Nach dem deutlichen Nein des Baselbieter Stimmvolks am 26. November 2017 zur Stilllegung der S 9 ist nun die Politik gefordert: Wie kann das Läufelfingerli attraktiver gemacht und die Anzahl der Fahrgäste auf der hoch defizitären Bahnlinie erhöht werden? Der grüne Regierungsrat Isaac Reber, der am Donnerstag im Landrat anstelle der abwesenden Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP) die Verkehrsgeschäfte vertrat, sprach eine unbequeme Wahrheit aus: Dass sich die Homburgertaler wirkungsvoll für ihre Bahn einsetzten, das sei bekannt. «Dass sie die Bahn auch benutzen, das müssen sie noch beweisen», sagte Reber. Von allen nun diskutierten Massnahmen würde diese nämlich «mit Abstand am meisten» bringen.

U-Abo: Beide Strecken anschauen

Doch darüber verhandelte der Landrat am Donnerstag nicht. Sondern er überwies insgesamt acht Vorstösse mit einem Katalog an Ideen, welche die Attraktivität der Bahnlinie erhöhen sollen. Im Zentrum standen Vorstösse von Susanne Strub (SVP) und Sandra Strüby (SP). Demnach soll das U-Abo des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) auf der S 9 künftig bis nach Olten gültig sein. Damit werde die Bahn für viele Pendler aus dem Homburgertal attraktiver. Das könnte wesentlich zur Steigerung des Kostendeckungsgrades auf der S 9 beitragen, ist Strüby überzeugt.

Die Idee weise mehrere Mängel auf, sagte Reber. Einer davon: Alleine die Strecke Läufelfingen-Olten mit einer Ausdehnung des Gültigkeitsbereichs zu begünstigen, gehe nicht. Wenn deswegen die Fahrgäste vermehrt die Verbindung via Läufelfingen nutzen würden, anstatt den Schnellzug Sissach-Olten zu nehmen, dann würde dies die SBB wohl veranlassen, die Ertragsausfälle im Fernverkehr in Rechnung zu stellen. Wenn schon über eine Ausdehnung des TNW diskutiert werde, dann «müssen wir beide Äste anschauen», stellte Reber klar. Schliesslich sei die Strecke via Tecknau und Hauenstein-Basistunnel die schnellere und bei den Fahrgästen viel beliebtere.

Der Landrat überwies in der Folge Strubs zum Postulat abgeschwächten Begehren ohne Gegenstimme. Der Vorstoss von Strüby, den diese als strenge Motion stehen lassen wollte, lehnte das Parlament hingegen mit 34 gegen 48 Stimmen ab. Reber wies darauf hin, dass Baselland gar nicht alleine über die Erweiterung des TNW entscheiden könne, es sei die Zustimmung der Partnerkantone und beteiligten Transportunternehmen nötig. Ein verpflichtender Gesetzesvorstoss mache demnach gar keinen Sinn.

Über weitere Ideen – etwa die Durchbindung der S 9 Richtung Basel oder eine Änderung des Fahrplans – diskutierte der Rat gar nicht erst. Die FDP argumentierte, dass nun alles auf den Tisch müsse: «Man darf durchaus sehen, dass auch Furz-Ideen eingebracht wurden», sagte Fraktionschef Richterich. Auch Isaac Reber betonte, dass die Regierung «völlig frei im Denken» und bereit sei, alle Vorstösse zu prüfen. Der Landrat folgte dieser Maxime – bis auf eine Ausnahme: Mit 44 zu 37 Stimmen lehnte er einen Vorstoss von Jan Kirchmayr (SP) ab, der einen Bahnhof in Thürnen anregte.

«Schuss ins Ofenrohr»

Dieser Vorstoss sei ein Schuss ins Ofenrohr, sagte der Buckter Gemeindepräsident Peter Riebli (SVP). Keine einzige Gemeinde im Tal würde einen neuen Bahnhof unterstützen. «Wir bräuchten, um die Anschluss-Situation in Sissach und Olten zu verbessern, eher weniger als mehr Haltestellen», gab Riebli zu bedenken. SP-Landrätin Strüby – auch sie wohnt in Buckten – konterte: Es habe bisher keine Bevölkerungsbefragung zum Thema Haltestellen gegeben. Vom Tisch ist die Idee ohnehin nicht: Der Landrat überwies nämlich einen weiteren Vorstoss von Regina Werthmüller (GLP/ GU). Dort taucht inmitten eines Massnahmenkatalogs für einen besseren öV im Homburgertal der Bahnhof wieder auf.