich erwartet werden müssen, was etwa drei bis vier Prozent des Verkehrsaufkommens auf der angrenzenden Bruggstrasse ausmache. «Das ist für die Bruggstrasse durchaus verkraftbar – oder besser gesagt: Das Verkehrsproblem auf der Bruggstrasse besteht unabhängig von diesem Quartierplan und muss auch unabhängig von diesem gelöst werden.»

4,6 Millionen für Sportanlage

Weiter sprach der Einwohnerrat am Montagabend einstimmig einen Baukredit von rund 4,6 Millionen für die Realisierung der ersten Etappe der Sport- und Freizeitanlage Fiechten. Diese umfasst die Errichtung eines neuen Kunstrasenfelds sowie eines Garderoben- und Klubgebäudes. Die erste Etappe muss schnell realisiert werden, wenn der Meisterschafts- und Trainingsbetriebs des FC Reinach gesichert bleiben soll. Denn mit dem geplanten Ersatzneubau des Wohn- und Bürozentrums für Körperbehinderte Reinach (WBZ) wird dem FC am bisherigen Standort ein Spielfeld weniger zur Verfügung stehen.